Im Kino fing 1950 alles an. Ein Werbedia des inzwischen verstorbenen Gründungsmitglieds Martin Schäfferlein hatte den Stein ins Rollen gebracht. Schäfferlein regte damit am 3. März 1951 in der Gastwirtschaft Herr in Burgkunstadt die Gründung der Segelfluggruppe (SFG) Burgkunstadt "Kordigast" an.

Ohne den Werbespot säßen Vorsitzender Werner Hahn (60) aus Altenkunstadt, sein Stellvertreter Rudolf Mager (55) aus Weismain und Fritz Thorwesten (73) aus Maineck, der als Punkterichter tätig ist, wohl nicht an diesem Tisch. Ihr eifriges Blättern in der Chronik wird zum Daumenkino im XXL-Format, das im trauten Heim Hahns die wechselvolle Geschichte des Vereins lebendig werden lässt: Von den Anfangstagen in den 1950er Jahren, als noch echte Männer in einem selbstgebauten Segelflieger durch die Lüfte schwebten, über die Einweihung des Vereinsheims 1971 bis hin zu den Erfolgen des Weltklassepiloten Wolf Fickenscher, der seit zehn Jahren den Namen der Burgkunstadter Modellfluggruppe in die Welt hinausträgt.

Tollkühne Männer


Der Vorsitzende kramt das alte Werbeplakat hervor, mit dem im Kino die Werbetrommel für die Gründung einer SFG gerührt wurde. Zielgruppe waren nicht Modellflugpiloten, sondern tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten. "Das waren junge Kerle, die im Zweiten Weltkrieg als Piloten gekämpft hatten. Sie waren begeistert von der Fliegerei und wollten diese als Hobby fortführen", erzählt Thorwesten. Hahn zeigt das Gründungsprotokoll mit den Namen der Männer, die den Verein einst aus der Taufe gehoben hatten.

In Kleinarbeit erschufen die Hobbypiloten ihr erstes eigenes Segelflugzeug, die SG 38, das am 4. Oktober 1953 auf den Namen "Burgkunstadt" getauft wurde und noch am gleichen Tag seinen Jungfernflug bestand. Hahn, der sich in die Chronik eingelesen hat, führt finanzielle Gründe für den Eigenbau des Fliegers an, der dann 1957 von einem Kronacher Flugschüler zu Bruch geflogen wurde.

Schwarzer Tag für den Verein


Der 31. August 1958 ging als rabenschwarzer Tag in die Vereinsgeschichte ein. Was war geschehen? "Pilot Hans Barnickel stürzte beim Landeanflug aus 15 bis 20 Metern Höhe mit der Ka 1 ab und musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden", zitiert Hahn aus der Chronik. Das war der Anfang vom Ende der Großfliegerei und der Beginn der Modellfliegerei.

Über die Gründe kann Hahn nur mutmaßen: Erhöhte Auflagen nach dem Unfall, ein zu kleiner Flugplatz und das Abwandern vieler Piloten zum Aeroclub Lichtenfels hätten für die manntragende Fliegerei in Burgkunstadt das Aus bedeutet. Gleich das erste Jahr der Modellfliegerei sollte zum Beginn einer Erfolgsserie werden, die bis heute nicht abgerissen ist: Bei mehreren Wettbewerben wurden insgesamt fünf Wandertitel nach Burgkunstadt geholt. 1973 wurde eine Bezirksliga der Freiflugklassen eingerichtet. Oberfränkischer Meister wurde die Burgkunstadter Mannschaft, bestehend aus Willi Jakob, Edgar Lauer und Lorenz Schäfferlein. Zum erfolgreichsten Piloten der SFG wurde Wolf Fickenscher, der im vergangenen Jahrzehnt im Elektroflug nationale und internationale Erfolge sammelte.

Einen Erfolgstrainer, wie im Fußball, gibt es beim Modellfliegen nicht. "Segelflieger sind Autodidakten", spricht Hahn seinen beiden Kollegen aus der Seele. Das Steuern eines Flugzeugs sei eine ständige Übungssache: Nur durch Ausprobieren, Erfahrung und ständiges Training lerne man täglich hinzu. Die schnellen Abläufe erforderten höchste Konzentration und Reaktionsschnelligkeit, sind sich die drei Experten einig. Was passiert, wenn man für einen Moment unachtsam ist, das dokumentiert so manches Foto in der Chronik. "Dann verfängt sich der Flieger in den Wipfeln eines Baums und ist mitunter futsch", sagt Thorwesten.

Das Trio, das sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann, erzählt Romane von Rettungs- und Vermisstenaktionen, bei denen mancher Baum gefällt wurde oder das Flugzeug erst nach Tagen an einem weit entfernten Ort auftauchte. Die drei technikbegeisterten Herren im reiferen Alter sind Modellflugfans vom Scheitel bis zur Sohle, die nach eigener Aussage das Tüfteln lieben und auf dem Flugfeld spüren wollen, welche Leistung in einem Flieger steckt, die aber auch gern an der frischen Luft sind und die Gemeinschaft schätzen.

Der Schauflugtag


Am Sonntag, 24. Juni, findet auf dem Vereinsgelände im Burgkunstadter Ortsteil Kaltenreuth ein Schauflugtag statt. Rund 30 Piloten aus ganz Deutschland zeigen von 13 bis 17 Uhr Kunstflug in Vollendung mit teilweise schon akrobatischen Leistungen. Für die kleinen Besucher wirft ein "Bonbon-Bomber" seine süße Fracht ab. Bereits um 10 Uhr findet ein Frühschoppen statt, bei dem man die Flugzeuge am Himmel beobachten kann. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.