O'zapft is! Ab dem 22. September ist es wieder soweit: Das größte Volksfest der Welt wird eröffnet. Fast sieben Millionen Menschen besuchten die Münchner Wiesn im letzten Jahr, alle in Feierlaune und die meisten von ihnen in traditionell bayerischer Tracht: mit Dirndl und Lederhose.

Der Schwürbitzer Gordon Sieverding, gebürtiger Münsterländer und hauptberuflich als Friseur tätig, hat mit dem bayerischen Volksfest auf den ersten Blick wenig zu tun. Bei genauerem Hinsehen erfährt man jedoch, dass der 35-Jährige zwar von Mittwoch bis Freitag im Friseursalon anzutreffen ist, den Rest der Woche jedoch im ersten Stock seines Schwürbitzer Wohnhauses an Kleidern schneidert.

Wenn in Bayern die Volksfeste Hochsaison feiern, handelt es sich da natürlich nicht um irgendwelche Kleidungsstücke. "Ich mache besonders gerne Dirndl, weil man mit ihnen einfach immer gut angezogen ist, ganz egal zu welchem Anlass", erklärt Sieverding. Von der Bluse bis zur Schürze wird von dem Schwürbitzer jedes seiner bayerischen Kleider selbst entworfen und geschneidert. Von der Idee bis zur Fertigstellung kann das dann - je nach Größe und Anzahl der Stickereien - schon mal drei bis fünf Wochen dauern. Sieverding betont, dass seine Dirndl auch für den etwas kleineren Geldbeutel und somit für jedermann erschwinglich sind. Zu seinen Kunden zählen aber auch Prominente. Für den Bieranstich auf der Bierwoche in Kulmbach designte Sieverding beispielsweise ein Dirndl für die Landtagsabgeordnete Inge Aures (SPD).

Sieverding mag es "gerne etwas glamouröser"


Was die Dirndl des Wahlschwürbitzers auszeichnet, sind vor allem zahlreiche Strassapplikationen und Perlen. "Ich mag es gerne etwas glamouröser", erklärt Sieverding. Beim Design richtet er sich vor allem aber nach den Wünschen seiner Kunden. Als Oktoberfesttrend sieht der 35-Jährige in diesem Jahr besonders hochgeschlossene Blusen, aber auch traditionelle Dirndl seien wieder im Kommen. "Bei Dirndln ist einfach alles mach- und tragbar", sagt Sieverding, dessen Kleider allesamt Unikate sind und sich untereinander auch nicht ähneln. "Die besten Dirndl sind die für Kunden, welche zuvor gar keine Vorstellung hatten, wie das Kleid fertig aussehen soll", erklärt der Designer.

Seinen halbwöchigen Job als Modeschöpfer, der ihm nicht selten auch die Nächte nach der Arbeit im Friseursalon kostet, bezeichnet er als Berufung. Sein Talent und das Geschick im Umgang mit der Nähmaschine hat Sieverding, wie er selbst sagt, wohl von der Oma geerbt. Im Münsterland wird die wohl keinen Grund zum Nähen bayerischer Tracht gehabt haben.

Gordon Sieverding dagegen musste so kurz vor Oktoberfestbeginn sogar noch eine Schneiderin anstellen, um die zahlreichen Dirndlwünschen seiner Kundinnen rechtzeitig erfüllen zu können.