Ist von bayerischer Innovationskraft die Rede, denkt man erst einmal an Hochtechnologiestandorte, das Isar-Valley oder höhere Ingenieurskunst aus den High-Tech-Abteilungen von Großkonzernen. Die Suche nach einem der frischgebackenen Gewinner des Innovationspreises Bayern führt uns allerdings ins oberfränkische Mistelfeld. Über den Leuchsenbach vorbei an der Kirche des Lichtenfelser Stadtteils, passieren wir eine Landmetzgerei und haben kurz vorm Ortsrand unser Ziel gefunden: Die Müller Mechanik GmbH. Gemeinsam mit seinen zwei Mitarbeitern entwickelt Inhaber Jürgen Müller hier Maschinen für die Gleitschlifftechnik – oft Sonderanfertigungen auf Kundenwunsch.

Den Sonderpreis der Jury für eine herausragende Innovation gewann er aber mit der Erfindung einer wiederverwendbaren Kaffeekapsel. Ein Produkt, das nicht ganz ins Bild passt – vermeintlich: "Die Entwicklung der Kapsel war nichts, was mich auf ein völlig neues Feld geführt hat. Normalerweise bauen wir Sondermaschinen und -vorrichtungen. Da stehe ich auch immer vor neuen Herausforderungen und muss innovativ sein", erklärt Müller und ergänzt: "Der Preis ist aber etwas Großes. Da bin ich natürlich sehr erfreut drüber."

Landrat Christian Meißner zeigte sich in einer ersten Reaktion ebenfalls begeistert: Für mich ist das ein Beweis dafür, dass Innovation keine Frage der Unternehmensgröße ist."

Alles begann mit einer Doku

Eine Dokumentation über herkömmliche Kaffeekapseln – nach einmaliger Nutzung landen die im Müll – brachte den Mistelfelder Maschinenschlosser zum Nachdenken: "Ich bin da so erschrocken. Die Zahlen waren schon extrem."

So verbrauchen die Deutschen etwa 3,5 Milliarden Kaffeekapseln pro Jahr, wie der Internetseite der Deutschen Umwelthilfe zu entnehmen ist. Das Recyceln derartiger Produkte sei deshalb schwierig, weil sie dafür im gelben Sack landen müssten und das wiederum verboten sei, heißt es da weiter.

Schockiert von den statistischen Werten, begann sich Jürgen Müller vor etwa drei Jahren seine Gedanken zu machen: "Ich fragte mich: Warum ist das so und wie lässt sich das ändern? Dann habe ich mir erst mal eine Kapselmaschine besorgt und sie auseinander gebaut. Oft sind die Probleme in der Branche ja bekannt, aber nur wenige überlegen sich, wie man sie beheben kann."

Die Antwort: seine wiederverwendbare Kaffeekapsel aus einem speziellen thermoplastischen Elastometer – dem Material, aus dem beispielsweise auch Babyschnuller bestehen. Das leuchtet deshalb ein, weil diese belastbar, aber gleichzeitig schadstofffrei sein müssen. "Das ist zwar auch ein Kunststoff, allerdings ohne Weichmacher und Silikon", sagt der frischgebackene Preisträger.

Praktisch in der Anwendung

Durch seine Widerstandsfähigkeit ist die Kapsel dann mindestens 150-mal einsetzbar und kann stets mit dem Lieblingskaffee befüllt werden. Im Unterschied zu anderen nachhaltigen Kapseln – etwa aus Edelstahl – ist das Säubern nach dem Brühvorgang recht einfach. Müller: "Mir war sehr schnell klar, dass ein Mehrwegsystem nur dann angenommen wird, wenn es einfach zu bedienen ist." Bequemlichkeit trifft also Umweltfreundlichkeit.

Letztere liegt bei der Erfindung ebenfalls in dem Vorteil, den Kapselmaschinen generell haben: Sie sparen Energie, weil die Menge portioniert ist und somit keine Gefahr besteht, eine halbe Kanne kalt gewordenen Kaffees wegschütten zu müssen.

Der Ökologieaspekt spiegelt sich folgerichtig im Namen des Produkts wider: Capseco – eine Mischung aus den englischen Wörtern ,capsule‘ und ,ecology‘, also Kapsel und Umwelt.

Kaffeesatz als Peeling

Ökologie spielt auch im Alltag der Müllers eine große Rolle: "Unsere ganze Familie ist sehr naturverbunden" sagt Jürgen Müller. Selbst der Kaffeesatz landet nicht im Müll. "Wir nehmen ihn zum Düngen unserer Rosen", sagt Tochter Anna und schmunzelt. Für ein Peeling sei der Kaffeerückstand ebenfalls verwendbar, erklärt die Mistelfelderin. Auf die Facebookseite des Unternehmens (https://www.facebook.com/pg/capseco.de/posts/?ref=page_internal) hat sie eine Anleitung hierzu gestellt.

Der Hauptzweck des Kaffeepulvers kommt bei den Müllers aber nicht zu kurz: "Wir trinken schon gerne Kaffee", sagt Vater Jürgen. Der Spruch, der in einem Bilderrahmen des Firmenbüros zu lesen ist, kommt daher nicht von ungefähr: "coffee is always a good idea" – vor allem dann, wenn er keine großen Müllberge verursacht und trotzdem keinen großen Aufwand bedeutet.

Internetadresse: www.capseco.de