Vor 100 Jahren wurde Hubert Weber in Staffelstein geboren. Als Kunstmaler und Bildhauer hat er international Furore gemacht. Nicht nur, weil er als "Künstler ohne Hände" seine Werke mit Prothesen schuf. Die hatte ihm einer der berühmtesten deutschen Ärzte, Professor Sauerbruch, angepasst. Noch heute begegnet man Webers künstlerischem Vermächtnis.

Die letzte große Skulptur, die der Meister geschaffen hat, war die des "Pass auf" in Bad Staffelstein. Enthüllt wurde sie zu seinem 85. Geburtstag. Das war vor 15 Jahren. Damals gefragt, ob es noch weitere Werke von ihm geben werde, antwortete Hubert Weber mit dem ihm eigenen feinen Lächeln: "Wenn ich das Schnaufen nicht vergesse ...". Am 11. Februar 2013 verstarb der akademische Kunstmaler und Bildhauer. Er wurde an seinem Wohnort Lichtenfels beigesetzt. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden.

Beide Hände verloren

Hubert Weber wurde am 18. August 1920 in Bad Staffelstein geboren. Am 6. August 1941, kurz vor seinem 21. Geburtstag, verlor er auf dem Weg an die russische Front bei einem Unfall beide Hände. Ein Schicksalsschlag, der alle Träume des jungen Mannes, nach dem Krieg künstlerisch tätig zu sein, zu zerstören schien - wäre da nicht Professor Ferdinand Sauerbruch, einer der berühmtesten deutschen Ärzte, gewesen. Der Leiter der Chirurgie an der Charité in Berlin nahm sich des jungen Mannes aus Franken an. Zehn Mal operierte er ihn innerhalb eines Jahres - und schuf die "willkürlich beweglichen Sauerbruch-Prothesen" als Ersatz für seine Hände. Mehr noch. Sauerbruch war es, der Hubert Weber ermutigte, nach seiner Genesung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg zu studieren. "Du darfst nicht nur Hobbykünstler werden, Du musst studieren und Kunst zu Deiner Lebensaufgabe machen", so der wörtliche Rat des großen Mediziners an seinen jungen, hochbegabten Patienten. Nach Kriegsende ging Weber nach Stuttgart, wo er mehrere Semester in der Meisterklasse von Prof. Baumeister arbeitete.

Weber schuf von da an mit seinen künstlichen Händen unzählige Kunstwerke. Nach dem Studium begann Hubert Weber zunächst mit der Malerei und widmete sich dann zunehmend der Kunst am Bau. Er gewann unzählige Wettbewerbe und begnügte sich nicht mit dem Anfertigen von Entwürfen, sondern führte seine Wandmalereien auch selbst aus. Er schuf Sgraffitoarbeiten und Betonglasfenster, gestaltete Wände in Steinmosaik und aus getriebenem Kupfer.

Er entwarf Brunnen - zum Beispiel den "Dümpfelschöpfer" am Oberen Tor in Lichtenfels - und Bronzeplastiken, wie eben den "Pass auf", der im Garten seines Geburtshauses in der Bahnhofstraße 70 von Bad Staffelstein steht.

Hubert Weber gewann bundesweit viele Wettbewerbe, beteiligte sich an künstlerischen Ausstellungen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. So etwa den Staatspreis der Universität Münster. Als er ihn in Empfang nahm, war das Staunen groß - niemand wusste bis dahin, dass der Preisträger keine Hände mehr hatte. Im Frühjahr 1996 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande für Kunst- und Kulturpflege vom bayerischen Kultusminister überreicht, nachdem er sich als Kreisheimatpfleger um den Erhalt von Kulturgütern seiner Heimat am Obermain verdient gemacht hatte. Einmal gefragt, wie viele Bilder und Skulpturen von ihm geschaffen wurden, lachte er nur - und schüttelte den Kopf. "Unzählige", war die Antwort. Er hatte sie nie gezählt. Auch für ein Werkverzeichnis hat er sich nie die Zeit genommen. Es war ihm nicht wichtig. Auch heute existiert es nicht.

Weber malte, zeichnete und übernahm die künstlerische Gestaltung von Schulen, Universitäten, Krankenhäusern und Verwaltungsgebäuden. In Kronach sitzt zum Beispiel vor der Stadtmauer seit etwa 1990 die von Hubert Weber geschaffene Skulptur "Johann Kaspar Zeuss" auf einem großen Stein. Überhaupt sind es die Frankenwaldgemeinden im Landkreis Kronach, in denen das Schaffen Hubert Webers noch zu bewundern ist. Die Betonung liegt auf "Noch". Denn mit den Bauwerken - Schulen und öffentlichen Gebäuden - fallen auch die sie zierenden Kunstwerke nicht selten der Abrissbirne zum Opfer, landen auf dem Schrottplatz der Geschichte. Es sind Kunstliebhaber wie der Kronacher Kreisheimatpfleger Robert Wachter, die sich in den letzten Jahren immer wieder engagiert für die Bewahrung der von Hubert Weber geschaffenen "Kunst am Bau" einsetzen. Nicht immer, aber sehr häufig mit Erfolg.

Viele Kirchen ausgestaltet

Ein Schwerpunkt des Schaffens von Hubert Weber war die Gestaltung von Kirchen, von denen er bundesweit mehr als 20 zum Großteil komplett ausstattete. So zum Beispiel 1964 die Kirche in Reundorf mit der Chorwand in Stein- und Marmormosaik, mit Betonglasfenstern, Kupfertüren, Leuchtern und anderem. Weitere Werke Webers, die man heute noch bewundern kann, sind die Bronzebrunnen am alten Lichtenfelser Klinikum und vor der Hauptstelle der Sparkasse in Lichtenfels oder der Nirostastahl-Brunnen an der Schule von Michelau.

Aber: Die Malerei hat Hubert Weber sein ganzes Leben lang nicht losgelassen, angefangen von der ersten Bleistiftzeichnung - einem Porträt von Prof. Sauerbruch noch in der Charité - bis hin zur "Geheimen Offenbarung" im Jahr 1998. Noch lange malte er jeden Tag in seinem Atelier am Roten Hügel, hoch droben über der Korbstadt Lichtenfels, wo er mit seiner Ehefrau Hilde, die ihn seinerzeit nach seinem schweren Unfall 1941 gepflegt hatte, lebte.

Es wird noch ein wenig dauern, bis der ganze Nachlass des Lichtenfelser Künstlers der Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Die Nachkommen Webers planen diesbezügliche Schritte.