Einst gab es in Altenkunstadt drei öffentliche Bibliotheken, die Leseratten mit Futter versorgten. Die Büchereien der katholischen Pfarrgemeinde und des Ortsvereins der Arbeiterwohlfahrt bekamen in den 1980er und 1990er Jahren die Auswirkungen des modernen Medienzeitalters zu spüren und schlossen wegen mangelnder Nachfrage für immer ihre Pforten. Geblieben ist die Bibliothek der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, die sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Und das in einer Zeit, in der das E-Book dem gedruckten Buch mehr und mehr Konkurrenz macht. Heuer jährt sich die Gründung der Bibliothek zum 60. Mal.

Ursprünglich in Strössendorf

Die 1960 ins Leben gerufene Bücherei befand sich ursprünglich im Strössendorfer Pfarrhaus. Im Oktober 1971 wurden die Bände nach Altenkunstadt verlagert, wo im neu errichteten Kreuzberg-Gemeindezentrum ein eigener Büchereiraum für sie zur Verfügung stand. Die Zahl der Schmöker wuchs von Jahr zu Jahr. Das hatte zur Folge, dass schon bald der Platz knapp wurde und man einen Teil der Bände in der Sakristei der Kreuzbergkirche unterbringen musste. Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde waren sich bewusst, dass dies nur eine Übergangslösung sein konnte.

1997 wurde daher das Gemeindezentrum um einen einstöckigen Bücherei-Anbau erweitert. In den gemütlich gestalteten Räumen mit Leseecken hat alles seinen festen Platz. Das erleichtert das Suchen und Auswählen. So befinden sich im Obergeschoss Bilderbücher für Mädchen und Jungen im Vorschulalter sowie für Kinder, die "erste Gehversuche" im Lesen machen. Kindgerechte Literatur gibt es auch für das erste und zweite Lesealter, also für Kinder von sechs bis acht beziehungsweise neun bis zwölf Jahren.

Im Rahmen von Lesewochen besuchten Kindertagesstätten und Grundschulklassen die Bücherei. Auch ein "Leselöwe" war hier schon zu Gast. Nicht minder attraktiv ist das Angebot für Jugendliche ab 13 Jahren. Sie können aus einem umfangreichen Sortiment an Sachbüchern zu den Themenbereichen Religion, Geografie, Geschichte, Naturwissenschaften und Experimente, Neue Medien, Sport, Kreatives Arbeiten, Technik und Raumfahrt auswählen.

Das Erdgeschoss der Bibliothek ist der Erwachsenenliteratur vorbehalten. In den Regalen stehen Biografien und Romane, darunter viele Klassiker. "Frauen leihen vor allem Krimis aus", weiß Einrichtungsleiterin Kathrin Hofmann, die den Geschmack "ihrer Kunden" mittlerweile kennt. Der Buchbestand der öffentlichen Bibliothek wird regelmäßig aktualisiert; schadhafte Exemplare und Schmöker, die kein Interesse mehr finden, werden ausgemustert.

Konnten früher sämtliche Bände kostenlos ausgeliehen werden, so ist das heute aufgrund knapper Finanzen nicht mehr möglich. Doch bereits für eine einmalige Entleihgebühr von drei Euro pro Jahr kann eine ganze Familie schmökern so viel sie will. Die Corona-Pandemie war der Grund dafür, dass die evangelische Bücherei im Frühjahr für zwei Monate schließen musste. Am 27. Mai öffnete sie erstmals wieder ihre Pforten. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", erzählt Pfarrerin Bettina Beck, die in Absprache mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern ein Schutzkonzept für die Bibliothek erstellte.

Schutzscheibe für die Mitarbeiter

Keine einfache Aufgabe, denn der einstöckige Bücherei-Anbau ist nicht übermäßig groß. Die Seelsorgerin hatte daher anfangs Bedenken, ob es hier überhaupt möglich ist, genügend Abstand zu halten, und der Austausch der Bücher so erfolgen kann, dass das Infektionsrisiko möglichst gering ist. "Da ich die Verantwortung für den Schutz der Ehrenamtlichen und der Besucher trage, war es mir wichtig, sorgfältig und gut überlegt vorzugehen", betont Bettina Beck. Unterstützung erhielt die Kirchengemeinde vom evangelischen Literaturportal, das nicht nur informierte, wie eine Wiederöffnung unter Corona-Bedingungen aussehen könnte, sondern auch noch mit einem Geschenk überraschte: Eine mit einer Durchreiche für Bücher ausgestattete Schutzscheibe für die Mitarbeiter hinter der Theke. In "normalen" Zeiten öffnet die Bibliothek, die allen Bürgern zur Verfügung steht, zweimal pro Woche ihre Pforten. Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es vorerst jedoch nur eine Entleihmöglichkeit und zwar mittwochs von 16 bis 17 Uhr.