Lichtenfels
Energie

"Es sollen unsere Windräder sein"

Die Genossenschaft Neue Energie am Obermain hat eine günstige Fläche für Windräder bei Schwabthal ausgemacht. Obwohl die in keiner bisherigen Planung eine Rolle spielt, will man das Projekt mit Beteiligung der Bürger durchbringen.
"Wir wollen, dass das unsere Windräder sind", stellt Bernhard Christoph von der Genossenschaft Neue Energie am Obermain (Neo) klar. Man wolle keinen Investor von außerhalb, der sich hier breit macht und das Geld abschöpft. Schließlich könne jeder von Windkrafträdern im Landkreis profitieren. Christoph ist Leiter des Arbeitskreises Windkraft bei der Neo.

Aber von vorn: Kürzlich lud die Neo gemeinsam mit einem Kooperationspartner, der Firma Naturstrom, zu einer Veranstaltung ein, bei der eine Fläche für Windkrafträder in der Gegend um Schwabthal vorgestellt wurde. "Wir wollten abklopfen, inwieweit die Bevölkerung bereit ist, Vorrangflächen in ihrem Umfeld zu akzeptieren", sagt Christoph. Die Fläche sei besonders interessant, da "der Wind dort stärker weht, als bei den meisten anderen Standorten im Landkreis." Zwischen Lahm und Kümmersreuth gelegen, hätten die Windräder mindestens einen Kilometer Abstand zur nächsten Wohnbebauung. Die Neo habe sich das Gebiet laut Christoph bereits genau angesehen und auch Umwelt- und Wasserschutz in ihre Überlegungen mit einbezogen. Es handelt sich um eine Fläche, die bislang in keiner Planung auftaucht. Dennoch will man sie bei der Neo durchbringen, "da hier der Wind am günstigsten ist."

Das Konzept von Neo ist einfach: Die Bürger können sich mit mindestens 500 Euro an den Windrädern beteiligen. Die Rendite liegt - laut Schätzungen der Genossenschaft Neo - bei rund vier Prozent im Jahr. "Das ist mehr als man bei den meisten Banken bekommt", betont Christoph. Zunächst müssen aber Rücklagen für den Rückbau abgezahlt werden. Erst nach zwei bis drei Jahren - auch hierbei handelt es sich um eine Schätzung - könnten Bürger eine Zahlung bekommen.

Von den 30 Gästen der Veranstaltung gab es laut Christoph keinen Gegenwind bezüglich der Fläche bei Schwabthal. Ganz im Gegenteil: Der Großteil sei dafür gewesen. "Ich habe nicht die Befürchtung, dass die Gegner einfach zu Hause geblieben sind", so Christoph. Schließlich habe man viele eingeladen, vorrangig natürlich die Betroffenen.

Deshalb gehe die Neo nun einen Schritt weiter. "Als nächstes müssen wir mit den Grundbesitzern sprechen", sagt Christoph. Er kann sich kaum vorstellen, dass sich jemand verweigert, schließlich würden auch die Grundbesitzer von der Pacht profitieren: "Ich glaube nicht, dass da jemand sagt ,Ich mag keine Windräder'."
Sollten auch die Grundbesitzer einverstanden sein, führt der Weg schließlich zur Kommune, die dann noch einmal prüft, ob alles seine Ordnung hat. Außerdem muss der Stadtrat über das Projekt abstimmen. Der Genossenschaft ist klar, dass die Schritte noch einiges an Zeit in Anspruch nehmen werden. Christoph: "Mindestens zwei Jahre wird es noch dauern, bis das erste Windrad steht."

Die Investitionssumme ist indes kein Pappenstiel. Über 30 Millionen Euro müssten für die geplanten Windräder aufgewendet werden. Ein Drittel davon müsste die Genossenschaft als Eigenanteil übernehmen. "Der Rest läuft über Kredite", so Christoph. Die Zinsen bei solchen Bauvorhaben sei im Moment extrem günstig.

Die Neo möchte unbedingt die Bürger und Bewohner mit einbinden: "Das sollen unsere Windräder sein", sagt Christoph. Neben Vorteilen wie der Gewerbesteuer für die Kommune und der Pacht für die Grundbesitzer führt er an, dass sich Menschen aus dem ganzen Landkreis beteiligen können. Die Neo will indes nicht bauen, wenn die Bürger nicht dafür sind. "Allerdings", gibt Christoph zu bedenken, "sollten wir nicht bauen, dann heißt das nicht, das keine Windräder kommen." Denn dann werde eben ein Investor kommen.

Und mehr: "Wir wollen unser Konzept auch weitertragen, deshalb können auch Bürger aus anderen Landkreisen mitmachen", so Christoph. Selbstverständlich konzentriere man sich vordergründig auf die Region, schließlich trage man ja auch den Obermain im Namen. Außerdem ist der Geschäftssitz in Lichtenfels.

Gegen eine größere Genossenschaft mit mehreren Partnern hätte Christoph allerdings nichts einzuwenden. Eine größere Gemeinschaft sei schließlich auch potenter.

Die Kritik Enochs zu Guttenberg an der Windkraft weist Christoph indes entschieden zurück. "Umweltschutz kann man nicht nur im Kleinen betreiben, man muss immer den Blick fürs Ganze haben. Energiegewinnung ist wichtig für die menschliche Existenz. Und auch wenn Windkraftanlagen ihre Nachteile haben, sind sie immer noch naturverträglicher als Kohle- oder Atomkraftwerke."
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