Alte Häuser faszinieren Thomas Hertel. Der 49-Jährige, der in einem Fachwerkhaus in Horsdorf aufgewachsen ist, zieht das Flair eines alten Hauses jederzeit der Funktionalität eines neuen vor. Schon weil das Raumklima in einem alten Haus meist besser ist.
1994 kaufte sich der Orthopädieschuhtechniker im Staffelsteiner Altstadtkern ein Haus, das um 1900 erbaut worden ist. Das Gebäude in der Bärengasse war nicht im besten Zustand. Etliche Umbauten hatte es im Lauf seines Bestehens erfahren, denn die Arbeitsabläufe der darin untergebrachten Wäscherei erforderten das.

Vollwärmeschutz spart Energie


Nach und nach restaurierte Thomas Hertel das Gebäude. Er brachte seine Werkstatt darin unter sowie einen kleinen Laden. Das Dachgeschoss baute er zu einer reizvollen Mansardenwohnung aus. Im Jahr 2000 nahm er die Fassade in Angriff und trug einen mineralischen Vollwärmeschutz auf. Das brachte eine messbare Energieeinsparung von rund 30 Prozent.
Die Fassade des Hauses versuchte er dem Altstadtbild anzugleichen, indem er einen Farbtupfer setzte: Die Fensterlaibungen ließ er in Ocker fassen, das Haus selbst in einem hellen Blau. Ein befreundeter Stukkateurmeister aus Kümmersreuth war dabei sein "geistiger Berater" und stand ihm unentgeltlich zur Seite, wenn es um konservatorische Details ging.
Im Inneren legte Thomas Hertel die alten Deckenstrukturen frei. Die alte Holzbalkendecke im Ladenbereich bringt eine urgemütliche Atmosphäre, wie es mit einer neuen Decke niemals möglich wäre. Dabei legte Thomas Hertel stets Wert darauf, ohne chemische Konservierungsmittel zurecht zu kommen: "Oberstes Gebot ist bei mir, baubiologische Grundsätze zu beachten und auf Chemie zu verzichten."
Auch die Bausubstanz versucht Thomas Hertel so weit wie möglich zu erhalten. "Die Baumeister früher waren nicht dumm, sie hinterließen Wertarbeit, die beständig ist."
Der hohe Aufwand beim Sanieren eines alten Hauses werde seiner Meinung nach durch die Individualität eines alten Gebäudes und den höheren Wohnwert aufgewogen. "So ein altes Haus lebt und hat ein wunderbares Flair. Ich würde mich in einem Neubau nicht wohlfühlen." Das Raumklima in einem alten Haus sei hervorragend, vor allem wenn die Wände aus Lehm und Stroh gefertigt sind.
"Jeder, der so ein Haus hat, sollte schauen, dass er's erhält, auch wenn's nicht immer ganz leicht sein mag", ist Thomas Hertel überzeugt. Freuen würde es ihn, wenn mehr Menschen auf dem Land bereit wären, die Ortskerne wieder mit Leben zu erfüllen - wenn sie alte, leer stehende Gebäude renovieren würden, statt die Ortsränder mit immer neuen Häuser zu bebauen.

Lebenstraum erfüllt


Doch das Haus in der Staffelsteiner Bärengasse ist nicht das einzige, das Thomas Hertel mit viel Liebe zum Detail restaurierte. In Frauendorf kaufte er ein altes, heruntergekommenes Fachwerkhaus. Mit der langwierigen und detailgetreuen Renovierung erfüllte er sich einen Lebenstraum. "Natürlich muss auch die Frau damit einverstanden sein, so ein Projekt umzusetzen", sagt er. Nun wohnt die fünfköpfige Familie in dem geräumigen Haus, und vor allem die Kinder möchten das alte Gebäude nicht mehr missen, denn hier haben sie genügend Platz, um sich zu entfalten.