Rund vier Hektar Land für die Pferde, frische Luft und eine liebevolle Pflege für alle: Auf den ersten Blick scheinen die rund 200 Tiere des Gnadenhofs Albert in Pferdsfeld bei Ebensfeld von der Corona-Pandemie wenig betroffen. Noch weniger, so scheint es, wenn man den richtigen Namen "Traudls Lucky Horse Ranch" benutzt. Doch die Einschränkungen und Gefahren der Corona-Krise sind für die Tiere und Inhaberin Waltraud Albert weitreichend: Unter normalen Umständen finanziert die 62-Jährige ihren Gnadenhof von den Einnahmen aus dem Verkauf von Kerzen und Geschenkartikeln in Vierzehnheiligen mit. Dort betreibt sie zwei Geschäfte - eines davon auf Pachtbasis. Durch den Wegfall vieler Wallfahrten im vergangenen und voraussichtlich in diesem Jahr hat sie große Einbußen.

Futter und Medikamente nötig

Zwar erhalte sie auch Spenden für die Tiere, jedoch seien diese nicht ausreichend. Die Pferde, Hunde, Katzen, Rinder, Alpakas, Ziegen und viele mehr benötigen Futter und manchmal Medikamente. Die meisten von ihnen sind alt, stammen aus schlechter Tierhaltung oder wurden Opfer von Misshandlung. Seit 1996 ist Waltraud Albert weit über die Landkreisgrenzen hinaus unterwegs. Sie holt die Tiere aus den oft unwürdigen Lebensbedingungen heraus. Oftmals noch gegen Geld. Das sind beispielsweise Stutenmilchtiere, deren Milch vor allem in teuren Kosmetikprodukten verwendet wird. Die Zucht der Fohlen ist für diesen Vorgang unerlässlich. Eine große Anzahl wird oft zum Schlachter gebracht. In einigen Fällen kann Waltraud Albert sie retten. Dafür hält sie Augen und Ohren offen, ist vor allem aber auch auf "aufmerksame Nachbarn" angewiesen.

Manchmal suchen die Menschen, die ihre Tiere abgeben müssen, aber auch selbst den Kontakt zum Gnadenhof. Die Corona-Krise und ihre Folgen wie Einkommenseinbußen oder gar Arbeitslosigkeit zwinge viele Menschen, von ihren Tieren Abschied zu nehmen, da sie Stallmieten oder andere Kostenpunkte nicht mehr bezahlen können. "Das ist brutal, welche Welle da gerade anrollt."

Waltraud Albert ist immer noch erschrocken. "Eigentlich habe ich Aufnahmestopp, aber was soll ich tun?" Die Antwort gefriert in der Winterkälte. Denn es nicht damit getan, die Tiere in Pferdsfeld unterzubringen: Das tägliche Abmisten bildet die Hauptarbeit auf dem Hof, die Fütterung der Tiere, kleinere Reparaturen oder der Bau neuer Behausungen nimmt ebenfalls viel Zeit in Anspruch. Was man zurückbekommt? Das Vertrauen der Tiere und eine ganz neue Dankbarkeit, die die Augen der 62-Jährigen zum Leuchten bringt. Sie selbst hat schon viele Schicksalsschläge erlitten, kämpft aber immer weiter. Seit dem Tod ihres Partners 2015 habe sie zwar zuverlässige freiwillige Helfer gefunden, diese sind jedoch meist auch berufstätig und folglich fehlen vor allem an den Werktagen tatkräftige Frauen und Männer. Vor kurzem hat Waldtraud Albert eine Hilfskraft eingestellt. Andere Helfer fallen teilweise kurzfristig wegen Krankheit oder Quarantänebestimmungen aus.

Dennoch nimmt sie die neuen Herausforderungen an: Sie erzählt etwa von einem Pferd, das jahrelang geschlagen und misshandelt worden war. Als sein Fohlen geboren war, habe dieses noch zwei Jahre danach Angst vor Berührungen gezeigt. "Das hat im Mutterleib so viel mitbekommen, das hat ganz viel Zeit gebraucht", erinnert sich Waltraud Albert und streichelt das heute sehr verschmuste und agile Tier. "Ich lasse die Tiere Tiere sein. Dafür mache ich meine Arbeit." Ab und zu werden noch Tiere vom Hof in "gute Hände" vermittelt. "Das ist aber schwierig, weil meine Pferde zum Beispiel nicht beritten sind." Der Großteil verbringt sein Leben bis zu seinem Tod am Rand von Pferdsfeld. Wohl auch das tierische Zwillingspärchen aus Norddeutschland: Das Weibchen aus der Milchviehhaltung habe keine Gebärmutter gehabt. "Folglich ohne Nutzen für die Betriebe. Die Bullen lässt man meist einfach sterben", weiß Waltraud Albert. Eine Naturschützerin habe die Inhaberin der "Traudls Lucky Horse Ranch" auf diese Verhältnisse vor Ort aufmerksam gemacht. Heute fressen die beiden ihrer Besitzerin aus der Hand, zufrieden und ohne Angst.

Doch auch sie brauchen Futter, insbesondere Heu. Schon vor drei Jahren hat den Hof, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern kann, eine große Heuknappheit geplagt. Auch heute reicht die Ernte von den hofeigenen Feldern nicht aus, weswegen Waltraud Albert zukaufen muss.

Der Gnadenhof Albert ist daher auf der Suche nach Futterspenden jeglicher Art und freiwilligen Helfern, die sich nicht vor harter Arbeit scheuen, dafür aber den Dank der Tiere erhalten, die einfach Tiere sein dürfen.

Informationen gibt es bei Waltraud Albert, Telefon 0175/4153089.

Corinna Tübel