Er sei eine "Dominante des Ortsbildes", der stattliche Wehrturm, bemerkte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold. Anlässlich des Jubiläums "600 Jahre Wehrkirche" schilderte er die Geschichte der Pfarrei Döringstadt in Mittelalter und früher Neuzeit.

Informativ und kurzweilig referierte er zunächst über die Zeit der Entstehung des Turms, der 1412 errichtet wurde. Vor knapp 60 Zuhörern im Gasthaus "Zum goldenen Wagen" thematisierte er "die vielleicht dynamischste Epoche der Pfarrgeschichte, geprägt durch das fundamentale Ereignis der Reformation".
Einleitend hatte Wolfgang Fischer die Eckdaten der Döringstadter Geschichte vorgestellt. Er nannte er die erste urkundliche Erwähnung von 797, die Namensgebung samt Wappen und die zwei Siedlungsschichten mit innerem Herrschaftsteil um Kirche und Vogtei.

Zur Kirche in Döringstadt gebe es verschiedene Theorien, wobei einige Historiker vermuten, dass bereits im 8. Jahrhundert hier ein Kirche gestanden haben könnte, sagte Günter Dippold. Wie er betonte, sei eine Kirche gesichert seit 1323/27 nachzuweisen. Auf deren Fundamente sei 1412 ein Neubau gesetzt worden.


Würzburg und Bamberg im Streit


Bis ins frühe 19. Jahrhundert gehörte Döringstadt zum Bistum Würzburg. In weltlicher Hinsicht lag es jedoch im Bamberger Hochstift. "Der Würzburger Fürstbischof war Bischof und geistlicher Herr; der Bamberger Fürstbischof war Fürst und weltlicher Herr."

Geistliche und weltliche Herrschaft waren aber eingeschränkt. Weltlich, weil der Grundherr - neben einigen begüterten Klöstern - ein Bamberger Dompropst war. Einst hatte Gräfin Alberada ihre Döringstadter Besitztümer dem Domkapitel geschenkt. Zudem saß im Ort ein Dompropsteiamt, dessen Amtmann wiederum Bischof und Dompropst gemeinsam ernannten. Stark von der Landwirtschaft war der Ort zu dieser Zeit geprägt. Abgaben schuldeten die meisten dem Dompropst. Geistlich, weil über die Döringstadter Mutterpfarrei Altenbanz der Würzburger Dompropst das Patronat hatte. "Wenn ein Pfarrer von Altenbanz gestorben war oder die Pfarrei aufgegeben hatte, präsentierte der Dompropst dem Bischof den Nachfolger, den der Bischof dann einzusetzen hatte."

Über Döringstadt hatte der Altenbanzer Pfarrer das Patronatsrecht, bis es der Würzburger Bischof 1412 zur eigenständigen Pfarrei erklärte. Diese Pfarrei umfasste zehn Dörfer und Weiler samt Filialkirchen St. Andreas Wiesen, St. Bartholomäus Eggenbach und der Heilige-Katharina-Kapelle im Beinhaus auf dem Kirchhof.
Im Spätmittelalter keimt eine "angstvolle Sorge um das Seelenheil" auf, fuhr Günter Dippold fort. Durch die Beichte war zwar die Sünde vergeben, nicht aber die Sündenstrafe. Um die Zeit im Fegfeuer zu verkürzen, bestellte man beispielsweise Seelmessen oder erhielt Ablass in Wallfahrtskirchen. Im Mai 1525 kündet ein Brief aus Wiesen, dass die reformatorischen Lehren vor Ort Fuß gefasst hätten, und dass so die Wallfahrtsspenden ausblieben. "Luther und andere reformatorische Theologen gaben offenbar die überzeugenderen Antworten auf die drängenden Glaubensfragen."


Die Döringstadter weigerten sich beharrlich


Diese Lehren keimten weiter, bis der Markgrafenkrieg 1552/53 ausbrach. Albrecht Alcibiades bekriegte den Bamberger Bischof und vertrieb vielerorts katholische Geistliche - auch aus Altenbanz und Döringstadt. Die evangelischen Pfarrer wurden geduldet - vorausgesetzt, sie verhielten sich ruhig, waren fleißig und verzichteten auf konfessionelle Polemik. Gepflegt wurde nur die Pfarrkirche, weshalb die drei erwähnten Kapellen um 1600 baufällig waren.

1577 trieb der Würzburger Fürstbischof Julius Echter die Rekatholisierung auch in Altenbanz und Döringstadt an. Dem zweiten Versuch 1583 erlagen die Altenbanzer. Doch die Döringstadter weigerten sich beharrlich, wieder katholisch zu werden. Der Fürstbischof lehnte jedoch ein gewaltsames Vorgehen ab.


Dorf wurde zwangskatholisiert


Im Dezember 1593 wurde Döringstadt doch katholisch besetzt - durch Julius Echter und massive Unterstützung der weltlichen Gewalt. Die Bevölkerung musste zwangskatholisiert, verhaftet oder vertrieben werden. In vielen Fällen seien die Übertritte nur äußerlich gewesen, meinte Dippold, den Altenbanzer Pfarrverweser zitierend: "Hangt ihnen das Lutherthumb zimblich im busen".

Alle Vorgehen verebbten nahezu folgenlos. Trotzdem sank die Protestantenzahl. 1627 werden keine mehr gezählt. "Es war Aufgabe der Seelsorger, den Untertanen den katholischen Glauben wirklich nahezubringen", sagte der Bezirksheimatpfleger.

Resümiert man den Vortrag des Bezirksheimatpflegers Günter Dippold, so werden drei Charakteristika der Döringstadter sichtbar. Zum einen sahen sie sich stets als einen besonderen Menschenschlag an, zum zweiten zeichnet sie bisweilen eine gewisse Sturheit aus und zum dritten muss diese nicht unbedingt schlecht sein, ist sie doch mit einem engen Zusammenhalt der Ortsgemeinschaft verbunden.