von Iris Birger

Steffen Biskupski, Mitgestalter der Projektgruppe Mobilität der "Vision 2030" (Strategieentwicklungsprozess der Stadt Lichtenfels) und Gründer der Arbeitsgruppe "Carsharing", hat sich bereits intensiv mit dem Thema Mobilität in Lichtenfels beschäftigt: "Unser Auto haben wir kürzlich verkauft und uns für ein Lastenfahrrad und den öffentlichen Nahverkehr entschieden. Für die wenigen Tage im Jahr, an denen wir wirklich auf ein Auto ausweichen müssten, könnte man sich doch ein Fahrzeug teilen." Von dieser Idee ist Familie Biskupski überzeugt. Dafür verteilte sie in den vergangenen Wochen Werbung im Stadtgebiet.

Daraufhin meldeten sich einige Interessenten bei der Familie. Man machte sich sogleich gemeinsam an eine Carsharing-Umsetzung für Lichtenfels. Die Mitglieder der Initiative umfasst nun mittlerweile zwölf Einzelpersonen und Familien.

In einer ersten Umfrage unter den Interessenten ermittelte der private Arbeitskreis, welcher Bedarf hinsichtlich Mobilität besteht. Wie oft, an welchen Wochentagen, zu welcher Uhrzeit benötigt man ein Auto mit wie vielen Sitzen? Die Antworten zeigten auf, dass nicht jeder Haushalt ein eigenes Auto rund um die Uhr zur Verfügung benötigt. Die Arbeitsgruppe forschte daraufhin weiter und informierte sich in den benachbarten Landkreisen nach unterschiedlichen Beispielen für eine Realisation.

Kreative Umsetzung

Dabei zeigte sich, dass es an kreativen Umsetzungsformen nicht mangelt. Lichtenfelser Nachbarn werben bereits mit Carsharing als preisgünstiger und umweltfreundlicher Alternative im Vergleich zum wenig genutzten Privatwagen. "Für alle, denen ein Auto zu viel und kein Auto zu wenig ist." So lautet das Motto von "Meiaudo" in Bamberg und Bayreuth. Dieser Anbieter formierte sich bereits Anfang der 90er Jahre als Verein und umfasst mittlerweile 700 Mitglieder, die sich stunden-, tage- oder wochenweise regelmäßig im Stadtgebiet mehrere Autos teilen.

Das Team um Steffen Biskupski stellt fest: Größere Kommunen zeigen den Vorteil, dass dort mehr Interessenten einsteigen. Kleinere Kommunen wie Lichtenfels hingegen werden auf die Unterstützung der Stadt als Kooperationspartner angewiesen sein, um eine Grundauslastung der Fahrzeuge zu garantieren.

Der Mitstreiter Winfried Tiedge sagt hierzu: "In München habe ich früher ohne Auto gelebt und mir für Urlaubsreisen ein Fahrzeug von der Autovermietung genommen. Wir hoffen nun, dass die Stadt in Fahrt kommt und mit einsteigt, indem sie beispielsweise ihre bestehende Fahrzeugflotte zum Verleih zur Verfügung stellt. Als Mitglied der Arbeitsgruppe Mobilität der ,Vision 2030' wünsche ich mir, dass Carsharing in naher Zukunft Wirklichkeit wird und es nicht bei einer Vision bis 2030 bleibt."

Die Fahrzeugflotte

Bei der Umsetzung eines Carsharing-Angebots von der Stadt für die Bürger stellt sich laut Arbeitsgruppe nun die Aufgabe, mit einer kostenoptimierten Fahrzeugflotte auch den verschiedenen Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden. Die Nutzungsbeispiele reichen von kurzen Stadtfahrten oder Transportwegen hin zu größeren Strecken wie zum Beispiel Kurztrips oder Urlaubsreisen.

Auch Ruth und Klaus Bock sind Teil der Lichtenfelser Carsharing-Initiative. "Wenn man älter ist und sich die Termine aus Familie und Beruf nicht mehr so hoch stapeln, dann kann man bewusster mit dem Auto umgehen. Wir wollen die kurzen Wege in Lichtenfels nutzen, also möglichst viel zu Fuß oder mit dem Rad einkaufen. So tun wir gleichzeitig etwas für unsere Gesundheit", erklärt Ruth Bock. Zugegeben, manchmal wird mehr Planung nötig sein, wenn wir ein Carsharing-Auto benutzen, aber das muss uns der Klimaschutz schon wert sein", meint Klaus Bock

Das gemeinsame Ziel der Initiative liegt nun klar vor ihnen, nämlich möglichst schnell eine effiziente und zufriedenstellende Kooperation zu finden. Im Zuge dessen fand kürzlich ein erster Austausch mit Vertretern aus dem Stadtrat und der Stadtverwaltung, die ebenfalls an der Projektgruppe Mobilität der "Vision 2030" mitarbeiten, statt. Steffen Biskupski fasst zusammen: "Unser Wunschpartner in Sachen Carsharing ist die Stadt Lichtenfels. Wirklich gut wäre es, wenn die Stadt - ganz im Sinne der ,Vision 2030' - gemeinsam mit uns Bürgern eine Chance sieht, Mobilität im Landkreis Lichtenfels zu verändern. Wir sind mit unserer Vorarbeit bei lokalen Politikern bereits auf großes Interesse gestoßen. Das freut uns natürlich. Aber es muss jetzt passieren. Das Pariser Klimaabkommen jährt sich gerade zum fünften Mal. Es wird endlich Zeit, dass sich Strukturen nachhaltig ändern."

Kontakt

Wer Interesse an Carsharing hat, schreibt eine E-Mail an carsharing.lichtenfels@posteo.de und erhält so weitere Informationen von Steffen Biskupski.