Wer viel weiß und viel kann, der soll auch entsprechend bezahlt werden, findet Erika Schamburek, Chefin des Friseursalons Hairscout. "Friseure werden immer so hingestellt, als hätten sie nichts auf dem Kasten. Aber meine Leute lernen drei Jahre lang und haben Fachwissen, auch im Bereich der Chemie - etwa wie Farben gemischt werden und welche Kopfhaut was verträgt." Dieses Fachwissen müsse entlohnt werden, sagt sie. Ihre Angestellten bekämen deshalb bereits jetzt mehr als den Mindestlohn. "7,50 Euro sind einfach zu wenig."

Gute Arbeit kostet Geld

Friseurmeister Peter Schamburek ist der gleichen Meinung. "Viele sehen das Friseurhandwerk nicht als vollwertigen Beruf. Ich finde die Einführung eines Mindestlohns gut, damit die Leute merken, dass die Dienstleistung eines Friseurs etwas wert ist." Für guten Service sollte ein Kunde bereit sein, entsprechend zu bezahlen.
"Qualität ist eben nicht billig. Ich krieg auch keinen Ferrari zum Preis von einem Trabi."

Marion Löhrlein lässt bei Hairscout Färben und Föhnen, für 63 Euro. "Das ist es mir wert", sagt sie. "Der Salon leistet hervorragende Arbeit, das muss auch bezahlt werden." Der Mindestlohn war überfällig, findet sie, und eigentlich müsste er höher sein. "Reinigungskräfte würden für diesen Lohn nicht arbeiten. Meine Putzfrau bekommt 13,65 Euro die Stunde."

Für Karl-Heinz Kraus, Chef vom Salon Kraus, ist der Mindestlohn kein Thema. "Meine Angestellten bekamen schon bisher 9 Euro bis 9,50 Euro, je nach Berufserfahrung." Trotzdem findet er die Einführung des Mindestlohns generell gut. "In den Ketten wird oft nicht nach Tarif bezahlt. Für die Angestellten ist der geringe Lohn, den sie dort bekommen, nicht gerechtfertigt." Der Mindestlohn könnte deshalb ruhig höher sein. "7,50 Euro sind recht wenig für die Leistung, die gebracht wird."

"Zehn Euro wären besser"

Roswitha Scheller geht alle sechs Wochen zum Friseur und lässt Waschen, Schneiden und Föhnen. Im Salon Kraus kostet das rund 30 Euro. "Wenn man überlegt, wie lange man beim Friseur sitzt, ist das wirklich nicht zu viel." Sie findet, Friseurinnen sollten mindestens zehn Euro pro Stunde kriegen, und wäre auch bereit, mehr für den Friseurbesuch auszugeben. "Von 7,50 Euro kann man ja kaum existieren."

Das kann Salonmitarbeiterin Christina Jakob bestätigen. "Ich wohne allein und habe ein Auto. Da bleibt nicht mehr viel übrig. In den Urlaub fahren würde ich auch gern mal, aber das kann ich mir nicht leisten." Und dass, obwohl sie im Salon Kraus bereits gut bezahlt würde. "Ich habe auch mal bei einer Kette gearbeitet. Da bekam ich etwa 800 Euro im Monat raus - in Vollzeit."

"Es kann doch nicht sein, dass jemand, der 40 Stunden die Woche arbeitet, noch Wohngeld beantragen oder mit Hartz 4 aufstocken muss", findet Conny Gagel, die ebenfalls Angestellte im Salon Kraus ist. "Der Mindestlohn war überfällig. Wir sind schließlich alle ausgebildete Fachkräfte."