"Frage nicht, was die Allgemeinheit für dich tun kann, sondern frage, was du für die Allgemeinheit tun kannst": Dieser berühmte Auszug der Präsidenten-Antrittsrede von John F. Kennedy prägte laut eigener Aussage das Leben von Winfried Weinbeer (FW). Der Dritte Bürgermeister der Stadt Lichtenfels ist heute Mitglied und Förderer von rund 70 Vereinen der Stadt und des Landkreises Lichtenfels.

"Ich habe immer versucht etwas mehr als die Pflicht zu tun und mich mein ganzes Leben vielseitig engagiert", sagt er. Auch heute ist der ehemalige Geschäftsführer der Polstermöbelfabrik Krauss und Weinbeer noch sieben Tage die Woche für Ehrenämter im Einsatz. Für sein unermüdliches Engagement wurde der 79-Jährige im Jahr 2000 sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Freizeit als Fremdwort

Freizeit ist auch für Helmut Fischer (CSU) ein Fremdwort. Neben seinem Bürgermeisteramt in Michelau ist er unter anderem noch Stellvertreter des Landrates und Vorsitzender des Deutschen Korbmuseums. Als Ausgleich dient dem vierfachen Großvater die Familie. Fischer fügt jedoch hinzu: "Aber nur wenn ich mal zufällig zuhause bin. Ich würde keine Pflicht aufgrund der Familie hinten anstellen." Selbst wenn der Bürgermeister offiziell mal einen freien Tag hat, macht er für einige Stunden "Arbeitsurlaub" im Rathausbüro.

Neben den anstrengenden Pflichtaufgaben gibt es für Helmut Fischer aber auch eine große sportliche Leidenschaft. Um "etwas für den eigenen Körper zu tun", spiele er seit 40 Jahren aktiv Tennis beim TC Michelau.

Marathon-Mann Hügerich

Auch Andreas Hügerich (SPD), Bürgermeister der Stadt Lichtenfels, sucht im Sport sein Komplementärprogramm zur Politik. Seit vielen Jahren betreibt Hügerich Laufsport. Auch in seiner stressigen Position als Bürgermeister versucht er wöchentlich drei- bis viermal Zeit fürs Laufen zu finden. "Ich gebe jeden Tag alles für die Stadt und mit dem Laufen kann ich meinen Akku wieder aufladen", sagt er. Und das nicht ohne Erfolg. Den letztjährigen Berlin-Marathon lief Andreas Hügerich in guten drei Stunden und 15 Minuten.

Neben seinen sportlichen Aktivitäten versuche er möglichst viel Zeit mit der Freundin und der Familie zu verbringen: "Auch im Amt als Bürgermeister möchte ich weiterhin Mensch sein dürfen."

Hügerich sagt, er sei zwar in unzähligen Vereinen Mitglied, habe aber aus zeitlichen Gründen gar keine Möglichkeit als Mitglied aktive Vereinsarbeit zu betreiben. Eine Ausnahme stelle hier das Zentrum Europäischer Flechtkultur (ZEF) dar. Als Vorsitzender bringt sich Hügerich hier unter anderem in die Entwicklung des Zukunftskonzepts und in die Organisation des Korbmarktes ein.

Für Winfried Weinbeer war es schon früh ein inneres Bedürfnis, sich für das Allgemeinwohl einzusetzen: "Ich war immer bereit, meine komplette Freizeit den Menschen und Vereinen vielseitig zur Verfügung zu stellen." Möglich sei dies aber für ihn freilich nur durch die geduldige Unterstützung seiner Ehefrau und der beiden Töchter gewesen.

Mitglied in 35 Sportvereinen

Jeden Sonntag findet Weinbeer im Gottesdienst einen gewissen Ruhepol - danach gehe es aber auch am Sonntag weiter mit einem vollgepackten Terminkalender. Als "großer Verehrer von Vierzehnheiligen" unterstützt Weinbeer die Franziskaner seit Jahrzehnten mit großer Begeisterung.

Allein in 35 Sportvereinen im Landkreis ist Winfried Weinbeer Mitglied - darunter auch in allen zehn Fußballvereinen in Lichtenfels. Sport sei vor allem wichtig für die Geselligkeit: "Sport verbindet und schafft menschliche Brücken", sagt der Bayern-Fan. Seine sportliche Begeisterung habe ihm sein Vater Artur mitgegeben. Doch nicht immer war der Sohn von dessen Ideen vollauf begeistert. In den 1970er Jahren sollte Winfried Weinbeer den Vorsitz seines Vaters in der Turnerschaft Lichtenfels übernehmen. "Ich wollte eigentlich nicht, aber wenn der Vater früher was gesagt hat, wurde das auch gemacht", berichtet er. Im Nachgang freundete sich Weinbeer aber schnell mit dem Amt an und hatte für insgesamt 34 Jahre den Vorsitz der Turnerschaft inne. Mit seinen 79 Jahren treibt Weinbeer auch heute noch regelmäßig Sport. Neben Wandern und Nordic Walking besucht Weinbeer dreimal in der Woche für rund 90 Minuten ein Lichtenfelser Sportstudio - und das trotz zweier künstlicher Hüftgelenke, die ihn aber nach eigener Aussage überhaupt nicht beeinträchtigen.

Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. "Man kann körperlich und geistig nur fit bleiben, wenn man sich täglich bewegt", sagt er. Darüber hinaus achtet der selbsternannte größte Nikotin-Bekämpfer auf eine vernünftige Ernährung und trinkt Alkohol in bescheidenen Mengen. "Ein Glas Wein ist aber auch mal erlaubt", resümiert Winfried Weinbeer lachend.