Heimatfilm: Für Andreas Kerner hat dieser Begriff nichts Belächelnswertes. Im Gegenteil: Der Oberlangheimer liebt und produziert Heimatfilme mit viel Liebe zum Detail.Keine schnulzigen Romanzen, sondern filmische Liebeserklärungen an eine wunderschöne Region. In seinem neuen Werk "Schöne Heimat rund um den Kordigast" stecken über 1000 Stunden Arbeit innerhalb von zwei Jahren.

Herausgekommen ist eine Ode an die Entschleunigung - Balsam für die von Negativnachrichten geschundene Seele. Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass der 72-Jährige seinen ersten Kordigast-Film vorstellte. Dass dieser so ein Erfolg werden würde, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt: "Ich habe über 200 Exemplare davon verkauft und habe den Film ungefähr 15 Mal öffentlich vorgeführt", zieht er Bilanz. Dann kam Corona. "Schon während der Aufnahmen zum ersten Teil sind mir Ideen gekommen. Ich bekam viele Hinweise und Tipps bei meiner Recherche und meinen Dreharbeiten. Und es blieb noch etliches Material übrig." So stand der Entschluss, eine Fortsetzung zu machen, recht bald fest.

Hilfe bei Recherchen

Vor allem aber war Andreas Kerner überwältigt von den Kenntnissen so manchen Landkreisbürgers, den er bis dato nicht auf dem Schirm hatte. Beispielsweise von Manfred Mahr aus Redwitz, bei dem Kerner zu Recherchezwecken weit mehr als nur einmal war. Mit ihm sowie mit dem Arnsteiner Karlheinz Hetz erarbeitete er das Filmkapitel über Arnstein und seine einstmals drei Burgen: auf dem Gelände des heutigen Friedhofs, am Heideknock und etwas nordwestlich des heutigen Ortes.

Auch Isling findet sich im Film wieder. So berichtet dort Gerlinde Baier im Rahmen einer Kirchenführung über die Schönheiten von "Sankt Johannes der Täufer".

Roland Lowig wiederum nahm Kerner mit zum Flurstück "Dörfla", wo zu Zeiten des Klosters Langheim noch ein eigener Ort war. Ebenso zeigte Lowig ihm, wo früher rund um Isling Eisenerz abgebaut wurde. In Lahm widmet sich der Filmemacher den Funden von Heimatforscher Bernhard Christoph, der am Weg Richtung Serkendorf eine steinzeitliche Siedlung ausgemacht hat. Hans Schütz wiederum berichtet, wie beschwerlich das Leben anno dazumal auf dem Jura war: "Einst wurde mit Bütten, also Holzfässern, das Wasser von einer Quelle unweit des Skilifts ins Dorf geschleppt", so Kerner. Wo heute im Juraort der Kinderspielplatz ist, stand übrigens einst die Kapelle. "Davon gibt es noch Bilder, die sich auch im Film wiederfinden."

Wasserversorgung ein Thema

Die Wasserversorgung ist auch in den Sequenzen zu Eichig Thema. Spannender aber sind die Ausführungen zum Felsengarten und zum Interieur der Wendelini-Kapelle. "Wie Winfried Sommer mir sagte, ist die Figur rechts des Hochaltars ein kleiner Schatz: Die Statue des Heiligen Mauritius stammt wohl aus der Rauschnerburg Arnstein, die auf dem Gelände des heutigen Friedhofs stand und um 1756 aufgelassen wurde." .

Auch bei Köttel gab es einst eine Verteidigungsanlage oder Siedlung, von denen einige Wälle noch gut zu erkennen sind - und zwar direkt im Anschluss an das Waldstück, in dem sich die bronzezeitlichen Hügelgräber befinden. Allerdings steht für Andreas Kerner rund um Köttel etwas anderes im Vordergrund: Die malerische Natur, in der sich so herrlich wandern lässt. "Besonders schön finde ich die Strecke durch den Kötteler Grund Richtung Weihersmühle", sagt er. Insgesamt nehmen die Darbietungen von Mutter Natur großen Raum ein im neuen Heimatfilm von Andreas Kerner. "Ich bin stolz und glücklich, endlich auch die Türkenbundlilie entdeckt zu haben, und das sogar in großer Zahl." Vor allem rund um seinen Lieblingsberg Kordigast gibt es viele zauberhafte Eckchen und Fleckchen - und Aufstiege, die nicht unbedingt jeder kennt. Film eins und zwei zusammengenommen, hat er Interessenten knapp ein Dutzend von ihnen vorgestellt. "Neu dazugekommen ist beispielsweise die Route, die zwischen Kaspauer und Erlacher Kapelle startet, gegenüber der Straße nach Frankenberg", sagt er. "Wundervolle Naturimpressionen bekommt auch, wer in Weismain im Bereich des Verkehrskreisels an der Wassergasse startet und dann Richtung Giechkröttendorf blickt oder von Woffendorf aus den Hohlweg nimmt."

Weiter empfiehlt er den Weg von Röhrig aus, nicht nur wegen des besonderen Blicks auf die Pfaffendorfer Kapelle: "Der Wanderer kommt zudem an einer Stelle vorbei, wo im Mittelalter eine Burg stand, und entdeckt den Eingang der früheren Eisenerzhütte ,Maximilian‘, die bis um 1920 betrieben wurde." Und deren Abraumhalde noch deutlich sichtbar ist.

Kerner hat filmische Impressionen aus allen vier Jahreszeiten zusammengetragen. Besonders sehenswert sind die Bewegtbilder zu den streng geschützten Apollofaltern bei Arnstein, für die Kerner fünfmal ausrücken musste, dabei unter anderem zum Sonnenaufgang um 4.30 Uhr auf dem Kordigast, wo sonst? Und wer bislang nicht wusste, dass Alfons Will in Wolfsloch ein kleines, aber sehr feines Bauernmuseum betreibt, der erfährt das nun ebenfalls. Weitere Themen sind die Historie des Schlosses Giechkröttendorf, das Lichterhaus in Bojendorf, das Schloss Strössendorf - und vieles mehr.

Liebeserklärung an die Heimat

Die Eindrücke und Entdeckungen haben Andreas Kerner auch musikalisch inspiriert: Wie auch im ersten Teil gibt es viele von ihm geschriebene und arrangierte Lieder zu genießen. Sie alle sind eine Liebeserklärung an die Heimat: "Träumen ist der Weg zu den Sternen", "Zum Kordigast steig ich hinauf" und "Dann gingen wir beide zum Kordigast" seien beispielhaft genannt. Andreas Kerner hat sie komponiert und selbst mit dem Akkordeon eingespielt.

Und zum Instrumentalstück "Romanze" und stimmungsvollen Bildern tanzt für die Zuschauer Ballerina Anna Schütz aus Mistelfeld. Die Choreographie stammt ebenfalls aus Kerners Feder. Zudem ist der Gesangverein Roth im Film zu hören, und das gleich mehrfach.

Raus in die Natur und die Heimat entdecken: So der so ähnlich könnte die Botschaft lauten, die in jeder Minute des Films mitschwingt. Auch mit seinen 72 Jahren und trotz seiner vielen Touren entdeckt der passionierte Filmemacher aus Oberlangheim immer wieder Neues und Faszinierendes in der Region. "Wir müssen nicht auf den Sommer waren: Die Natur ist natürlich auch im Winter wunderschön", bekräftigt Kerner und kommt dabei fast ins Schwärmen. Kordigast, Kleinziegenfelder Tal und Kötteler Grund sind nur einige wenige Beispiele. Stattliche 680 Euro an Reinerlös kamen bei Kerners erstem Film über den Kordigast zusammen, die an das Heilpädagogische Zentrum in Lichtenfels flossen. Auch diesmal will Andreas Kerner Gutes tun: "Ich spende die Einnahmen an den Vorführungen an die Aktion ,Helfen macht Spaß‘", unterstreicht er. "Hoffentlich lässt Corona es zu, dass es viele, viele Vorführungen geben darf, mit ganz vielen Spenden für die Bedürftigen in der Region."

Einen dritten Teil, das steht schon fest, wird es definitiv nicht geben. Nicht, weil Kerner die Filmkamera aus der Hand legen wird: Er hat schon viele andere Projekte im Kopf.