Es war ein dunkler Herbstmorgen im Oktober, als kurz nach Beginn des neuen Schuljahres an einem Zebrastreifen in der Angerstraße in Bad Staffelstein beinahe ein Kind von einem Auto überfahren wurde. Das war die Initialzündung für den zusätzlichen Einsatz ehrenamtlicher erwachsener Schulweghelfer. Den Anstoß hierfür gaben Svenja Seidel und Nadine Wachenfeld, die zusammen mit Vertretern der Verkehrswacht bei einem Treffen am Mittwochabend im "Schusterhäusla" in einer Rückschau auf acht Monate zurückblickten, in denen die Schulweghelfer schon viel bewirken konnten.
Auf irgendwelche Schutzengel von oben sollte man sich nicht verlassen. Dieser Ansicht waren, spätestens nach dem genannten "Beinahe-Unfall" im Oktober, Svenja Seidel und Nadine Wachenfeld, die daraufhin eine Initiative gründeten, um zusammen mit der Verkehrswacht Bad Staffelstein zu überlegen, wie sie den Schulweg der Kinder sicherer machen könnten.

An drei Zebrastreifen im Einsatz


Etliche Erwachsene - derzeit sind es zehn - erklärten daraufhin ihre Bereitschaft, sich in den Schulweghelfer-Dienstplan einbinden zu lassen. An drei Zebrastreifen in der Angerstraße und in der Goethestraße stehen seitdem Eltern mit gelben Signaljacken am Straßenrand, um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen.
Svenja Seidel und Nadine Wachenfeld, die stellvertretend für die erwachsenen Schulweghelfer ins "Schusterhäusla" gekommen waren, um ein erstes Resümee zu ziehen, nehmen sich gerne am Morgen ein halbes Stündchen Zeit: "Ich muss wegen der Arbeit ja eh aufstehen - und wir tun es ja für die Kinder", so brachte Svenja Seidel die Einsätze auf den Punkt.
"Seitdem die Schulweghelfer in der Angerstraße und in der Goethestraße stehen, wird auch langsamer gefahren", sagte Walter Mackert, der Vorsitzende der Staffelsteiner Verkehrswacht. "Toll, was ihr auf die Beine gestellt habt", lobte er das Engagement der Schulweghelfer.
Die Schulweghelfer seien über die Stadt Bad Staffelstein und die Verkehrswacht vollumfänglich versichert, erklärte Walter Mackert.
Der Einsatz scheint Wirkung zu zeigen: "Das Verhalten der Autofahrer an den Fußgängerüberwegen hat sich schon mittlerweile zum Positiven geändert, die Kinder werden einfach eher wahrgenommen, wenn der Autofahrer einen Schulweghelfer sieht", berichtete Nadine Wachenfeld von ihren bisherigen Erfahrungen.

Alle sollten Vorbilder sein


Sie unterstrich aber auch die Vorbildfunktion der übrigen Verkehrsteilnehmer und betonte, wie wichtig es sei, dass alle direkt am Zebrastreifen die Straße überqueren und nicht fünf Meter vor- oder nachher, was leider immer noch vorkomme. Nadine Wachenfeld fand aber auch lobende Worte für die älteren Realschüler in Bad Staffelstein, die dieser Vorbildfunktion mittlerweile ausgezeichnet gerecht würden.
Den Schulweghelfern Respekt zollte bei dem Treffen auch der der 79-jährige Staffelsteiner Oskar Wolf. Er wurde von der Verkehrswacht für 60 Jahre unfallfreies und verkehrssicheres Fahren ausgezeichnet.
Am 17. Juni 1951 machte der 1933 in Stetten Geborene und seit 55 Jahren in der Adam-Riese-Stadt lebende Mann seinen Führerschein. Der gelernte Huf- und Wagenschmied war nicht nur gelegentlich mit dem Auto unterwegs. Als langjähriger Mitarbeiter der Firma Kaiser-Porzellan sowie anderer Unternehmen sei er im Laufe seines Lebens "schätzungsweise zwei bis drei Millionen Kilometer" gefahren, sagte Wolf.
Bescheiden nahm Oskar Wolf die Ehrung aus den Händen von Walter Mackert entgegen. "60 Jahre unfallfreies Fahren, das ist eine bemerkenswerte Leistung, die hervorzuheben ist", so der Vorsitzende der Verkehrswacht Bad Staffelstein. Mackert lobte die Umsicht und Weitsicht, die Wolf auszeichnen, aber auch dessen Toleranz gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Wolf habe noch nie einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei gehabt.
Der Geehrte ist mit fast 80 Lenzen "fit wie ein Turnschuh", was von den Vertretern der Verkehrswacht freudig registriert wurde. Sie überreichten ihm zusätzlich zwei Gutscheine für die Obermain-Therme, "damit das auch noch lange so bleibt".

Freude am Autofahren


Der 79-Jährige macht wirklich den Eindruck, als könne er noch weitere zehn Jahre genauso sicher und unfallfrei wie bisher hinter dem Steuer sitzen. Doch Oskar Wolf hängt nicht an seinem Führerschein. Nachdem er die Ehrung angenommen hatte, bemerkte er: "Das Autofahren macht mir immer noch viel Freude, und ich bin weiterhin viel unterwegs. Sollte ich aber auch eine einzige rote Ampel überfahren, würde ich mir sagen: das war's. Dann wäre für mich mit dem Autofahren sofort Schluss, denn ich möchte niemals die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer aufs Spiel setzen."