Die Geschichte der evangelischen Gemeinde in Weismain beginnt am 25. Oktober 1902, als dem einzigen protestantischen Verein im Jurastädtchen ein Raum im Erdgeschoss des Amtsgerichtsgebäudes überlassen wurde. Die Gläubigen richteten sich dort einen Betsaal ein.

In der Pfarrchronik der Kirchengemeinde Buchau, zu der Weismain gehört, schreibt der damalige Pfarrer Neubig: "Durch hohe Oberkonsistoriale Entschließung wurde genehmigt, dass in Weismain alljährlich an katholischen Feiertagen zwölf evangelische Gottesdienste gehalten werden dürfen."

Grund des Baus der Kirche war, dass nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Flüchtlingsstrom die Zahl der Protestanten in der Jurastadt stark anwuchs. Nachdem der Betsaal im Jahr 1946 zu klein geworden war, stellte die katholische Pfarrgemeinde den evangelischen Mitchristen ihre Kreuzkapelle für Gottesdienste zur Verfügung. Damit war der Grundstein für die Ökumene gelegt, die in Weismain bis heute ihre Früchte trägt.

Blick in die Kirchengeschichte

In den 1950er Jahren begannen die Vorbereitungen für den Bau eines eigenen Gotteshauses. Der Grundstückserwerb war aufgrund der Kosten nicht leicht. Seit 1960 hat die zur Pfarrei Buchau und damit zum Dekanat Thurnau gehörende evangelische Kirchengemeinde von Weismain nun ein Gotteshaus. Nach der Grundsteinlegung am 6. Juni 1959 durch Dekan Georg Weidt aus Thurnau konnte bereits am 17. Oktober dieses Jahres Richtfest gefeiert werden, ehe am 11. September 1960 der Kreisdekan Oberkirchenrat Karl Burkert die Einweihung der Christuskirche vornahm.

Der niedrige Kirchenbau besteht aus Kleinziegenfelder Natursteinen mit schmalen bogenförmigen Fenstern und weicht lediglich im südlichen Eingangsbereich von der rechteckigen Grundform ab. Über dem westlichen Ende des Satteldaches sitzt ein Dachreiter mit einer zwiebelförmigen Bekrönung, die in einer schmalen Spitze ausläuft. 1979 waren durch auftretende Risse im Mauerwerk Stabilisierungsmaßnahmen erforderlich, und vor einigen Jahren erfolgte eine Innensanierung.

Doppeltes Glockengeläute

Das 60-jährige Bestehen wurde nun mit den erlaubten Möglichkeiten, die die Corona-Pandemie zulässt, bei einem Open-Air-Gottesdienst gefeiert. So riefen die hellen Glocken der Christuskirche die Gläubigen zum Gottesdienst. Im Schatten der großen St.-Martins-Kirche und des Rathauses hatte die Feierlichkeit einen besonderen Charme, und selbst die Glocken von St. Martin läuteten wie bestellt beim Gottesdienst. Es war spürbar, dass an diesem Tag etwas Besonderes stattfand.

Hinter dem Gotteshaus hatte die evangelische Kirchengemeinde Sitzplätze mit dem nötigen Sicherheitsabstand aufgebaut. Die Kasendorfer Kirchenband "Cross Tunes" gab dem Festgottesdienst mit ihren Liedern einen modernen Anstrich. Bei geöffnetem Fenster auf der Empore und strahlendem Spätsommerwetter eröffnete Organist Markus Karitke den Gottesdienst mit Henry Purcells "Trompet voluntary" an der Orgel feierlich.

Pfarrer Ullrich Jobst, seine Frau Claudia und Vikarin Christina Saueracker zelebrierten den Gottesdienst, in den auch die Besucher eingebunden waren. "Wir feiern heute diamantenes Kirchenjubiläum", erklärte Pfarrer Jobst. "Es ist schön, Zeitzeugen, die den Bau noch miterlebten, hier zu haben." Dies sei Grund genug, Gott zu loben und zu danken.

"60 Jahre Christuskirche sind Gottes Wort in Gedanken und im Handeln", führte Claudia Jobst aus. Die Menschen hätten es durch ihr Handeln geschafft, dass Gott in dieses Haus einkehrt und sein Wort gehört wird. Hier sei dies in beispielhafter Gemeinschaft gelebt worden.

"Die Menschen kamen und kommen, um in Freude Gottesdienst zu feiern", sagte Claudia Jobst. Im Gebet Gott zu erleben, habe dabei immer einen hohen Stellenwert gehabt und werde ihn weiterhin besitzen.

Die Geschichte des Zöllners Zachäus aus dem Lukas-Evangelium sei da ein schönes Beispiel: Obwohl dieser kein ehrenwerter Mensch und meist ungelitten war, kehrte Jesus bei ihm ein. Wo Jesus einkehrt - und das sei auch in der Christuskirche so - komme Frieden in das Haus. So bewege er die Menschen in seinem Wort zu einem christlichen Handeln. Vor 60 Jahren waren es Kriegsflüchtlinge, die Gottes Nähe suchten, damit er in ihr neu gebautes Haus einkehre.

Kirchweihfahne gestaltet

Zum 60-jährigen Bestehen der Christuskirche hat die evangelische Gemeinde Weismain zur Erinnerung eine Kirchweihfahne gestaltet. Durch das Anhängen von weißen Bändern entstand auf dem roten Untergrund ein Kreuz. Es soll Dank sein für die Menschen, die die Kirche gebaut haben, die sie heute pflegen, und für jene, die sie mit Leben füllen. Mit dem Lied "Großer Gott, wir loben dich" und dem Choral "Nun danket alle Gott" endete ein bewegender Jubiläumsgottesdienst.