Dunkle Kellerwinkel, eine enge Gasse bei Nacht oder ein Waldstück, in dem den Sagen nach so mancher Geist gesehen wurde: Normalerweise vermeiden es Kinder, aber auch Erwachsene, solche Orte ein zweites Mal zu besuchen. Fritz Fenzl dagegen wird von ihnen wie magisch angezogen.

Seit seiner Kindheit ist er vom Sinnlichen und möglicherweise Übersinnlichen fasziniert. Anders aber als etwa viele Lost-Place-Fans, die verlassene Orte wegen des meist dort geschehenen Unrechts aufsuchen, sucht er "Orte, die das Leben fördern". Seine Beobachtungen und Erfahrungen hat er nun in seinem Werk "Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern"* gesammelt.

Dies können schaurige Plätze mit rätselhaften Vorkommnissen und sagenhaften Legenden, aber auch Orte realer Verbrechen oder Stätten voll mystischer Kraft sein. Und mitten darin: der Staffelberg und die Festung Rosenberg in Kronach. Was haben die Menschen und die Querkela gemeinsam? Die "Querkela", die kleinen Zwerge auf dem Staffelberg, haben es dem Autor dabei besonders angetan. Wie in vielen lokalen Sagen beschrieben, wohnen diese Helferwichtel in Höhlen rund um den Staffelberg und werkeln emsig tagein und tagaus. Doch wehe man sie beleidigt! So sollen sie einer Bäuerin die Klöße aus ihrem Topf geklaut haben. Die Frau zählte daraufhin nach - und die nächtlichen Nahrungsdiebe wanderten empört aus. Ortskundige erinnern sich beim Lesen des Buches wahrscheinlich an so manches seltsame Erdloch, Fremde werden neugierig angezogen. Mit detaillierten Ortsangaben und historischem Wissen zum "magischen" Berg versehen, spannt Fritz Fenzl die Brücke zwischen Fiktion und Realität.

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"Grausamer" Dialekt

Dabei verliert er niemals den Bezug zur Gegenwart: "Wahrscheinlich sind die wuseligen Erdmännchen Verdichtungen der bis heute erkennbaren fränkischen Emsigkeit, dem fränkischen Fleiß - und auch der verschmitzten Hinterkunft", schreibt er. Er weiß, wovon er spricht, denn diese hat er im Rahmen seiner Recherchereisen am Obermain kennenlernen dürfen: "Die Franken sind sehr angenehme Menschen, nett und fleißig. Sie haben einen tollen Humor und legen sehr viel Wert auf ihre Kultur. Sie sind direkt, manchmal auch hart, aber herzlich." Nur den Dialekt betitelt er auch heute noch als "grausam".

Dabei habe er die Gegend rund um das "bannende Dreieck mit Banz, Bad Staffelstein und Vierzehnheiligen" nicht völlig neu kennengelernt: Zusammen mit einigen Doktoranden war er bereits vor vielen Jahren zu Besuch in der Gegend, ebenso durch seine Teilnahme an verschiedenen Seminaren der Hanns-Seidel-Stiftung auf Kloster Banz.

Denn Fritz Fenzl ist vielseitig interessiert: 1952 in München geboren, hat er dort Germanistik, katholische Theologie und Bildhauerei studiert und schließlich über den Schriftsteller Ludwig Thoma promoviert. Neun Jahre amtierte er als Chef des Münchener Literaturarchivs, unzählige Jahre unterrichtete er an einem städtischen Gymnasium in der Landeshauptstadt. Heute, in Pension, widmet er sich seinen Büchern, von denen es bislang über 60 gibt: meist Regionalgeschichte und dem Thema "Wunder" auf die Spur kommend.

"Da hätte ich tanzen können"

So ja auch am Staffelberg: "Da hätte ich tanzen können", erzählt er heute. "Man merkt: Die Sage zu den Querkela musste genau da entstehen und man wird selber umtriebig. Man muss gleich etwas Positives machen an diesem Ort." Übrigens: Auf die Sage habe ihn einst eine Servicekraft in einem Gasthaus aufmerksam gemacht. Ein Zufall also, der Fritz Fenzl auch kulinarisch etwas bescherte: In Franken habe er die besten Bratwürste seines Lebens gegessen. Nur, als er zu Beginn nach einer Portion Senf gefragt hat, habe ihn der Wirt etwas verwirrt angesehen: Heute weiß er: Für das fränkische Leibgericht braucht man keine weiteren Zutaten!

In Kronach wird es dies sicher nicht wieder tun: Die Festung Rosenberg, die ebenfalls in seinem Buch auftaucht, erzählt von Macht, Herrschaft und Geistern. "Ich bin sicher: Jede Burg hat eine Kraft, jede sinnvoll gebaute Maßnahme schon in der Vorzeit und im Mittelalter musste ein Überlebensplatz sein. Dass uns heute etwas unerklärlich, mystisch oder unheimlich erscheint, liegt daran, dass wir eine andere Welt sehen. Bei genauem Hinsehen ist es aber erklärlich."

Großes Echo auf "Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern"

Das Echo auf "Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern"* mit beeindruckenden Fotografien von Raphael Lichius sei jetzt schon groß: "Vielleicht bin ich da ja einer der wenigen Corona-Gewinner?", überlegt der Autor hinsichtlich des aktuellen Trends in der Bevölkerung zu mehr Unternehmungen im eigenen Land und in freier Natur - wo man Sicherheitsregeln leichter einhalten könne. Mit den schriftlichen Tipps und den kulturhistorischen Führungen zu verschiedenen Themen des Münchners seien Jung und Alt gut gerüstet. Fritz Fenzls Publikum sei ein Stammpublikum, habe sich aber in den letzten Jahren verjüngt. Es sind Leute, "die die Welt hinter der Welt sehen wollen", weiß der Münchner, der den starken Kontakt und Austausch mit seinen Lesern braucht und genießt. Mit Wanderwegen, Einkehrmöglichkeiten und Ausrüstungstipps ist dieses 120-seitige Buch auch etwas für Einheimische, die ihre eigene Heimat neu erkunden möchten.

Oder könnten Sie Ihren Kindern erklären, was es mit dem "Fisch im Berg", dem Staffelberg, auf sich hat? Hingehen, anschauen, staunen, gruseln, zur Besinnung kommen. In dieser Reihenfolge rät uns Fritz Fenzl die unheimlichen Orte unserer Region neu zu betrachten und bewerten. Auf geht's!

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