Als am Ende des Mittelalters immer mehr Niederadelsgeschlechter unter wirtschaftlichen Druck gerieten, suchten einige Ritter ihr Heil im Überfall auf Kaufleute. Zweimal erscheinen die Burgherren von Oberbrunn als regelrechte Raubritter.

So meldet eine Nürnberger Chronik des 17. Jahrhunderts zum Jahr 1401: "Albrecht von Giech zu Brunn hat Peter Fürer ein Pferd und ein Armbrust, Balthasar Kessing zwei Pferd und ein Armbrust genummen und ihn ein Zeitlang gefangen gehalten." Gut 150 Jahre später überfiel Veit von Giech zu Oberbrunn († 1558) gemeinsam mit anderen Personen den Juden Isaak aus Oettingen, als dieser nach Böhmen reiste. Sie schleppten ihn mit verbundenen Augen quer durch die Oberpfalz und hielten ihn schließlich mehrere Wochen in einem Burgverlies fest. Dann wurde er, wohl ein Stück von Oberbrunn entfernt, wieder auf freien Fuß gesetzt.

Veit von Giech und seine Helfer nahmen dem Juden nicht nur das mitgeführte Geld, die Schuldscheine und den Schmuck ab, den er bei sich hatte. Sie erpressten noch dazu von seinen Angehörigen ein Lösegeld von 1600 Gulden - eine beachtliche Summe. Zum Vergleich: Der reichste Lichtenfelser nannte um diese Zeit knapp 5000 Gulden sein Eigen. Nachdem Veit von Giech den Gefangenen freigelassen hatte, versuchte Isaak von Oettingen zu ermitteln, wo und von wem er festgehalten worden war - und er fand es schließlich heraus: Es war die Burg Oberbrunn.

Daraufhin verklagte er Veit von Giech vor dem Reichskammergericht in Speyer. Wie der Prozess weiterging, wissen wir nicht. Es ist bezeichnend, dass Isaak seinen Entführer vor das höchste Reichsgericht zitierte, das im Namen des Kaisers urteilte, nicht etwa vor den Bamberger Fürstbischof. Den fränkischen Adligen war es nämlich im 16. Jahrhundert gelungen, die Reichsunmittelbarkeit zu erringen. Sie waren also den Fürsten nicht untertan, selbst wenn sie - wie die Giech - von ihnen belehnt waren oder in ihrem Dienst standen. Sie waren keinem Landesherrn unterworfen, nur dem Kaiser. Daher gehörte die Klage vor ein kaiserliches Gericht.

Der Prozess des Isaak gegen Veit von Giech, namentlich die Klageschrift, liefert uns einige Detailinformationen über die Gestalt der Burg Oberbrunn und über das Alltagsleben auf ihr. Die Burg hatte "ein spitzen Zaun mit grossen langen Pfellen umb sich". Nicht weit von der Burg lag ein "Weingarten". Vom Bau erfahren wir, dass es "ein Schneckenstiege", eine Wendeltreppe also, gab. Der Raum, in dem Isaak gefangen lag, war etwa 5 x 5 Meter groß und hatte über anderthalb Meter dicke Mauern. Das Schlosstor besaß einen kleinen Durchlass; am Tor war eine Stube für einen Wächter. In der Burg lebte der Schlossherr, Veit von Giech, mit seiner Familie. Isaak berichtete, er habe mehrmals "des Edelmans Weib mit einem klainen Kneblein und Magtlin sampt der Kinderfrauen zum Schloß hienaus [...] spacirengehen" sehen.

Neben der Kinderfrau hatte die adlige Familie eine Magd namens Agnes und "Reutersbuben" in Diensten. In der Torstube sah Isaak "einen langen Man [...], derselb tregt auch je zu Zeiten Stro und Heu in das Schloß". Vor dem Tor lag "ein grosser Kettenhundt". Im Stall standen vier Reitpferde, zwei braune und zwei schwarze. Der Bildungsstand der Schlossherrin war wohl nicht allzu hoch: Als ein Bote des Reichskammergerichts die Ladung zustellen wollte, war Veit von Giech nicht zu Hause. Seine Frau, die das Schriftstück entgegennahm, musste es sich vorlesen lassen, offenbar vom örtlichen Pfarrer.