Im Stadtteil Weiden soll die Widmung mehrerer Ortsstraßen auf den neuesten Stand gebracht werden. Doch damit stößt die Stadt Weismain auf heftige Ablehnung: "Damit soll den Bürgern, das Geld aus der Tasche gezogen werden", ereiferte sich Ortssprecher Hans Knauer bei der jüngsten Bauausschuss-Sitzung. Für ihn steht fest: "Mit dem Verwaltungsakt soll nachträglich die Straßenausbau-Beitragssatzung in Weiden legitimiert werden." Seiner Ansicht nach gibt es in Weiden keine gewidmeten Ortsstraßen.
Werner Zeis von der Bauverwaltung hielt dagegen: Er zeigte dem Gremium Widmungsblätter aus den 70er Jahren. Für Knauer sind das allerdings keine korrekten. Nach reger Diskussion verständigte man sich darauf, die Angelegenheit zu vertagen. Geschäftsstellenleiter Dietmar Zwillich, eine Experte in Satzungsfragen, soll sich des Problems annehmen, das bei der nächsten Stadtratssitzung am 13. Juni erörtert werden soll.
Zur Vorgeschichte: Weismain hat seit August 2003 eine Straßenausbau-Beitragssatzung. Nach Auskunft von Günther Weiß, Sachbearbeiter bei der Stadtverwaltung und für kommunale Beiträge zuständig, wurde zwischen 2004 und 2006 der Regenwasserkanal in den Ortsstraßen von Weiden erneuert. Eine solche Verbesserungsmaßnahme könne über die Straßenausbau-Beitragssatzung abgerechnet werden. Das tat die Stadt auch: 2012 wurden Bescheide erlassen, in denen die rund 20 betroffenen Bürger aufgefordert wurden, ihre Beiträge in drei Raten zu zahlen. Diese zeigten sich nicht einverstanden und gründeten eine Interessengemeinschaft, mit Hans Knauer an der Spitze. Über einen Anwalt legten sie Einspruch gegen die Bescheide ein. "Auf Druck unseres Rechtsbeistandes erreichten wir, dass die letzte Rate, die wir im Dezember 2012 hätten zahlen sollen, ausgesetzt wird", berichtete Knauer am Tag nach der Sitzung. Wenn er sich nicht zu Wort gemeldet hätte, dann wäre die Widmung wohl durchgegangen und die Straßenausbau-Beitragssatzung nachträglich legitimiert worden, mutmaßt der Weidener. Mit dem Kirchplatz habe man es im vergangenen Jahr genauso gemacht: Man habe ihn einfach nachträglich gewidmet.
Für Zeis und Weiß läuft dagegen alles korrekt. Es handele sich um eine Fortschreibung der bestehenden Widmung auf Grund veränderter baulicher Gegebenheiten.
Diese Argumentation kann Knauer, selbst ein Betroffener, nicht nachvollziehen: "Die Straße in Richtung Modschiedel ist noch immer so lang wie zu Beginn ihrer angeblichen Widmung in den 70er Jahren."

"Die Baufirma zur Kasse bitten"

Zudem sieht Knauer in der Maßnahme keine wirkliche Verbesserung. Er ärgert sich über die grobe Teerschicht, die man nach der Erneuerung des Regenwasserkanals auf dem Dorfplatz aufgebracht habe, während andere Abschnitte mit einer feinen Schicht bedacht wurden. Bei den Regenrinnen, in denen sich immer wieder Wasser ansammle, habe man einfach wieder die alten eingebaut. Für Knauer ein Unding: "Meiner Ansicht nach sollte die Baufirma zur Kasse gebeten werden und nicht der Bürger." Ob das auch der Stadtrat so sieht, wird sich bei der Sitzung am 13. Juni zeigen.
Eine reine Formsache war hingegen die Widmung der 133 Meter langen Ortsstraße, die über das Gelände des städtischen Bauhofes verläuft. "Damit kommen wir der Verkehrssicherungspflicht nach", sagte Bürgermeister Udo Dauer (CSU).

Alle Einwohner einverstanden

Ist in einem reinen Wohngebiet eine gewerbliche Nutzung erlaubt? Michael Will aus Kleinziegenfeld möchte in seinem Anwesen nebenberuflich einen Reifenhandel betreiben. Zeis teilte mit, dass unter strengen Auflagen eine gewerbliche Nutzung erlaubt sei: "Der Handel muss nebenberuflich betrieben werden. Die Öffnungszeiten müssen begrenzt sein, und alle anderen Einwohner im Neubaugebiet ihr Einverständnis erklärt haben." Da dies der Fall war, wurde dem Antrag einmütig zugestimmt.