Des einen Freud, des anderen Leid: Dies gilt heuer im besonderen Maße für die Land- und Forstwirtschaft. Während sich viele über einen herrlichen Sommer freuen konnten, sorgte der Klimawandel, der sich mit hohen Temperaturen und einem Mangel an Niederschlägen zeigte, für dramatische Situationen in der Tier- und Pflanzenwelt. Die anhaltende Trockenheit bot Schädlingen wie dem Borkenkäfer beste Voraussetzungen, sich massenhaft zu vermehren. Er hat damit begonnen, den Wald regelrecht aufzufressen.

Bei der Obleute-Versammlung der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Staffelstein in Burkheim war dies das beherrschende Thema. Vorsitzender Robert Hümmer sprach von Schäden in Milliardenhöhe. Um noch Schlimmeres zu verhindern, müssten Waldbesitzer handeln und befallene Bäume so schnell wie möglich aus dem Wald holen. Ein Zwischenlager muss mindestens 500 Meter entfernt sein, damit sich der Käfer nicht auf weitere Bestände ausbreiten kann.

Kaum Arbeiter zu bekommen

Das Herausräumen und Entrinden von Schadholz und Häckseln der Reste bindet derzeit sämtliche Kräfte. Zwar fördert der Staat die insektizidfreie Bekämpfung der Waldschäden, wie auch Forstdirektor Oliver Kröner betonte, doch ist es schwierig, zeitnah Arbeiter zu bekommen. Bei der Waldbesitzervereinigung laufen die Telefone heiß. Ein Ausnahmezustand für die Geschäftsstelle, der nun etwa seit acht Wochen anhält. "Wir kommen fast nicht herum", bestätigt Vorsitzender Robert Hümmer. Er kontrolliere täglich und wird - leider - ebenso kontinuierlich fündig. Binnen kürzester Zeit werden bei der anhaltenden Trockenheit befallene Fichten sämtlich Nadeln ab. "Der Wald wird aufgefressen", sagt Hümmer. Die Borkenkäferwelle hat die Region so heftig getroffen, wie man das bislang nicht kannte.

Von einem "Dürresommer" sprach der Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg, Oliver Kröner. Für den Bereich Lichtenfels belegte er dies mit Zahlen: Aufzeichnungen in Bad Staffelstein ergaben im Jahr 2003 (Januar bis Mitte Oktober) eine Niederschlagsmenge von 300 Litern pro Quadratmeter. 2015 waren es 383 Liter, und 2018 ist dieser Wert auf nur noch 247 Liter zurückgegangen. Hinzu kam, dass seit den 1970er-Jahren die Temperaturen kontinuierlich gestiegen sind und die Sturmschäden zugenommen haben. Forstdirektor Kröner wies nochmals darauf hin, dass der Freistaat Bayern Waldbesitzer bei der Anpassung ihrer Wälder an den Klimawandel unterstütze. Selbst für Kleinst-Privatwaldbesitzer gebe es finanzielle Anreize zur Aufforstung mit klimatoleranten Baumarten.

Informationen aus der WBV-Geschäftsstelle gab bei der Obleute-Versammlung Geschäftsführer Hannes Sonanini. Wurden im vergangenen Jahr etwa 800 Festmeter Käferholz verkauft, so sind es in diesem Jahr, das noch nicht zu Ende ist, schon 4000. Dies verdeutliche, dass trotz moderner Fälltechnik, die zum Einsatz komme, "die Käfer manchmal schneller zugeschlagen haben als die Holzerntemaschinen".

Hoffen auf Regen

Kurzfristig helfen würden den Waldbesitzern Regen und deutlich niedrigere Temperaturen. Die Schädlinge Buchdrucker und Kupferstecher sowie ihre Larven überwintern allerdings und werden Mitte April wieder aktiv. Nur die Eier sterben bei längeren Frostperioden ab. Den Käfern selbst setzen eher feuchte, milde Winter zu; sie können dann im Waldboden Opfer von Pilzbefall werden.

Millionen Festmeter Käferbäume

Ein weiteres Thema der Waldbesitzer waren die Auswirkungen auf den Holzmarkt. Einerseits profitiere dieser vom Höhenflug des Bauhauptgewerbes mit, wie der WBV-Vorsitzende berichtete. Während bei vielen Sägewerken eine gute Auftragslage herrsche und die Schnittholzpreise stiegen, sinken aber die Rundholzpreise. Hier sei der Waldbesitzerverband gefragt. Hümmer appellierte an die Mitglieder, der Branche das entsprechende Holz zur Verfügung zu stellen und nicht zu lange zu warten, in der Hoffnung, dass die Holzpreise noch steigen. Denn viele Unternehmen bedienten sich mittlerweile auch über Lieferketten aus den benachbarten Ländern und niemand könne mehr darüber hinwegsehen, dass derzeit 20 Millionen Festmeter an Käferbäumen in Tschechien bereitliegen, warnte der Vorsitzende. Auch wenn der Nadelholzmarkt in gewisser Weise zusammengebrochen sei, gebe es beim Laubholz gute Entwicklungen.

Sicherheitsberater Martin Thoma von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau ging in seinen Ausführungen auf die Schadholzaufarbeitung ein und verdeutlichte die Anforderungen an die Arbeitssicherheit, die bei allen Arbeiten im Wald zu beachten sind. Besonders nannte er den Aufenthalt im Gefahrenbereich beim Fällen von Bäumen, oder wenn der Harvester diese Arbeiten übernimmt, die Schutzausrüstung und die Rückweichwege, sobald der Baum zu Fall kommt.

Ein Hinweis galt der Obleutelehrfahrt am Freitag, 26. Oktober, nach Lahm im Bayerischen Wald sowie dem 50-jährigen Bestehen der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Staffelstein, das im nächsten Jahr gefeiert werden soll.dr/pp