"Das kam überraschend kurzfristig. Die Entscheidung fiel am 3. August." Als Thomas Carl über sein neues Amt spricht, weiß er selbst erst seit wenigen Wochen, dass seine Bewerbung erfolgreich war: Ab dem Schuljahr 2020/2021 ist der 51-Jährige neuer Schulleiter am Meranier-Gymnasium in Lichtenfels. Damit löst er Stefan Völker ab, der in Pension geht. Die öffentliche Ausschreibung für dessen Posten kam erst Ende Juni. Seit dem 1. September ist Carl nun in leitender Position aktiv.

Ganz neu ist die Funktion für Carl nicht: Er war bereits am Kaspar-Zeus-Gymnasium in Kronach, seiner ehemaligen Schule, drei Jahre lang Mitarbeiter im Direktorat und anschließend für vier Jahre der stellvertretende Schulleiter. Zuvor war der Lehrer für Mathe und Physik 13 Jahre lang in Burgkunstadt tätig. Sein Studium schloss er an der Universität Bayreuth ab.

Freundlicher Empfang

"Ich bin sehr warm empfangen worden", schildert Carl seinen ersten Eindruck an der neuen Schule. Nun freut er sich auf die Schüler und darauf neue Ideen einzubringen. Die will er gemeinsam mit den Kollegen umsetzen – "das Teamplaying" sei ihm sehr wichtig, betont der neue Schulleiter. Seine erste Neuerung war die zeitliche Staffelung der Pausen, um den "Begegnungsverkehr einzuschränken". Das sei umso wichtiger, da erstmals seit dem Corona-Ausbruch alle Schüler und Lehrer wieder gleichzeitig vor Ort sind.

Für die kommt eine weitere Neuheit hinzu: Um das Infektionsrisiko durch Reiserückkehrer so gering wie möglich zu halten, beschloss das bayerische Kultusministerium eine generelle Maskenpflicht auf dem Schulgelände – die gilt auch im Unterricht. Generell sei die Pandemie aktuell die größte Herausforderung und der richtige Umgang mit ihr habe die höchste Priorität, erklärt Carl: "Es geht darum, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten."

Appell an die Schüler

Dabei geht sein Appell insbesondere an die Schüler. Die müssten ihren Teil beitragen, indem sie sich an die Regeln halten. Carl betont jedoch, dass er an die Vernunft seiner Schüler glaube.

Mehr Sorgen bereitet ihm das Schulgebäude: Es ist an einigen Stellen in die Jahre gekommen, auch wenn der Biologie-/Chemietrakt bereits generalsaniert wurde und hochmodern ist. Es gebe im sogenannten Neubau nämlich Belüftungsprobleme. Allerdings sei der Schulleiter bereits mit dem Landrat Christian Meißner im Kontakt, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Sollte es doch zu einer erneuten Schulschließung kommen, sei die Schule für den virtuellen Unterricht aber nicht schlecht aufgestellt, betont Carl. Durch die Erfahrungswerte des Lockdowns und die Unterstützung des Landratsamtes sei auch wieder Unterricht von zuhause aus möglich. Wenngleich der Schulleiter ein solches Szenario verhindern will.

Auch weil er den angehenden Abiturienten die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen will: "Wir müssen die Abschlussschüler so gut es geht vorbereiten – und zwar in einer Zeit, die nicht einfach ist." Generell sei es aber "wichtig, für alle Schüler die bestmöglichen Voraussetzungen zum Lernen zu schaffen", betont er.

Ein klein wenig Wehmut

Bei aller Vorfreude auf die neue Aufgabe verspürt Thomas Carl aber auch ein bisschen Wehmut, wenn er an seine alte Schule zurückdenkt. So vermisse er all die Menschen, die ihm während der vergangenen Jahre ans Herz gewachsen sind – Kollegen wie Schüler. "Wenn man sich auf solch eine Stelle bewirbt, nimmt man das aber in Kauf", weiß er.

Die Konstante in Thomas Carls Leben ist seine Familie: Gemeinsam mit seiner Frau lebt er in Weidhausen bei Coburg. Mit ihr geht er gerne Wandern, um sich vom anstrengenden Arbeitsalltag in der Schule zu erholen. "Auch mit meinen erwachsenen Kindern verbringe ich viel Zeit. Gemeinsam genießen wir die fränkische Natur."