Im 13. Jahrhundert dürfte eine Burg in Strössendorf auf dem Hang über dem Main errichtet worden sein. Ihre mutmaßlichen Erbauer und ihre ersten nachweisbaren Inhaber waren die Marschalk von Kunstadt.

Sie stifteten 1405 die Pfründe für einen Frühmesser, also einen Schlossgeistlichen, der mehrmals in der Woche bei Tagesanbruch eine Messe zelebrierte. Spätestens damals gab es also eine Kirche in Strössendorf, die im Pfarrsprengel von Altenkunstadt lag. 1408 erwarb Heinz von Schaumberg die Burg, die unter seinen Nachkommen aufgeteilt und erst 1549 wieder vereinigt wurde. Allerdings war eine Hälfte des Schlosses von 1644 bis 1690 an Hans Wilhelm von Streitberg verpfändet. Spätestens seit vom Jahr 1574 an katholische Pfarrer in Altenkunstadt wirkten, unterhielten die Schaumberg einen evangelischen Geistlichen in Strössendorf.

Auf katholischer Seite erregte er laufend Anstoß. Bei der Visitation der Diözese Bamberg bemerkte 1611 der Generalvikar Dr. Friedrich Förner, viele Menschen aus dem Raum Burgkunstadt/Altenkunstadt liefen zum "Prädikanten" nach Strössendorf, und dieser gebe die katholischen Geistlichen der Umgebung dem Spott der Gläubigen preis. Gewiss war es kein Zufall, dass ausgerechnet in diesen Jahren die Strössendorfer Kirche vergrößert wurde: Der Schlossherr Achaz Georg Wolf von Schaumberg ließ zwischen 1614 und 1623 das Langhaus durch seitliche Anbauten erweitern, die dann 1866 aufgestockt wurden. Wie in vielen ritterschaftlichen Orten Frankens vertrieb der Bamberger Fürstbischof 1629 den evangelischen Geistlichen: Am 22. April dieses Jahres trafen zwei bischöfliche Hofräte, begleitet von bewaffneten Bürgern, in Strössendorf ein und verwiesen den evangelischen Pfarrer Peter Ziegler des Hochstifts Bamberg. Der heftige Protest der Schlossherrschaft bewirkte nichts. Sie konnte auch nicht verhindern, dass während des Dreißigjährigen Kriegs die Weismainer in einem regelrechten Kriegszug die Kirchenglocken und die Turmuhr der Strössendorfer Kirche erbeuteten. Die große Strössendorfer Glocke von 1602 hängt bis heute im Weismainer Kirchturm.

Eine Übereinkunft

Der Westfälische Frieden, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, fror die konfessionellen Verhältnisse auf dem Stand vom 1. Januar 1624 ein. Da damals in Strössendorf ein evangelischer Geistlicher gewirkt hatte, konnte der Schlossherr wieder einen solchen einsetzen. Allerdings waren die Kompetenzen dieses Geistlichen von denen des Altenkunstadter Pfarrers abzugrenzen. Der Bamberger Fürstbischof und der Strössendorfer Schlossherr kamen 1650 überein, dass der Strössendorfer Geistliche pfarrliche Aufgaben nur für die im Schlossbezirk lebenden Personen haben solle.

Für das übrige Dorf war, unabhängig von der Konfession des einzelnen Gläubigen, der katholische Pfarrer von Altenkunstadt zuständig. Für die evangelischen Strössendorfer bedeutete das: Sie mussten ihre Kinder vom katholischen Geistlichen taufen, sich von ihm trauen und ihre Toten von ihm beisetzen lassen. Wehe, wenn der Strössendorfer Pfarrer dagegen verstieß, wie im November 1651 der neu berufene Wolfgang Pfaffreuter: Als er ein Ehepaar trauen wollte, kamen Bewaffnete und führten die Hochzeitsgesellschaft zur Trauung nach Altenkunstadt. Einer derartigen Einschränkung des Strössendorfer Pfarrers stand eine von Bamberg tolerierte seelsorgerliche Wirksamkeit gegenüber: Er durfte nicht nur die Einwohner von Strössendorf betreuen, sondern auch die adligen Hintersassen in Weidnitz, Neuses am Main und Horb am Main. An den konfessionellen Rechtsverhältnissen änderte sich nichts, als im frühen 18. Jahrhundert ein Strössendorfer Schaumberg zum katholischen Glauben konvertierte.

Gemäß den Bestimmungen des Westfälischen Friedens diente die bestehende Kirche weiterhin als evangelisches Gotteshaus. So richtete sich der katholische Schlossherr mit großem Aufwand eine Schlosskirche in einem spätmittelalterlichen Wehrturm ein. Die Decke dieses Kirchenraums ist mit einer gekonnten Illusionsmalerei aus dem Jahr 1742 geschmückt. Wenig später entstand der neue Turm der evangelischen Kirche. Er wurde zwischen 1744 und 1752 unter dem katholischen Patronatsherrn Heinrich Carl von Schaumberg neu errichtet. Im Inneren der evangelischen Kirche sind gewiss - neben dem Taufengel von 1696 - die Grabmäler des 17. und frühen 18. Jahrhunderts die wichtigste Sehenswürdigkeit.

Das Epitaph für Hans Wilhelm von Schaumberg, dem von 1644 an eine Hälfte des Schlosses Strössendorf verpfändet war und der 1690 hier starb, ist ein Werk des bedeutenden Bayreuther Bildhauers Elias Räntz. Der gebürtige Regensburger war in Dresden und Rom geschult worden. Ihm werden auch zwei weitere Grabmäler in der Strössendorfer Kirche zugeschrieben.