Wenn es nach der Natur ginge, würden Fichten und Kiefern in unseren Wäldern gar nicht wachsen. "Das alles ist künstlich angepflanzt", sagt Förster Hermann Hacker und zeigt auf eine Plantagefläche im Spitalwald. Die etwa ab dem Jahr 1900 betriebene Aufstockung der Fichten- und Kiefernbestände habe das heutige Waldbild immens geprägt. Der Staffelsteiner Stadtwald sei bereits auf mehr Laubholz umgestellt worden. Dafür seien klimagerechte Baumarten wie Eiche und Buche angepflanzt worden.
Bis 2020 stehe ein Umbau von 100 000 Hektar bayerischen Waldes in Planung. Der Staat fördere den Umbau mit einer Unterstützung von 3000 bis 5000 Euro pro Hektar, informiert Hermann Hacker, der Leiter des Forstreviers Bad Staffelstein.
Mit 70 Prozent an Laubholzbestand liege der Staffelsteiner Wald sicherlich gut im Schnitt.
Vor allem im deutschlandweiten Vergleich, wie Hacker verdeutlicht: "Etwa die Hälfte aller deutschen Bäume sind Fichten."
Revierleiter Hacker betrachtet den Wald nicht aus rein wirtschaftlicher Perspektive, sondern hat auch den ökologischen Aspekt mit im Blick. So sei es zwar weiterhin wichtig, Laubholzarten wie Eiche oder Buche aufzustocken; aber der Wald sei auch "das letzte Reservat" und "das Einzige, was noch Natur ist". Diese "Natur" mache gegenüber den Plantagen als kultivierte Flächen etwa nur noch ein Drittel im Ganzen aus.

Wie der Wald aufs Klima reagiert

Die Umstellung des Bestands, weg von Fichten- und Kiefernplantagen hin zu mehr Laubholz, "würde die Natur auch selbst regeln", sagt Hacker. Doch wüchsen bei einer natürlichen Waldverjüngung in erster Linie sogenannte Vorwaldbaumarten aus Weichholz. Es sei eine Frage des Standorts, welche Baumsorten sich in welcher Menge verbreiten. Etwa 50 Jahre dauere es, bis der Wald zu seiner "Natur” zurückkehre.
"Der Umbau ist mit einer natürlichen Waldverjüngung nicht möglich”, fügt Hacker hinzu. Eine natürliche Verbreitung würde sich eben danach richten, "was die einzelnen Baumarten aushalten".
Kiefern und Fichten mögen "leicht zu händeln" und deshalb aus wirtschaftlicher Perspektive geeignet erscheinen; Trockenperioden und dauerhaftem Frost könnten diese Nadelhölzer auf Dauer aber nicht standhalten. So seien bei Uetzing-Serkendorf im Zuge von Trockenperioden 2003 und 2006 etwa 70 000 Festmeter (20 Hektar) Wald vom Borkenkäfer zerstört worden.

Holz als wichtiger Rohstoff

Dabei wird immer mehr Holz gebraucht, wie Hacker erklärt. "Es stellt sich die Frage, wie in Zukunft der Wald genutzt wird", sagt er. Die Anforderungen änderten sich nicht zuletzt durch die Energiewende. Die Staffelsteiner Bürger könnten ihren Brenn- und Nutzholzbedarf inzwischen bei Weitem nicht mehr aus den eigenen Wäldern decken. Statt Holz weiterhin zu importieren, sollte man "die eigenen Reserven aktivieren", meint Hacker. Dazu sei es erforderlich, geeignete, d. h. trockenheits- und frostresistente Baumarten anzupflanzen.

Folgen der Klimaerwärmung

Durch die Klimaerwärmung erwarten uns nicht nur härtere Winter und extreme Sommer, sondern auch Trockenheitsperioden und Stürme, die in den Jahren 1990 bis 2008 vorherrschten, ist sich Hermann Hacker sicher. Starker Windgang sei ein weiterer Umstand, der den flachwurzelnden Fichten das Leben auf Dauer schwer mache. Es sei ein Problem der Forstwirtschaft, die Planungen längerfristig anzulegen. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung seien zwar schon seit 20 Jahren bekannt gewesen, doch könnte, wenn die "atlantische Turbine außer Funktion gerät", auch eine Art Eiszeit zu erwarten sein.
Im Moment sei unser Klima vergleichbar mit dem in Bulgarien oder dem im russischen Kaukasus, sagt Hacker. Das Druckverhältnis zwischen dem Island-Tief und dem Azoren-Hoch, das die Westwinddrift erzeuge, präge das europäische Klima. Durch einen kontinentalen Rückgang der nordatlantischen Oszillation stünden voraussichtlich strengere Winter und mehr Trockenheit bevor. Besser als Fichten und Kiefern kämen zum Beispiel Ungarische Eichen mit diesem Klima zurecht.