Wenn die Sonne scheint, wird es eng. Dann reicht die Kapazität kaum noch aus: Im Leitungsnetz der Stromfirmen herrschen neue Vorzeichen. "Ging es früher darum, den Strom in die Dörfer zu bringen, müssen wir heute sehen, wie wir den Strom aus den Dörfern wegbringen", sagt Bauleiter Michael Woida. Er arbeitet für die Elektro- und Leitungsbaugesellschaft in Scheßlitz, die eine rund acht Kilometer lange Erdleitung zwischen dem Ebensfelder Umspannwerk und dem alten Holzwerk in Zapfendorf verlegt. Im Raum Ebensfeld/Zapfendorf gibt es immer mehr Photovoltaikanlagen, die Strom produzieren. Bei gutem Wetter kann das dazu führen, dass das bestehende Leitungsnetz überlastet wird. "Wir können nun eine höhere Spannungsstabilität garantieren", sagt Andreas Lattermann, Projektleiter bei Eon.
Mit dieser 20 000-Volt-Mittelspannungsverbindung verstärkt die Eon ihr Leitungsnetz. Die Kosten bewegen sich bei rund 450 000 Euro.
Von dem etwa sechs Zentimeter starkem Kabel wird man nichts mehr sehen, wenn die Arbeiten in etwa 14 Tagen abgeschlossen sind. Mit einem Leitungspflug wird die schwarze Leitung etwa einen Meter tief im Erdreich versenkt. "Wenn es ideal läuft, schafft die Maschine bis zu 1500 Meter am Tag", sagt Woida.
Doch so einfach war die Arbeit bisher nicht: Zweimal musste der Main unterquert werden. Dabei arbeitet sich ein Bohrkopf auf einer Stange unter dem Fluss durch, unterstützt von einem Wasserstrahl mit 70 bar Druck. Beim Zurückziehen weitet ein Räumer die Öffnung auf und zieht ein Schutzrohr ein. Darin läuft dann die Stromleitung. Zwischen Unterbrunn und Ebensfeld habe man den Pflug nicht einsetzen können, da dort eine Druckleitung zur Kläranlage liegt, die nicht beschädigt werden durfte, sagt Woida.
Da an vielen Stellen Grenzsteine fehlen, wird der Verlauf der Leitung über Satellit eingemessen. Doch der weiß nicht alles. Auch wenn die Leitung später nicht zu sehen ist: In Vogelschutzgebieten kam es vor, dass die Bauarbeiter die Straßenseite wechseln mussten, weil die Natur nicht gestört werden darf.