Der ganze Gemeindesaal ist voll. Schwarz-rot gekleidete Frauen und Männer begeben sich auf ihre Stammplätze. Als Wolfram Brüggemann den ersten Ton anstimmt, verstummt das aufgeregte Geplapper: Die Chorprobe beginnt.

Der Gospel-Chor Good News in Bad Staffelstein feierte vergangenen Herbst sein fünfjähriges Bestehen. Vorsitzender Rolf Bechmann erklärt die Entstehung des Chors: "Zuerst waren wir ein Projektchor, der vom Sängerkreis Bamberg initiiert war. Hier gab es die ,Liedertafel‘, die allerdings nicht mehr wirklich aktiv war." Daraufhin haben sich die Mitglieder des Projektchors entschieden, dem bereits bestehenden Staffelsteiner Chor beizutreten. "Und an einem Tag sind dann 55 neue Mitglieder zur ,Liedertafel‘ hinzu gekommen." Das Besondere am Gospel-Chor: Anders als bei einem normalen Kirchenchor wird nicht nur musiziert, sondern auch getanzt, geschnipst und in verschiedensten Sprachen gesungen.
 
Vielfältiges Liedgut
Das Liedgut erstreckt sich von berühmten Gospel-Songs wie "I will follow him", bekannt aus dem Film "Sister Act", bis zu Liedern aus dem afrikanischen Sprachraum. Da singen die Staffelsteiner auch mal auf Suaheli, Zulu oder Schona. Natürlich haben sie aber auch viele Lieder auf Deutsch oder Englisch in ihrem Repertoire, vereinzelt sogar auf Schwedisch oder Lateinisch.


Insgesamt finden sich in ihren Ordnern Noten und Texte von 50 bis 60 Stücken. Die werden allerdings bei den wenigsten Liedern gebraucht: Die Chormitglieder singen auswendig. Einig sind sich die Sänger darin, dass ihr Chor einfach etwas ganz Anderes, etwas Besonderes ist. Vor allem das Spirituelle in den Liedern begeistert sie.

Den großen Zulauf an Sängern - letzte Woche trat das 80. Mitglied bei - verdankt der Chor sicherlich auch seinem Leiter Wolfram Brüggemann. "Er ist ein exzellenter Musiker und leitet den Chor mit Autorität und Humor", beschreibt ihn Vorsitzender Rolf Bechmann. Motivierte neue Sänger sind in den Reihen des Chores immer herzlich willkommen: Besonders Männerstimmen werden dringend gesucht. Gerade mal ein Zehntel der Mitglieder sind nämlich männlich.

Als Chorleiter Wolfram Brüggemann während der Probe einen der Sänger nach vorne holt und diesen spontan zu den afrikanischen Rhythmen mittrommeln lässt, lacht Monika Grober. "So ist unser Chorleiter, sehr spontan... Wir haben auch schon Zugaben gesungen, die wir noch nie vorher aufgeführt haben", sagt die Sopranistin.

Die Proben des Chors finden einmal wöchentlich im Gemeindesaal der evangelischen Kirche statt. "Wir geben dem Chor gerne eine Herberge. Die Räume, in denen sie zu Beginn geprobt haben, waren einfach zu klein", sagt Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen. "Es ist ein schönes Miteinander, und sie singen schließlich christliches Liedgut. Das passt einfach."

Zum Dank dafür, dass das Gemeindehaus zur Verfügung gestellt wird, geben die Gospel-Sänger gerne Konzerte für und in der Kirche. Am Samstag, 8. Februar, findet ab 17 Uhr ein weiteres Benefizkonzert statt. Der Erlös wird für die Kirchenrenovierung genutzt.