Dekan Michael Schüpferling sitzt am Tisch seines Büros und zeigt auf die brennende Kerze. Sie ist violett - die Farbe der Buße, typisch für die Fastenzeit. Am Ostersonntag wird das Violett verschwinden. Dann werden die Kirchen mit Blumen geschmückt sein, die Lieder werden wieder fröhlicher und das Violett wird gegen Weiß getauscht.
"Ostern ist das älteste Fest der Christen", erklärt Schüpferling und lächelt. "Für mich persönlich ist es auch das schönste Fest", verrät er. Dabei hat er viel zu tun an diesen Tagen. Mehr noch als an Weihnachten.
Für diese anstrengenden fünf Tage hat er ein paar Mithilfen, da er nicht alle Veranstaltungen in den vier Orten, Marktgraitz, Lettenreuth, Redwitz und Schneckenlohe, abhalten kann. "Wir wollen den Menschen ja auch etwas anbieten", sagt Schüpferling. Außerdem schmücken am Karsamstag fünf Frauen die vier Kirchen.
Auch Schüpferling musste einiges vorbreiten. "Bis Gründonnerstag sollten immer alle Predigten stehen. Sie sind viel aufwendiger zu erstellen als für andere Gottesdienste", sagt Schüpferling. Dies ist ihm sehr wichtig, damit er zwischen den vielen Gottesdiensten und Messen auch Zeit für sich selbst findet."Ich möchte viel in der Bibel lesen und meinen Glauben vertiefen", sagt der Dekan. Am liebsten hat er den Gründonnerstag. Er steht im Zeichen des letzten Abendmahls. Auch eine Fußwaschung gehört dazu.
"In Marktgraitz hat das außerdem noch eine weitere Bedeutung", verrät Schüpferling. Im Jahre 1127 reiste der Heilige Otto, Bischof von Bamberg, nach Pommern. Ausgerechnet an Gründonnerstag übernachtete er in Marktgraitz und wusch sich nach christlichem Brauch die Füße.

Emotionen in der Osternacht


Am Karfreitag wird der Dekan die Leidensfeier abhalten, dem Tod Jesu Christi wird gedacht. "An den Kar-Tagen finden keine Hochzeiten und Kommunionen statt", sagt Schüpferling. Beerdigungen werden ohne Messfeiern abgehalten. Am Samstag beginnt dann die Osternachtsfeier.
"Es ist die Nacht des Wachens und Betens", erklärt er. Das Wachen beginnt im Dunkeln, fünf Lesungen wird Schüpferling abhalten. Mit dem Aufgang der Sonne endet es. Die Lichter gehen an. Ein besonderer, sehr emotionaler Augenblick. "Es ist bewegend. Man bekommt das Gefühl, dass genau jetzt die Auferstehung Jesu beginnt ", sagt Schüpferling. Ostern, die Hoffnung auf ewiges Leben.
Leid und Freude liegen eng beieinander. Gerade an Ostern macht sich das bemerkbar. "Man sollte dabei aber nicht die Tage einzeln betrachten", unterstreicht Schüpferling, denn die Kar-Tage und Ostern gehen ineinander über.
"Alles ist eine Liturgie und hat eine gewisse Dramatik. Das zieht die Leute mit", sagt Schüpferling. Er rät, möglichst an alle Tagen an den Gottesdiensten teilzunehmen, um diese Dramatik zu spüren. Allerdings weiß er auch, dass für die meisten Familien der Sonntag den Höhepunkt des Osterfests darstellt. An diesem Tag werden bunt bemalte Eier in den Gärten versteckt, Schokohasen verteilt und Osterlämmer verspeist. Auf den ersten Blick hat das wenig mit der Auferstehung Christi zu tun. Doch das täuscht, erklärt Schüpferling.

Die Ostereier und der Frühling


Zwar sei eine genauer Zusammenhang zwischen der Symbolik und der Religion nicht eindeutig, denn es gebe verschiedene Theorien. Schüpferling bringt die Symbole mit dem Frühling in Verbindung: "Die Auferstehung wird historisch auf April datiert", sagt Schüpferling. Frühling und Ostern, die Zeit der Auferstehung, des Erwachens. "Christi steht als Sieger aus dem Grab auf. Analog zu den Küken, die aus den Eiern schlüpfen. Sie stehen für Leben", erklärt Schüpferling eine mögliche Variante für die religiöse Symbolik der Ostereier.
Der Hase stehe für Fruchtbarkeit und Wachsamkeit. "Hasen sind im Volksmund bekannt dafür mit offenen Augen zu schlafen", sagt Schüpferling. Den Überlieferungen zufolge war Jesus bei der Auferstehung allein. "Aber vielleicht hat es ja doch ein Hase gesehen?" Am leichtesten sei das Lamm zu deuten. Im Neuen Testament werde Jesus oft mit dem unschuldigen Lamm verglichen und daher auch als Lamm Gottes bezeichnet.

Eine Kerze im Dunkeln


Schüpferling mag auch den Brauch des Osterfeuers. Eine Kerze bringte das Licht in die Kirche. "Sie bleibt bis Pfingsten dort", sagt Schüpferling. Am Montag stehen dann noch Kinder- und Jugendgottesdienste an. Nach der arbeitsreichen Zeit an Ostern, gönnt sich der Dekan dann erstmal ein wenig Urlaub.