Ganz im Zeichen der bevorstehenden Landtagswahl stand die Veranstaltung des Kreisverbandes der Freien Wähler (FW) zum "Politischen Aschermittwoch" am Freitagabend im Hotel "Alte Post". Nach dem erfolgreichen Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengebühren, das von den Freien Wählern initiiert worden war, zeigte man sich selbstbewusst und angriffslustig. Zur Zielscheibe wurde immer wieder die CSU, der der Kreisvorsitzender Klaus Kasper aus Bad Staffelstein Realitätsverlust und Größenwahn vorwarf.
Für ihn stand fest: "Eine Partei, die seit Jahren irrlichtert und dilettiert, dass man meinen könnte, man wäre in Italien unter der Führung von Silvio Berlusconi, gehört auf die harten Oppositionsbänke geschickt."
Während sich der Vizepräsident des bayerischen Landtages, Peter Meyer, in der Koalitionsfrage bedeckt hielt, warnte Kasper seine Partei vor einer Affäre mit der CSU: "Am Ende werden die Freien
Wähler den Rosenkrieg verlieren und es wird ihnen so ergehen wie der FDP derzeit, die um den Wiedereinzug in den Landtag bangen muss." Meyer nannte lediglich die Zielmarke, mit der die Freien Wähler am 15. September in den bayerischen Landtag einziehen möchten: 14,4 Prozent. "Das ist exakt der Wert, den wir bei unserem Volksbegehren bayernweit erzielt haben."
Auf das "Unser" legten die Freien Wähler großen Wert. Sie zeigten sich nämlich fest davon überzeugt, aus "ihrem" Volksbegehren (Meyer: "Das erfolgreichste seit den 60er-Jahren") politisches Kapital - in Form von Wählerstimmen - schlagen zu können. "Wenn wir weiterhin, wie bei den Studiengebühren geschehen, Druck ausüben, dann werden wir eine fulminante Landtagswahl hinlegen", sagte Meyer unter dem Beifall der rund 50 Zuhörer.
Wie geht es in Sachen Studiengebühren weiter? Für Meyer, der in Hummeltal bei Bayreuth wohnt, steht fest: Das erfolgreiche Volksbegehren komme einem förmlichen Gesetzentwurf gleich, der im Landtag mit großer Mehrheit verabschiedet werden müsse. Sollte die CSU, die sich seit kurzem ebenfalls für eine Abschaffung der Gebühren stark macht, dennoch mit Nein stimmen, dann käme das, so Meyer, "einer Bürgerverarschung gleich".
Der Durchführung eines Volksentscheides, wie von der FDP gefordert, wurde eine klare Absage erteilt. "Das würde nur viel Geld kosten", meinte Sebastian Herter. Der Direktkandidat der Freien Wähler für den bayerischen Landtag im Stimmkreis Kronach-Lichtenfels, richtete den Blick auf die Region zwischen Frankenwald, Maintal und Jura. Dass für die im Bau befindliche ICE-Strecke von Nürnberg nach Erfurt kein Zwischenstopp mehr in der Korbstadt vorgesehen sei, ist für ihn ein Unding. "Wir sind dann vom Fernverkehr abgeschnitten", klagte der 22-jährige Lichtenfelser. Seine Befürchtung: "Pendler und junge Familien werden dann wohl aus Lichtenfels auswandern." Dagegen müsse man sich mit allen Kräften wehren.
Beim Ausbau der Bundesstraße 173 müsse man die Bevölkerung mit ins Boot holen, so der Kandidat. Dies sei für ihn die Lehre aus umstrittenen Großprojekten, wie dem geplanten unterirdischen Durchgangsbahnhof Stuttgart 21. Es gelte dafür zu sorgen, dass die Region für junge Familien, Pendler und ältere Mitbürger attraktiv bleibe. Dazu gehört für Herter ein gutes öffentliches Personennahverkehrsnetz. Damit das neue, im Bau befindliche Lichtenfelser Klinikum an Attraktivität gewinne, sollte man es den Medizinstudenten ermöglichen, ihr praktisches Jahr im Spital der Korbstadt zu absolvieren.
Meyer, Kasper und Herter hatten in ihren Reden scharf gegen die CSU auf Landesebene geschossen, Janine Brunecker von der Gemeinschaft Unabhängiger Bürger, die die Freien Wähler auf Ortsebene vertrat, knöpfte sich die Weimainer CSU vor. Sie attestierte den Christsozialen in Teilen lernfähig zu sein, um ihnen im gleichen Atemzug vorzuwerfen: "Sie lernt gerne von anderen, verkauft das aber dann als eigenes Wissen."