Achim Schnapp ist auf seiner Wiese zwischen Frauendorf und Krögelhof, um Futter für die Rinder zu machen. Plötzlich fängt es an zu krachen. "Das Krachen hörte sich an, als würde jemand einen Baum fällen", berichtet der Waldbesitzer. Danach sei es mucksmäuschenstill gewesen, weder Wind noch eine Säge waren zu hören. Bis es wieder krachte. "Der Giebel einer riesengroßen Buche, die unten einen Durchmesser von knapp einem Meter hat, ist in den Bestand gefallen und hat andere Bäume unter sich erdrückt, die dann nachgegeben haben", sagt Schnapp. Er befand sich nur wenige hundert Meter entfernt.

Bäume sind im Trockenstress

Der Wald befindet sich im Trockenstress. Zu wenig Niederschlag, zu heiße Temperaturen. "Der Klimawandel ist in aller Munde und auch bei uns längst angekommen - der bevorstehende Sommer soll Prognosen zufolge genauso trocken und heiß werden wie in den letzten beiden Jahren", bedauert Harald Quinger, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Staffelstein. Außer im Februar hat es in keinem der vergangenen Monate ausreichend geregnet.

Nach dem heißen Sommer 2018 hat es für den Wald noch gut ausgesehen. "Ein trockenes Jahr kann der Wald gut überstehen, wenn im Boden noch genug Niederschlag ist und es im Winter regnet", erklärt Quinger. Doch selbst im Sommer 2018 konnte beobachtet werden, dass viele Laubbäume ihre Blätter als Reaktion auf die Hitze bereits im Spätsommer abgeworfen haben. "Nach ein paar aufeinanderfolgenden trockenen Sommern ist der Wald geschädigt und wesentlich anfälliger für Pilze und andere Schädlinge", beschreibt Quinger den Ernst der Lage. Gerade in Nordbayern habe der Borkenkäfer bereits unglaubliche Massen an Wäldern kaputt gemacht.

Fichten besonders betroffen

Vor allem am Bestand der Fichte wird ersichtlich, wie gravierend der Schaden durch die Borkenkäfer ist. "Der Borkenkäfer bohrt sich in den Stamm ein und setzt Pheromone frei, durch die dann andere Käfer angelockt werden" berichtet Quinger. In Fraßgängen, die unter der Rinde entstehen, legt der Schädling seine Eier ab, was fatal für den befallenen Baum ist. "Die Leitbahnen des Baums werden durchgeschnitten und er bekommt keine Nährstoffe mehr. So stirbt er von oben nach unten ab."

Waldbesitzer Achim Schnapp hat innerhalb der letzten zwei Jahre im Starkholzbereich nahezu 100 Prozent der Fichte verloren. "Die Bäume sind nicht mehr widerstandsfähig und der Borkenkäfer vernichtet sie innerhalb kürzester Zeit", schildert der Frauendorfer das Problem. Wenn ein Baum vom Käfer befallen ist, gilt es, schnell zu reagieren. "Nachdem wir unseren Wald im letzten Herbst aufgeräumt haben, hat der Borkenkäfer über den Winter weiter Bäume befallen." Um zu verhindern, dass der Schädling sich weiter ausbreitet, hat der zweite Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung die befallenen Bäume fällen lassen.

Dass ein Baum vom Borkenkäfer befallen ist, wird als erstes durch das sogenannte Bohrmehl, das am Boden liegt, sichtbar. "Den Schädling gab es schon immer, bisher hat sich der Wald nach einem extremen Jahr jedoch immer durch den Niederschlag erholt", bringt Quinger das Problem auf den Punkt. Neben der Fichte ist auch die Kiefer betroffen. "Bei der Kiefer sind Trockenheit und Hitze das Hauptproblem, weil der Borkenkäfer nur geschädigte Bäume befällt. Bei der Fichte sind auch frische Bäume anfällig."

Auch Buchen und Eichen, die neben den Fichten und Kiefern zu den Hauptbaumarten in der Region zählen, werden vom Borkenkäfer befallen. Die Trockenheit ist hier aber die größere Gefahr. "Wenn Fichten rausgenommen werden und die Buchen freistehen, gelangen die Sonnenstrahlen direkt auf die Rinde. Die Rinde fällt ab und der Baum ist wesentlich anfälliger für Pilze und Bakterien", beschreibt Quinger die Folgen des Verlusts der Fichte. Die Buchen würden ohne Rinde schnell vertrocknen, weshalb die Baumkronen mit ihrem großen Gewicht herabstürzen können.

Befallene Bäume zügig fällen

Eine saubere Waldwirtschaft ist die beste Methode, um gegen den Borkenkäfer vorzugehen. "Wenn Bäume frisch befallen sind, sollten diese schnell gefällt und aus dem Wald gebracht werden", betont Quinger. Die Waldbesitzervereinigung Lichtenfels Staffelstein hat derzeit allerdings Holz in so großen Mengen zur Verfügung, dass dieses kaum verkauft werden kann: "Normalerweise haben wir Quartalsverträge mit kleinen und großen Sägern - wegen Corona ist momentan alles so unberechenbar, dass die Verträge nur noch von Monat zu Monat laufen." Die Pandemie wirkt sich auch auf die Holzpreise aus, diese sind um mehr als die Hälfte gesunken. Laut Quinger ist der Absatz bei den Sägern eingebrochen, Exporte in die USA oder nach China wurden heruntergefahren. "Die Krise geht an die Substanz, alle stehen unter Druck."

Für die Waldbesitzer ist der Verlust in den Wäldern auch eine psychische Belastung. "Viele haben die Bäume noch mit ihren Großvätern gepflanzt", sagt Quinger. Die Situation würde ihnen sehr nahe gehen. "Wir haben in den letzten 30 Jahren die Wälder gehegt und gepflegt und jetzt geht sehr viel kaputt - eine ganze Generation hat quasi für die Katz' gearbeitet", bedauert Schnapp. Bei der breiten Bevölkerung komme leider nicht an, was im Wald vor sich geht. Dabei sei dieser ein Erholungsgebiet für alle und werde zum Wandern und Joggen genutzt.

Schnapps Einschätzung nach stehen alle Waldbesitzer vor einem "riesen Problem". Nicht nur wegen der Trockenheit. "Man weiß nicht, welche Baumarten man neu pflanzen soll, nach dem Pflanzen muss außerdem regelmäßig gegossen werden - wie auch bei Blumen", sagt Schnapp. Wegen des Verbisses durch Rehe müssen neu gepflanzte Bäume zusätzlich geschützt werden, etwa durch Zäune. "Gerade im Laub- und Edelholzbereich wird viel verbissen. Zum Schluss ist wieder nur die Buche übrig", berichtet er. Vor allem die Baumarten Eiche und Ahorn seien für den Rehverbiss anfällig. Für die Buche sehe es wegen der Trockenheit genauso schlecht aus.

Ein natürlicher Vorgang

Laut dem Waldbesitzer kann es Jahrzehnte dauern, bis die Bäume und Pflanzen sich an das Klima anpassen. "Durch die sogenannte Naturverjüngung werden die Informationen in den Genen von Pflanze zu Pflanze weitergegeben", beschreibt Schnapp den Prozess. Die Pflanzen kommen dann besser mit der Trockenheit zurecht.