Das kannte man so nicht von einer Gemeinderatssitzung: Alle Plätze im schmalen Zuhörerbereich waren besetzt, ja sogar zusätzliche Stühle mussten von nebenan geholt werden. Es waren Männer und Frauen aus den Reihen derer, die sich gegen die vorliegende Planung zum Rathausan- und -umbau gewandt haben. Für sie sollte die Abstimmung enttäuschend ausgehen: Mit nur einer abweichenden Stimme (Georg Kremer, SPD) entschied das Gremium, an der Planung des Bamberger Architekturbüros Eis-Architekten festzuhalten und den Einwendungen der Interessengemeinschaft nicht weiter nachzugehen. In einem Schreiben, unterzeichnet von Altbürgermeister Fred Köhlerschmidt (SPD) und weiteren Personen, hatte diese in der vergangenen Woche ihre Argumente dargelegt, außerdem Unterschriftenlisten mit rund 1200 Namen angefügt.
Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) legte in einem umfassenden Vortrag die Gründe für eine Modernisierung und Erweiterung des Rathauses dar. Seit 47 Jahren werde das Gebäude als Rathaus genutzt, mit einem Anbau vor 38 Jahren. In der Zwischenzeit habe sich in der Gemeinde einiges verändert: Ortsteile kamen hinzu, außerdem weitere Aufgaben mit Raumbedarf wie für den Abwasserzweckverband, Renten- und Seniorenberatung. Ende 2002 sei erstmals über die Notwendigkeit eines Anbaues mit behindertengerechtem Zugang, größerer Registratur, Besprechungsraum und größerem Trauzimmer gesprochen und das mit 870 000 Euro bezifferte Vorhaben nur aufgrund der damals abgespannten finanziellen Situation der Gemeinde aufgeschoben worden. Fischer stellte klar, dass die Kosten nach jetzigem Planungsstand auf rund 1,63 Mio. Euro beziffert werden. Angesichts der Tatsache, dass damals von den heutigen Brandschutzbestimmungen noch nicht die Rede war, die aber mit einem Aufwand von geschätzt 500 000 Euro umgesetzt werden müssten, könne man sich die Kosten ja zusammenrechnen. Die immer wieder angeführten 2,3 Mio. Euro beinhalteten die Gestaltung des Umfeldes. Ob der durch den Kauf des Nachbaranwesens Tempel nach dem geplanten Abriss des Gebäudes gewonnene Raum als Grünanlage oder zu Parkflächen genutzt werde, und wie die Straßenführung sein wird, wisse man noch nicht.
Mit den Einwänden der Gegner setzte sich Fischer kritisch, bisweilen zynisch, auseinander. Als in der Gemeinderatssitzung im April im Zusammenhang mit dem Rathausumbau eine Summe von zwei Millionen genannt worden war, habe es aus der Bevölkerung keine Reaktion gegeben. In Michelau von einem Einwohnerschwund zu sprechen, findet er "etwas vermessen". Zum Monatsende habe die Zahl 6496 betragen, und die Entwicklung sei gar nicht schlecht.
Eine Sanierung und Nutzung des Anwesens Tempel koste etwa so viel wie ein Neubau. An dieser beengten und unübersichtlichen Stelle, wo viele Autofahrer sich nicht an das vorgegebene Schritttempo hielten, "Ordner rüber und nüber" zu tragen, hielt Fischer gar für gefährlich. Er führte die Anforderungen an ein modernes Verwaltungsgebäude vor Augen. Natürlich gehe es auch anders: "Wir können die nächsten 40 Jahre zusammenrutschen und drei Mann in ein Zimmer reintun". Die finanzielle Lage der Gemeinde stellt sich heuer nach Aussage des Bürgermeisters sogar positiver als erwartet dar. Es könnten rund 2,6 Mio. Euro in die Rücklage eingestellt werden.
In der Bürgerinitiative will man sich nach der für sie enttäuschenden Abstimmung über ein weiteres Vorgehen erst beraten.