"Olé, olé, olé, olé" - Mit diesem fröhlichem Gesang begleiteten neun Kinder gestern ihren nagelneuen Waldkindergarten-Wagen zu seinem ersten Standort auf einer Wiese in der Nähe des Forsthauses Banz. Ab sofort werden die neun "Waldmäuse", wie Kindergartenleiterin Andrea Drexel die Gruppe nennt, in der neu geschaffenen Waldgruppe betreut. Normalerweise besuchen die Jungs und Mädchen den Kindergarten des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Unnersdorf. Zunächst läuft das Waldprojekt jeweils von Mittwoch bis Freitag. "Geplant ist, die Gruppe auf bis zu 20 Kinder zu erhöhen und eine Betreuung von Montag bis Freitag anzubieten", erläutert Andrea Drexel die weiteren Pläne. Dann könnten auch Kinder, die bislang nicht im Unnersdorfer BRK-Kindergarten seien, in die Waldgruppe aufgenommen werden.
Die Idee, eine Gruppe von Kindern im Wald zu betreuen, trug Andrea Drexel schon lange mit sich herum. Nun ist die Idee zur Wirklichkeit geworden. "Es mussten viele Faktoren zusammenkommen, damit wir das Projekt realisieren konnten", sagt Drexel. Zum einen war da die Finanzierung. 45 000 Euro kostete der Wagen, eine Spezialanfertigung, die von außen wie ein großer Bauarbeiterwagen aussieht. Gesetzlichen Auflagen muss der Wagen entsprechen und den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden.
Um die Finanzierung kümmerte sich Norbert Schneider, stellvertretender Schatzmeister beim BRK-Kreisverband Lichtenfels. "Aus Spenden und Eigenmitteln haben wir den Wagen finanziert", so Schneider. Außerdem benötigte das Projekt grünes Licht vom Eigentümer des Waldes, Herzog Max in Bayern. Dieser unterstütze das Projekt, sagt Sebastian Huth, Betriebsleiter des Forsthauses Banz.
"Wir wollen, dass die Kinder einen Bezug zum Wald entwickeln", sagt der Förster Sebastian Huth. Geplant sei, dass die Kinder auch bei kleineren Waldarbeiten die Natur kennenlernen, beispielsweise beim Anpflanzen von Bäumen. Und zu guter Letzt bedarf es auch noch fähigem Personal, das eine solche Waldgruppe leiten kann. "Am liebsten würde ich die Kinder selber betreuen", sagt Andrea Drexel. Aber als Leiterin sei dies nicht möglich. In den Erzieherinnen Sabine Simeoni und Petra Krannich hat die Kindergartenleiterin aber die Idealbesetzung für die "Waldmäuse" gefunden. Beide haben waldpädagogische Erfahrungen.
"Mein Traum ist in Erfüllung gegangen", freut sich Petra Krannich, die schon länger auf der Suche nach einer Waldgruppe war. In dem Wagen selbst werden die Kinder, so der Plan, relativ wenig Zeit verbringen. "Unser Gruppenraum ist der Wald", betont Erzieherin Petra Krannich. Hier sollen sich die Kinder die meiste Zeit aufhalten. "Der Wagen dient uns nur als Schutzraum", sagt Petra Krannich weiter. Schlechtes Wetter, erklärt die Erzieherin, würde die Kinder nicht stören. Im Anhänger können sich die Jungs und Mädchen bei Bedarf aufwärmen. Neben einem Holzofen gibt es Bänke, Tische und eine Waschmöglichkeit.
Nachdem Förster Sebastian Huth und seine Waldarbeiter einen passenden Standort für den Wagen gefunden hatten, konnten Eltern und Kinder den Wagen in Augenschein nehmen. Wichtig für das Projekt Waldkindergarten ist die Flexibilität des Wagens. Je nach Bedarf kann er mit einem Traktor zu einem anderen Standort gezogen werden. So wird vermieden, dass der stattliche Wagen mit knapp zehn Meter Länge bei Forstarbeiten oder Jagden im Weg steht.
Die neun "Waldmäuse" machten sich nach der Standortwahl gleich auf, den Wagen und den umliegenden Wald zu erkunden. Immer mit einem fröhlichen "olé" auf den Lippen. Zwischendurch gab es zur Stärkung Kuchen und Getränke. Und während sich die Verantwortlichen ein bisschen über die Treppenkonstruktion des Wagens ärgerten, die den Praxistest leider nicht bestanden hatte, sausten die Kinder weiter über die Wiese. Mit Stöcken in der Hand und dem zum Mantra ausgewachsenen "olé". Bis zum offiziellen Einweihungsfest des Wagens in ein paar Wochen, wird für die Treppe noch eine Lösung gefunden. "Olé!"