Wer auf der Hauptstraße durch den kleinen Ort fährt, wird die Kirche kaum bemerken. Sie steht am tiefsten Punkt der Siedlung, dort, wo sich einst der Dorfweiher befand. Ihr Turm ist nicht sehr hoch: "22 Meter - Schneeball-Höhe", sagt Werner Süppel.
Sein Elternhaus liegt schräg hinter der Altarseite, Hausnummer 5 in der Kreuzbachstraße, und als Kind hat er seine Schneebälle über die Kirche werfen können - die dann manchmal in den Scheiben der Fenster des Bürgermeisterhauses landeten, das direkt dahinter lag.
An der Birkacher Kirche stehen Renovierungsmaßnahmen an - und der Architekt aus Lichtenfels wird ein Stück Heimat sanieren und so Spuren hinterlassen, wie ein Vorfahre von ihm: Von seinem Urgroßvater Johann Reuter, einem Schreiner aus Birkach, stammt die ursprüngliche Inneneinrichtung, von der große Teile heute noch erhalten sind. Für ihn ist es nicht nur deshalb "seine Kirche": "Ich bin hier getauft worden, habe die Kommunion empfangen, und geheiratet habe ich hier auch." Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft und einen Baustoffhandel - so lernte er Maurer, machte später eine Ausbildung an der FH Coburg und wurde schließlich Architekt. "Ich habe viel in der Region gearbeitet", sagt der 73-Jährige. Weil man sich an ihn in Birkach erinnerte, gab man der Gemeinde, der die Kirche gehört, den Tipp, auf ihn als Leiter der Sanierungsarbeiten zurückzugreifen. "Da ist man doch mit Herzblut dabei."
Nun reiht er sich ein in die Schar derjenigen, die sich um den Erhalt der Kirche bemühen, wozu besonders die Kirchengemeinde vor Ort gehört. Sie sammelte zum Beispiel 20 000 Euro, um im vergangenen Jahr eine neue Orgel zu kaufen, denn es finden in Birkach, das pastoral von Rattelsdorf betreut wird, regelmäßig Gottesdienste statt.
Die Sanierung war bei der jüngsten Sitzung heftig diskutiert wurden. Nachdem sich durch die notwendigen statischen Sicherungsarbeiten die ursprünglichen Kosten etwa verdoppelt hatten, stimmte die Opposition aus Freien Wählern und SPD gegen das Vorhaben. "Doch wir haben keine Wahl: Entweder machen wird das richtig, oder die Gemeinde müsste aus Sicherheitsgründen irgendwann die Kirche zusperren", sagt Bürgermeister Bernhard Storath. Er hofft, dass der Eigenanteil der Gemeinde mit etwa 35 000 Euro gleich bleiben wird, da nun höhere Zuschüsse in Aussicht stehen. Und die Birkacher hätten auch schon angekündigt, ihren Teil dazu beizutragen, um ein Stück Dorfgeschichte lebendig zu erhalten.

Geschichte Die Birkacher Kirche entstand im neuromanisch-gotischen Baustil in der Zeit von 1857 bis 1857, ähnliche Bauwerke gibt es in Trieb, Neudorf, Unterzettlitz und Kleinziegenfeld. Sie besteht aus dem recht festen Sandstein, der in Birkach abgebaut wurde. 1863 fand die Einweihung statt. 1887 wurde die Sakristei angebaut, 1923 das Deckengewölbe verändert. Dies führte zu den heutigen statischen Problemen.

Ausstattung Die Innenausstattung wurde von Johann Reuter geschaffen, einem Urgroßvater von Werner Süppel. Er schnitzte den heute noch erhaltenen neugotischen Hauptaltar und den früheren "Sankt Josef"-Seitenaltar, dessen Altartisch heute als Volksaltar dient, sowie das frühere Kirchengestühl und die ehemalige Kanzel.

Renovierung Wichtige Punkte sind die Sicherung der Statik. Die Seitenwände haben sich nach außen gedrückt, zudem ist der Dachstuhl von Schädlingen befallen. Dazu kommen Reinigungs- und Sanierungsarbeiten am Sandstein, Beseitigung von Rissen im Innenraum und neuer Putz. Außerdem erhält die Kirche einen behindertengerechten Zugang. Die Kosten werden etwa bei 210 000 Euro liegen.