Auf reges Interesse stieß die Möglichkeit, die im Vorjahr aufwändig sanierte Sankt-Andreas-Kirche im Rahmen des "Tags des offenen Denkmals" zu besichtigen. Da der Aktionstag diesmal den Naturbaustoff Holz zum Thema hatte, lag das Hauptaugenmerk bei den Führungen auf der im Zuge der Maßnahmen wiederentdeckten und freigelegten fast vier Jahrhunderte alten Bohlenbalkendecke im Innenraum.

Er habe sich entschlossen, das alte Gehölz freizulegen, um "den mittelalterlichen Charakter einer der ältesten Landkirchen im Bamberger Erzbistum zu verstärken", berichtete Architekt Georg Schilling aus Hollfeld den Teilnehmern der beiden Führungen am Sonntagnachmittag.
Bei der Deckenkonstruktion handle es sich um eine "große Besonderheit". Er kenne keine zweite Kirche in der Region, die noch eine so gut und nahezu vollständig erhaltene Decke aus dieser Zeit aufzuweisen hat: Da das Fichtenholz von unten mit Putz "verpackt" und von oben belüftet war, sei es nun "hart wie Eisen"; lediglich zwei Bohlen seien vor etwa 50 Jahren ersetzt worden und stammen nicht aus dem Jahr 1646, als die Weidener das zuvor größtenteils zerstörte Gotteshaus zum Ende des Dreißigjährigen Krieges neu aufgebaut haben.

Dies habe eine wissenschaftliche Untersuchung der Bohlenbalkendecke ergeben, führt Schilling aus. Dabei wurde zweifelsfrei geklärt, dass sie gemeinsam mit den Dachbalken die ältesten hölzernen Bauteile der Kirche darstellt. Entdeckt wurde die Konstruktion beim Öffnen des Putzes an der Langhausdecke, weil ursprünglich geplant war, den "Sargdeckel" oberhalb der Orgel zu entfernen. Diese lang gezogene Nische war Mitte des 19. Jahrhunderts eingearbeitet worden, damit das Instrument auf der Empore aufgestellt werden konnte.
Während die Kirchenverwaltung übereinkam, am "Sargdeckel" als Eigenart und besonderem Baudenkmal festzuhalten, ließ sie die 70 Quadratmeter große Decke freilegen und in Steinoptik streichen. Damit wurde verwirklicht, was bei der bislang letzten größeren Sanierung im Jahr 1983 nicht umgesetzt wurde: Schon damals kam die historische Decke zum Vorschein, geriet aber in Vergessenheit, da der zuständige Referent vom Landesamt für Denkmalpflege auf eine weiße Putzdecke bestand.

Wieso wurde das Holz bemalt?


Um das Erscheinungsbild der Decke drehte sich auch die Frage eines Führungsteilnehmers: Er wollte wissen, warum die Balken gar nicht nach Holz aussehen, sondern bemalt wurden. Zum einen hätte die dunkle Farbe die Decke "schwerer wirken lassen", antwortete Architekt Schilling. Hauptgrund sei aber die gewollte Annäherung an den Ursprungszustand gewesen. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Balken auch im Jahre 1646 mit einer Mischung als Kalkfarbe und Kohlepartikeln getüncht gewesen waren, weshalb diese Farbe nach der Freilegung aufgefrischt wurde.

Während des Rundganges konnten die Besucher weitere Sehenswürdigkeiten aus dem Naturbaustoff entdecken: Den aus dem Jahre 1740 stammenden Hochaltar mit dem Bild des Kirchenpatrons, das von vier Heiligenfiguren (Johannes der Täufer, Bonifatius, Urbanus, Sebastian) flankiert wird, etwa. Oder die sanierte Orgel und den an der Empore angebrachten erneuerten Kreuzweg, beides Maßnahmen aus dem letzten Abschnitt der Komplettsanierung.

Zwar nicht aus Holz, aber trotzdem historisch wertvoll ist das ebenfalls freigelegte Kreuzgewölbe im Altarraum. Die Sandsteinbögen gehören Georg Schilling zufolge zu den wenigen Bauteilen, die noch von der ursprünglichen Kirche erhalten sind. Nach heutigen Erkenntnissen gehe er davon aus, dass dieser Sakralbau im zwölften Jahrhundert errichtet wurde. Allerdings gebe es auch Stimmen, die von einer noch früheren Entstehungszeit sprechen. Demnach wurde die erste Weidener Dorfkirche zur gleichen Zeit erbaut wie eines der berühmtesten Gotteshäuser der Region: dem Bamberger Dom, dessen 1000-jähriges Bestehen im vergangenen Jahr gefeiert wurde. Diese Auffassung sei wissenschaftlich aber nicht belegbar, erklärte Schilling. Sicher sei aber, dass Dom und Andreaskirche aus dem gleichen Stein bestehen, der aus dem Kleinziegenfelder Steinbruch stammt.