Kommt ein Corona-Patient in die Hausarztpraxis. Was klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes, ist für die ambulante ärztliche Versorgung in Zeiten der Corona-Pandemie ein erhebliches Problem. So war es in Ebensfeld vor Kurzem plötzlich vorbei mit der eigentlich guten Versorgung, was Hausärzte betrifft: Drei Praxen waren aufgrund von Corona-Fällen geschlossen. Um die Hausärzte zu entlasten, wurde nun eine Schwerpunktpraxis für Corona-Erkrankte und -Verdachtsfälle eingerichtet.

Mit an der Umsetzung dieser Praxis beteiligt war Versorgungsarzt Dr. Jürgen Murmann. Die Rolle des Versorgungsarztes war im Notfallplan Corona-Pandemie der bayerischen Regierung Ende März verpflichtend für alle Landkreise und kreisfreien Städte eingeführt worden. Er hat die Aufgabe, die ausreichende Versorgung mit ärztlichen Leistungen und Schutzausrüstung im Kreis zu koordinieren. Voraussetzungen sind langjährige Erfahrung und eine Facharztweiterbildung. "Ich bin gefragt worden, ob ich mir das vorstellen könnte", sagt der Bad Staffelsteiner Orthopäde, der in der Schwerpunktpraxis einen wichtigen Schritt zu einer reibungsloseren Versorgung von Corona-Patienten sieht - und eine Maßnahme, um Quarantänesituationen wie in Ebensfeld zu vermeiden.

"Einige Praxen waren für Infektfälle nicht ausgestattet. Manchmal wurden Verdachtsfälle auch zum Gesundheitsamt geschickt, die aber ganz andere Aufgaben haben." Durch die Schwerpunktpraxis gebe es nun eine Anlaufstelle. Zudem könne auch das seit Wochen knappe Schutzmaterial gezielter dort eingesetzt werden, wo es in großen Mengen gebraucht wird. "Würden wir das jetzt auf alle Hausärzte verteilen, würden überall ungenutzte Restbestände übrigbleiben."

Für die Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) ist die Schutzausrüstung weiterhin der große Problempunkt in den bayerischen Arztpraxen: "Da ist bisher deutlich zu wenig angekommen", sagt Dr. Axel Heise, stellvertretender Pressesprecher der KVB. 500 000 Schutzmasken pro Monat hatte die Vereinigung als Bedarf veranschlagt. Hinzu kommen Kittel, Schutzbrillen und die besonders gut filternden FFP2- oder FFP3-Schutzmasken. Aufgrund der Knappheit sei es umso wichtiger, dass Menschen mit Corona-Symptomen nicht persönlich die Praxis ihres Hausarztes aufsuchen, um sich zur Schwerpunktpraxis überweisen zu lassen.

"Damit ist keine Überweisung im kassenärztlichen Sinn gemeint", sagt Jürgen Murmann. "Im optimalen Fall ruft man seinen Hausarzt an - zur Not auch den Bereitschaftsdienst unter der 116 117 - und beschreibt die Symptome." Bei Corona-Verdacht meldet dieser den Patienten bei der Schwerpunktpraxis, wo dann ein Termin vereinbart werden kann. "Die namentliche Erfassung ist wichtig, damit auch nur diese Menschen in die Praxis kommen", sagt Murmann. Wäre sie für jedermann zugänglich, "dann hätten wir nicht erreicht, was wir wollten." Zudem könne so das Testergebnis über den Hausarzt wieder zum Patienten gelangen.

Unsichtbares Risiko

Stichwort Hausarzt: Dort habe sich der Arbeitsalltag seit Ausbruch des Corona-Virus gewaltig geändert, so Murmann über die Allgemeinmediziner im Landkreis. In den Wartebereichen müssen die üblichen Abstandsregeln eingehalten werden. "Da muss jeder seine Lösung finden, je nach den infrastrukturellen Voraussetzungen." Zudem werde versucht, möglichst viel telefonisch zu erledigen. Eine Einladung zum Telefonterror durch Hypochonder? "Das war bisher überhaupt kein Thema", sagt Murmann.

Wenn sich der Besuch eines Patienten in der Praxis dennoch nicht vermeiden lässt, dann bedeute das auch immer die Gefahr einer bisher unentdeckten Corona-Erkrankung: "Das Schwierige ist eben, dass dieses Virus schon hochansteckend ist, wenn noch keine Symptome da sind. Dieses Risiko werden wir nicht ausmerzen."

Trotzdem warnt die KVB davor, aus Angst vor Corona andere Krankheiten auf die leichte Schulter zu nehmen: "Vorher anzurufen ist ratsam, aber die Infektionsrate hält sich insgesamt ja noch in Grenzen. Man sollte daher nichts zurückhalten, zum Beispiel wenn man Schmerzen hat. Das ist extrem gefährlich. Da hilft nur der Gang zum Arzt", sagt Axel Heise.

Rettungsschirm für Ärzte

Für die Ärzte hat die Corona-Krise, wie für so viele Selbstständige, eine wirtschaftliche Seite: "Wenn die Situation lange dauert, wird es für viele zu einem wirtschaftlichen Problem", sagt Heise. "Die Kosten laufen ja weiter: Mitarbeiter, Miete, Softwarewartungen - das ist schwierig." Ende März hatte die Bundesregierung daher mit dem Krankenhausentlastungsgesetz eine Art Rettungsschirm auf den Weg gebracht, der unter anderem die niedergelassenen Ärzte entlasten soll: Sie können zum Schutz vor einer zu hohen Umsatzminderung durch die Corona-Pandemie Ausgleichszahlungen von den Krankenkassen bekommen.