Einen besonderen Höhepunkt bildet jedes Jahr im September die traditionelle Wallfahrt der Heimatvertriebenen und Aussiedler zur "Nothelfer-Basilika" von Vierzehnheiligen. Diese eindrucksvolle Wallfahrt hat nichts von ihrer Attraktivität verloren. Dicht gedrängt standen die Pilger und Pilgerinnen im Gotteshaus.

Der Bamberger Diözesan-Vertriebenenseelsorger Monsignore Pfarrer Herbert Hautmann hatte am Sonntag zur Wallfahrt eingeladen. Gekommen waren wieder zahlreiche Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler aus allen Regionen der Erzdiözese. Den Zaungästen bot sich beim Ein- und Auszug der Wallfahrt ein farbenprächtiges Bild. Viele Landsmannschaften trugen ihre Originaltrachten, Bannerträger machten auf die Herkunftsorte neugierig.

Vom Kirchenschweizer Holger Schwind wurden die Fahnenabordnungen der Vertriebenen in die Basilika geleitet.
Begleitet von der mächtigen Orgel, die Regionalkantor Georg Hagel spielte, bot sich den Wallfahrern ein imposantes Bild, als die Fahnenabordnungen der Vertriebenenverbände links und rechts des Hochaltars Aufstellung nahmen. Der Begrüßung durch Pater Christoph Kreitmeier schlossen sich ein Grußwort des Diözesan-Vertriebenenseelsorger Monsignore Herbert Hautmann an.

Hauptzelebrant des Pontifikalamts war Erzbischof em. Robert Zollitsch aus Freiburg, früherer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Besonders geprägt wurde dieser Festgottesdienst durch die Majestätsmesse, welche in den meisten Vertreibungsgebieten zum Bestandteil einer feierlichen Messfeier gehörte. Man sah und hörte es den Wallfahrern an, dass sie diese Messe gerne singen. Die Musik des jüngeren Johann Michael Haydn geriet im 19. Jahrhundert in Vergessenheit und wartet noch auf ihre Wiederentdeckung. Zu seinen bekannteren Werken zählt das deutsche Hochamt "Hier liegt vor deiner Majestät", welches zur Eröffnung gesungen wurde.

Die rege Teilnahme an der 71. Vertriebenenwallfahrt zeigte, dass die Betroffenen ihre alte Heimat nicht vergessen haben. Man konnte den Menschen durch die Vertreibung die Äußerlichkeiten nehmen, den Glauben an Gott jedoch nicht. Die Lesung und die Fürbitten wurden von Christoph Lippert, gekleidet in Egerländer Tracht, aus Herzogenaurach vorgetragen.


Orte der Ermutigung

In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Erzbischof em. Robert Zollitsch, Gottes Barmerzigkeit zu erfahren. Die Heimatvertriebenen aus Schlesien, Böhmen und Mähren sowie aus dem gesamten Donauraum hätten in den vergangenen 70 Jahren die Erfahrung gemacht, dass Wallfahrtsorte Gnadenorte sind, zu denen sie alles, was einen bewegt, belastet und Mut macht, tragen dürfen und an solchen Orten Hilfe, Ermutigung und Stärkung erfahren - gerade in größter Not. "Wie eine Welt voller Unrecht und ohne Mitleid und Barmerzigkeit aussieht, erleben wir heute in dem, was sich im Nahen Osten Islamischer Staat nennt. Und wir, heimatvertriebene Schicksalsgenossen, haben dies vor 70 Jahren in aller Brutalität erlebt. Eine Welt des reinen Machtkalküls und ohne Barmherzigkeit ist wahrhaftig eine unmenschliche Welt", so Zollitsch weiter, der 1938 als Volksdeutscher ("Donauschwabe") in Filipovo (Philippsdorf) im ehemaligen Jugoslawien geboren wurde und dessen Familie 1946 nach Oberschüpf im Landkreis Tauberbischofsheim kam.

Ihren Ausklang fand die Vertriebenenwallfahrt mit einer feierlichen Marienandacht am Nachmittag am Gnadenaltar. Die Ansprache hielt Christoph Lippert aus Herzogenaurach, seit 2014 Bundesgeschäftsführer der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL). "Ich bin zwar nicht mehr im Sudetenland geboren, sondern 1954 in Südhessen. Aber ich fühle mich durch und durch als Sudetendeutscher", erzählt Lippert, dessen Mutter in Botenwald im Kreis Neutitschein im Kuhländchen zu Hause war. Sein Vater wurde in Prag geboren.


Kulturell aktiv

Christoph Lippert war als Jugendlicher in der Adalbert-Stifter-Gruppe in Darmstadt aktiv, wo er auch seine Frau Ursula kennengelernt hat. Ihr Vater stammt aus Mährisch-Ostrau. "Schon als Kind habe ich mit meinen Brüdern Thomas - er ist sudetendeutscher Kulturpreisträger - und Andreas Veranstaltungen von Ackermann-Gemeinde und SL musikalisch begleitet. Seit 24 Jahren leite ich die Singgruppe der Eghalanda Gmoi z'Herzogenaurach. Mit meiner Frau und meinen Kindern singe und musiziere ich als Eghalanda Stubn-Musi z'Herzogenaurach", erzählt Lippert.
Bei der SL in Erlangen ist er Orts- und Kreisobmann und organisiert mit seiner Frau für die Ackermann-Gemeinde die jährlichen Colloquia Ustensia. Das ist eine Sommerakademie mit Sprachkurs, die immer in den letzten beiden Augustwochen in Aussig stattfindet. Vertriebenenpolitisch tätig ist er als mittelfränkischer Bezirksvorsitzender der Union der Vertriebenen und Aussiedler.