Ein ganz besonderes und nicht gerade alltägliches Hobby pflegt Franz Kriebel. Wer seine Radiosammlung besichtigt, gerät leicht ins Staunen. Wer die Vorgeschichte dieser außergewöhnlichen Leidenschaft erfährt, kann eine gewisse Bewunderung für den Burgkunstadter Neubürger nicht leugnen.


Marke Eigenbau

Als Kind begann er nicht nur mit dem Sammeln alter Rundfunkgeräte, sondern zeigte sich auch in der Herstellung von Radios sehr kreativ. So gelang es dem gebürtigen Zapfen dorfer bereits in der Grundschule, ein funktionsfähiges Radiogerät in einen Kugelschreiber einzubauen.

Sein Freund saß damals in der letzten Bank, eine Sitzposition die nach Meinung der Schüler, früher wie auch heute einen Platz der relativen "Sicherheit" darstellt. Der heute 56-Jährige lieh seinem Schulkameraden deshalb gerne sein selbst gebasteltes Radio. Mittels eines am Gerät befestigten Detektors, schloss der Schulfreund den kuriosen Empfänger an der Steckdose an, die sich direkt hinter seinem Stuhl befand. So hörte der Schulkollege in Zeiten des Kalten Kriegs den Thüringer Sender "Radio Sonneberg".

Die Lehrerin bemerkte natürlich sofort, dass mit dem Kugelschreiber nicht geschrieben werden sollte, sondern dass er ans Ohr gehalten wurde. Es setzte jedoch dafür keine Strafe, denn die Lehrkraft war mehr als erstaunt über die technischen Kenntnisse des Grundschülers. Auch in der Freizeitgestaltung war für Franz Kriebel damals schon Radiotechnik das Thema Nummer eins.


Alte Radios vom Müll

Er besuchte des öfteren den Schuttplatz und suchte nach defekten Radiogeräten. So gelang es ihm, aus mehreren intakten Ersatzteilen ein funktionstüchtiges Gerät zu fertigen. So fehlte dem Schüler häufig die Zeit, seinen Eltern auf dem landwirtschaftlichen Hof zu helfen. Seit ihm in dieser Zeit ein Landwirt einen sogenannten Volksempfänger aus dem Jahre 1938 schenkte - im Fachjargon Goebbels-Schnauze genannt -, brennt bei dem Jungen die Sammelleidenschaft. Inzwischen hatte der begeisterte Sammler sein Hobby zum Beruf gemacht und erlernte den Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers.

Der heutige Radio- und Fernsehtechniker-Meister hat die meisten seiner seltenen Stücke zum Funktionieren gebracht. Einen Großteil seiner nostalgischen Exemplare bekam Franz Kriebel geschenkt.

"Ein Tauschgeschäft fand nie statt", versichert Kriebel. "Die Faszination der technischen Nostalgie, die robuste Bauart der Geräte aus vergangenen Zeiten und die überschaubare Technik begeistern mich früher wie auch heute", betont der Techniker und gerät dabei ins Schwärmen. Er zeigt auf ein sogenanntes "Tefi-Phon" das Radiogerät, das in den 1950er Jahre in keiner Wohnung fehlen durfte; über so ein Gerät freute man sich damals wohl mehr als im neuen Jahrtausend über ein Flachbildfernsehgerät.


Warmer Sound alter Verstärker

Seine Leidenschaft für antiquarische Radiogeräte sieht Franz Kriebel dennoch nicht als Kapitalanlage. Einige seiner Rundfunkempfänger hat der begeisterte Radiofan verschenkt. Nicht weil er die Geräte doppelt besitzt, sondern um gute Taten zu vollbringen. Der Radiofreak denkt auch heute nicht daran, sein Hobby an den Nagel zu hängen. Selbst in der heutigen Zeit, könne man an den nostalgischen Radios noch viel selbst reparieren, und es gebe sogar 100-jährige Stücke, die heute noch ausgezeichnet funktionieren.

Nicht nur der Radiospezialist Franz Kriebel, sondern viele andere Radioliebhaber freuen sich heute noch an dem warmen Sound der nostalgischen Verstärker.