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Lichtenfels
Recycling

Flugzeugteile als Accessoires

Alle zwei Jahre müssen Rettungswesten ausgetauscht werden. Bei einer Reise kam Kerstin Rank eine Idee: Warum sollten die Westen nicht einfach ein neues Leben als Handtasche oder Rucksack bekommen?
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ngespieltes Team: Thomas Machalke (von links), Kerstin Rank und Thomas Bulirsch (Aviationscouts) Foto: Bag to Life/Aviationscouts
ngespieltes Team: Thomas Machalke (von links), Kerstin Rank und Thomas Bulirsch (Aviationscouts) Foto: Bag to Life/Aviationscouts

Handtaschen aus Rettungswesten und Flugzeugteilen? Das klingt zunächst etwas befremdlich, aber genau diese Idee hatte die Bayreutherin Kerstin Rank bei einer Reise. Als die Flugbegleiterin die Sicherheitsvorkehrungen und Verwendung der Westen vorstellte, war sie sofort von dem Material, der Form und der Farbe begeistert. "Damals befand ich mich in einer sehr kreativen Phase, und Gelb war eine Trendfarbe", erzählt sie.

Der Name der daraus entstandenen Marke spiegelt diese Geschäftsidee bereits wider: "Bag to Life" - die Rettungswesten und Flugzeugteile werden mit einer neuen Funktion zurück ins Leben geholt und landen nicht auf dem Müll. Kerstin Rank startete mit einem geringen Budget, fand aber schnell Händler und Versandhäuser, die ihre Produkte in ihrem Sortiment aufnehmen wollten. Bei der Messe "Ambiente" lernte sie Thomas Machalke kennen, der die Idee ebenfalls toll fand. Er kreierte die Marke "tommy m", bei der neben Stil und Qualität auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Mit den Lederresten der Möbel, die er designt, hat Kerstin Rank noch mehr Möglichkeiten bei der Gestaltung der Taschen.

Im Januar 2019 schloss sich Kerstin Rank mit ihrer Upcycling-Marke und ihrem Unternehmen "Ehrensache GmbH" mit der Firma Aviationscouts, die gebrauchte Flugzeugsitze vermarktet, und Möbeldesigner Thomas Machalke zusammen und hat ihren Sitz nun auch in Lichtenfels

Grundsatz Nachhaltigkeit

Mittlerweile musste aufgrund der großen Nachfrage die Produktion nach Bosnien ausgelagert werden. "Es ist ein Familienbetrieb mit zehn Näherinnen. Wir zahlen einen fairen Lohn und mindestens einmal im Jahr bin ich zu Besuch vor Ort. Außerdem achten wir dort ebenfalls auf Nachhaltigkeit, die hört nicht an der Landesgrenze auf", so Kerstin Rank. Die Taschen hätten durch den Abbau von Müllbergen einen besseren ökologischen Fußabdruck. Kerstin Rank sagt: "Wir konnten schon über 130  Tonnen Müll abbauen." Die Rettungswesten müssten alle zwei Jahre ausgewechselt werden, berichtet die Designerin.

Hinzu kämen noch andere Bauteile und Materialien, die erneuert werden. "Bis auf den Reißverschluss wird bei uns alles verarbeitet." Des Weiteren werde noch Ausschussmaterial von anderen Unternehmen gekauft, sagt Kerstin Rank. Thomas Machalke achtet bei der Produktion ebenso darauf, dass diese ressourcenschonend und nachhaltig ist. Leder, das dabei übrig bleibt, landet nicht auf dem Müll, sondern wird bei den Taschen von "Bag to Life" recycelt. "Für das Leder, das wir verwenden, muss kein Tier sterben, wie viele immer denken. Es ist nämlich schon tot", sagt er.

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit müsse größer werden, da sind sich Thomas Machalke und Kerstin Rank einig. "Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger kommen", so Rank. Sie wollten die aktuelle Entwicklung nur positiv beeinflussen. "Blinder Aktionismus ist keine Lösung", sagt Machalke. Man müsse Impulse und Anregungen schaffen, damit sich die Menschen mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umwelt beschäftigen. "Nur so können Lösungen gefunden werden."

Aktuell seien die Taschen vor allem für Individualisten und Reisebegeisterte gestaltet und bieten viele Funktionen, einige seien im Business-Look gestaltet, so Rank. Für die Zukunft gibt es ebenfalls Pläne. "Wir können schon einmal verraten, dass wir für den Boutique- und Lifestyle-Bereich gestalten und unsere Zielgruppe ausbauen möchten", erklärt Rank. Außerdem soll es bei den Farben mehr Auswahl geben, indem die Rettungswesten als Futter verwendet werden.