Zuvor hatte der Innenminister Altlandrat Reinhard Leutner in Bad Staffelstein die Kommunale Verdienstmedaille in Gold überreicht - eine Ehrung, die äußerst selten vergeben wird. Leutner habe die Region in beispielhafter Weise mit geradezu visionärer Kraft geprägt, betonte der Innenminister. Die Investition von 36 Millionen Euro in den Ausbau der weiterführenden Schulen nannte er richtig angelegtes Geld, und der Entwicklung zu einer Gesundheitsregion zollte er großen Respekt.

Rückblickend sagte Herrmann, der Freistaat sei bei der Neustrukturierung der Landkreise und kreisfreien Städte vor vier Jahrzehnten mit Augenmaß vorgegangen. Auch wenn manch einem die Konstellationen vielleicht nicht gepasst haben mögen: für den Landkreis Lichtenfels konstatierte der Innenminister, es sei "was Vernünftiges draus gemacht worden". Er würdigte auch das Wirken der Vorgänger Leutners. Neben dessen Ehefrau Renate nahmen auch Albertine Schaller, die Witwe von Ludwig Schaller, und Mathias Walther, Sohn von Helmut G. Walther, an der Festsitzung im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes teil. Dass er zum "40." gerade dem kleinsten aller Landkreise in Bayern einen Besuch abstattete, wollte Joachim Herrmann auch als Zeichen für die Unterstützung des Freistaats verstanden wissen.

Zwei Kreisräte, die den Landkreis in dem langen Zeitraum von 40 Jahren begleitet haben, sind Winfried Weinbeer (Freie Wähler) und Otto Schuhmann (SPD). Ihnen überreichte Landrat Christian Meißner (CSU) ein Geschenk, mit dem Hinweis, dass eine Ehrung in der Jahresschlusssitzung folgen werde. Unter den Teilnehmern an der Festsitzung waren auch Ehrenmedaillenträger des Landkreises. Erwin Nist, der auch diesem Kreis angehört, aber persönlich nicht dabei sein konnte, hatte einen Brief geschickt. Aus diesem Brief zitierte der Landrat. Die Kreisgebietsreform habe "uns Kreisräten" manches Kopfzerbrechen bereitet, schrieb Nist, und stellte aber fest: "Der Landkreis Lichtenfels hat alle Erwartungen übertroffen."


Ringen um die besten Kuchenstücke



Festredner Günter Dippold beleuchtete ausführlich die Entstehung des Landkreises vor 40 Jahren, das Ringen um die Aufteilung eines Kuchens, von dem nicht alle Stücke gleichermaßen verlockend zu sein schienen, die Verhandlungen darüber und schließlich die Weichenstellungen mit der Gemeindegebietsreform. "Nach 1970 begann eine Phase großer, bis heute fortwirkender Umbrüche", sagte er. Wie sich die Ortsbilder veränderten - nicht immer zu ihrem Vorteil - zeigte eine Reihe von Aufnahmen, die Dippolds Vortrag bereicherten. Einen derart tiefgreifenden Wandel wie in den vergangenen vier Jahrzehnten dürfte es in keinem vergleichbaren Zeitraum zuvor gegeben haben. Mit den "Selbstbedienungsläden" hatte eine neue Zeit bei der Warenversorgung begonnen - unvorstellbar damals, dass es in einer Gemeinde einmal gleich mehrere Supermärkte geben sollte. Als besonders tiefgreifend beschrieb der Bezirksheimatpfleger den Wandel von Staffelstein vom ländlichen Städtchen zum Zentrum der Gesundheits- und Tourismusregion am oberen Main.

Gravierende Veränderungen auch bei der Infrastruktur und in der Wirtschaft: "1972 gab es ausschließlich zweispurige Straßen im Kreisgebiet, aber es bestand noch ein Bundesbahn-Betriebsamt in Lichtenfels, zuständig für 58 Standorte mit 940 Beschäftigten", rief Dippold in Erinnerung. "Die gesamte Schuhindustrie, machtvolle Unternehmen wie Striwa, Alka, Fleschutz, damals blühend, sind heute dahin, und auch der Schornstein manch großer Brauerei raucht nicht mehr." Dafür sei aber Neues herangewachsen - Unternehmen wie Scherer & Trier, Hofmann oder IBC. Das Landratsamt habe den Wandel begleitet und sich selbst gewandelt. Allein das wohl noch nicht abgeschlossene Vordringen neuer Informationstechnologie habe die Behördenarbeit stärker verändert als manche politische Umwälzung. Die Bürgernähe lebe sich in einem kleinen Kreis leichter als in einem größeren. Überhaupt relativierte Dippold den Begriff von Größe in Zusammenhang mit dem Landkreis Lichtenfels. "Was heißt klein?" An Quadratkilometern mag Lichtenfels ein kleiner Landkreis sein, vielleicht auch was die Zahl seiner Bewohner angeht. "Groß aber ist er in dem, was er ererbt hat, groß in dem, was seine Menschen leisten, groß in seinen Perspektiven mitten im geeinten Deutschland, im vereinten Europa", schloss der Redner.