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Buch am Forst
Straßennamen

Der letzte Abt des Benediktinerklosters Banz

Die Abt-Dennerlein-Straße in Buch am Forst erinnert an das letzte Kapitel der Banzer Klostergeschichte.
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Gallus Dennerlein war der letzte Abt im Kloster Banz. Foto: Günter Dippold
Gallus Dennerlein war der letzte Abt im Kloster Banz. Foto: Günter Dippold

Eine Straße in der Ortsmitte erinnert an den letzten Abt des Benediktinerklosters Banz, der seinen Ruhestand in Buch verlebte und hier starb: Gallus Dennerlein.

Als 1803 die Geschichte der weithin berühmten Abtei Banz endete, stand er an ihrer Spitze. Seine Karriere spiegelt das letzte Kapitel der Klostergeschichte; das Ende seiner Laufbahn war die Folge der klosterfeindlichen Stimmung der damaligen Eliten.

In Gunzendorf geboren

Anders als die Banzer Äbte des 18. Jahrhunderts, die durchweg aus Städten stammten, war der letzte Prälat in einem Dorf zur Welt gekommen. Er wurde am 20. Januar 1742 in Gunzendorf im Bamberger Land geboren und in der Pfarrkirche von Buttenheim auf den Namen Johannes getauft. Noch in seinem Geburtsjahr erhielt sein Vater die Stelle des Schulmeisters von Buttenheim. 1754/55 wurde Johannes Dennerlein ins Gymnasium Bamberg aufgenommen. In seinen Schuljahren sah er die Banzer Klosteranlage von der Altenburg aus zum ersten Mal.

Banz gewann in diesen Jahren Ansehen, weil der seit 1731 regierende Abt Gregor Stumm (1693-1768) die Novizen sorgsam auswählte, weniger nach dem elterlichen Vermögen, sondern vielmehr nach der Begabung; die jungen Mönche förderte er dann, indem er sie zu wissenschaftlichen Studien ermutigte. Bei diesem Abt stellte sich Johannes Dennerlein vor - mit Erfolg: Er wurde im Oktober 1760 zusammen mit fünf weiteren Kandidaten ins Kloster aufgenommen. Dies bedeutete bereits eine Auszeichnung, denn die Abteien jener Zeit konnten unter den Bewerbern wählen.

Am 8. Dezember 1761 legte Dennerlein die Ordensgelübde ab und erhielt dabei den Klosternamen Gallus. Es begann nun die in Banz übliche siebenjährige Ausbildung. Der junge Mönch studierte Philosophie und Theologie, weltliches und kanonisches Recht. In dieser Zeit empfing er in Würzburg auch die geistlichen Weihen, zuletzt 1766 die Priesterweihe. Dennerlein war ein begabter Musiker. Schon auf dem Gymnasium genoss er Ansehen als Organist, und in einem 1777 entstandenen Fastnachts-Gedicht aus Banz heißt es über ihn: "Schlacht [d. h. schlägt die Orgel] ganz gut und singt recht fein". Weniger Talent legte er für die in Banz so gepflegten Wissenschaften an den Tag. Er sei "mit einem mehr praktischen als spekulativen Verstande begabt" gewesen, schrieb sein Biograph, und er habe sich deshalb mehr "auf ökonomische als streng wissenschaftliche Fächer" verlegt.

Klosterbibliothek und Kanzlei

Zunächst war Dennerlein seelsorgerlich tätig. Er half in den benachbarten Pfarreien Altenbanz und Döringstadt aus, und Ende der 1760er Jahre wurde ihm die Sorge für alte und kranke Mitmönche anvertraut, was sich sowohl auf die geistliche Betreuung als auch auf die Korrespondenz mit Ärzten erstreckte. Gleichzeitig beaufsichtigte er die namhafte Klosterbibliothek und arbeitete in der Kanzlei mit.

Abt Valerius Molitor (reg. 1768-1792), der Nachfolger von Gregor Stumm, schätzte Dennerlein und übertrug ihm herausgehobene Aufgaben: 1777 das Keller- und Gastmeisteramt, zuständig für die Wein- und Biervorräte und die Bewirtung der Besucher des Klosters, die hohe Summen verschlang. Einige Jahre später übernahm Pater Gallus das Back- und Bodenamt, in dessen Zuständigkeit die Getreidewirtschaft fiel, schließlich das Bursariat, also die Finanzverwaltung, die den landwirtschaftlichen Regiebetrieb des Klosters einschloss. 1789 stieg Dennerlein zum Amtmann von Gleusdorf auf, wo er in einem schlossartigen Gebäude, direkt an der Itz, residierte.

Gallus Dennerlein schätzte die mit dieser Aufgabe verbundene Abgeschiedenheit, und dies vielleicht umso mehr, als der Unfrieden im Kloster sich zuspitzte. Die gelehrten Mönche waren untereinander heftig zerstritten. Nach seinem Tod im Jahr 1792 setzten die "Reformer" unter den Mönchen eine neue Verfassung für das Kloster durch, die den künftigen Abt teilweise entmachtete und der Mönchsgemeinschaft ein Mitspracherecht in Personal- und Finanzfragen zubilligte. Bei der Abtswahl war Gallus Dennerlein als Protegé des ungeliebten verstorbenen Abtes chancenlos. Stattdessen errang ein Kandidat der Erneuerer, Otto Roppelt (1743-1800), die Stimmenmehrheit.

Dieser war, wie ein Chronist berichtet, ein "äußerst liebenswürdiger Mann von überfließender Herzensgüte", ein musterhafter Mönch, aber gehemmt und durchsetzungsschwach. Er "wollte Allen Alles seyn, und verdarb es, eben dadurch mit sehr vielen. Das Mißvergnügen wuchs bald wie Unkraut unter dem Waizen".

Der Streit unter den Mönchen legte sich nicht, sondern nahm an Heftigkeit zu. Hinzu kamen äußere Bedrängungen. Der Versuch der deutschen Fürsten, die Französische Revolution mit militärischen Mitteln ungeschehen zu machen, scheiterte; stattdessen drangen französische Truppen tief in Reichsgebiet ein. 1796 wurde der Abt als Geisel verschleppt, um Zahlungen zu erpressen. Um die Misshelligkeiten im Kloster beizulegen, ordnete der Würzburger Bischof, in dessen Diözese Banz lag, 1798 eine Visitation an. Der tonangebende "Reformer" wurde auf die Amtmannsstelle in Gleusdorf wegbefördert. Gallus Dennerlein musste im Gegenzug abermals das Bursariat übernehmen. Abt Otto Roppelt starb am 17. Dezember 1800 in Coburg, wohin er sich wegen eines erneuten Franzoseneinfalls geflüchtet hatte. Wenig später besetzten französische Soldaten für mehrere Monate das Kloster, so dass erst am 1. Mai 1801 ein neuer Abt gekürt werden konnte.

Den Mittelweg gefunden

Nun fiel die Wahl auf Gallus Dennerlein - und damit auf einen Wirtschaftsfachmann, der für die Kriegszeiten passend schien. Im Kloster behauptete er seine Stellung durch drei Grundzüge: Er verhielt sich bescheiden, indem er beispielsweise am nächtlichen Chorgebet teilnahm und dasselbe aß wie seine Mönche. Er vertrat beherzt die Rechte seines Klosters gegenüber den landesherrlichen Behörden zu Bamberg. Er fand den rechten Mittelweg zwischen seinen beiden Vorgängern; er habe es verstanden, so sein Biograf, "Ernst mit Liebe zu paaren".

Jedoch hatte den Klöstern die letzte Stunde geschlagen. Den Abt trieben Pläne um, das Kloster in eine "Schul- und Studienanstalt" für angehende Lehrer und eine Spinnerei umzuwandeln und so als geistliche Einrichtung zu erhalten. Doch wenngleich Banz in München ein gewisses Ansehen genoss, war dort doch der Stab über die Prälatenklöster gebrochen. Nachdem der Bamberger Fürstbischof seine weltliche Herrschaft niedergelegt hatte, erschien am 30. November 1802 ein Beauftragter des bayerischen Kurfürsten in Banz, vereidigte Abt, Mönche und Bedienstete des Klosters auf den neuen Landesherrn, inventarisierte Bargeld und Getreide und versiegelte Wertgegenstände, sogar das Kirchensilber.

Dass der neue Herr nicht willens war, das Kloster fortbestehen zu lassen, wurde im Dezember 1802 deutlich, als er anordnete, die fünf Novizen zu entlassen, die der Abt ein Jahr zuvor aufgenommen hatte. Im Februar 1803 erschien erneut ein kurfürstlicher Beamter aus Bamberg und erfasste in mehrwöchiger Arbeit den gesamten Besitzstand des Klosters. Im April 1803 übernahm die Verwaltung sämtlicher Klostergüter ein kurfürstlicher Administrator. Ab 8. Mai erhielten Abt und Mönche ein Tagegeld zugewiesen, wobei Gallus Dennerlein den beträchtlichen Betrag, der ihm zugedacht war, mit seinen Mönchen teilte.

Wie der Tempel im Evangelium

Um dieselbe Zeit traf ein Beamter ein, der den Verkauf des beweglichen Besitzes zu organisieren hatte. Ein Mönch schreibt in seiner Lebensgeschichte Dennerleins: "Von diesem Zeitpunkte an glich nun [...] das Kloster einer Krambude, oder dem Tempel im Evangelium, wo Käufer und Verkäufer sich haufenweise drängten."

Um dies nicht mitansehen zu müssen, bezog Abt Gallus Dennerlein das klösterliche Amtshaus in Buch am Forst. Im Sommer 1803 löste sich die Gemeinschaft der Mönche allmählich auf. Förmlich vollzog der bayerische Kurfürst die Aufhebung des Klosters Banz am 24. Oktober 1803. In diesem Dekret bestimmte er auch die Pension für den Abt: 6000 Gulden im Jahr, dazu freie Wohnung in Buch, ferner Kutschen, Pferde und Möbel. Damit erhielt Dennerlein das Zwanzigfache eines Lehrergehalts und weit mehr als altbayerische Prälaten. Gut versorgt, verbrachte der Abt seinen Ruhestand im schlossartigen Amtshof Buch. Er empfing Besucher, bevorzugt seine einstigen Mönche, unterstützte Arme und linderte in seiner Umgebung viel Not, etwa im Hungerjahr 1817. Doch er erschien auch beim Lichtenfelser Schützenfest.

Nach längerer Krankheit, die ihn ans Haus fesselte, starb er am 2. Oktober 1820 in Buch am Forst im 79. Lebensjahr. Der neue Eigentümer von Banz, Herzog Wilhelm in Bayern, erlaubte seine Beisetzung in der Gruft der Klosterkirche.

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