"Wer einen Spaziergang durch Burgkunstadt macht, begibt sich gleichsam auf eine Zeitreise durch 600 Jahre Kunstgeschichte. Die Stadt hat neben Schicksalsschlägen auch Blütezeiten erlebt, die sich in der Architektur niedergeschlagen haben." Mit dieser Feststellung eröffnete Robert Schäfer aus Hirschaid seinen Vortrag zum Thema "Kunstgeschichte einer Kleinstadt am Obermain". Die Bezirksgruppe Burgkunstadt/Altenkunstadt des Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) setzte mit diesem Trip in die Vergangenheit ihr Winterprogramm fort.

"Wer auf der B 289 von Kulmbach nach Lichtenfels fährt, dem sticht die Silhouette des Burgkunstadter Stadtbilds mit Pfarrkirche, Rathaus und Vogtei als markanten Gebäuden förmlich ins Auge", betonte Schäfer.

Die Anfänge der Stadt reichten zurück in das neunte Jahrhundert: "Die Burganlage, die damals entstand, war neben der Altenburg in Bamberg die wichtigste frühmittelalterliche Festungsanlage im Gebiet des heutigen Oberfranken." In karolingischer Zeit habe sich bereits eine kleine Siedlung entwickelt, die in den folgenden Jahrhunderten rasch wuchs: "Zu verdanken hatte sie das ihrer Lage am Hochweg von Frankfurt nach Eger und ihrer Nähe zum Main, der zu jener Zeit bis nach Kulmbach eine wichtige Wasserstraße bildete."

1349 war Burgkunstadt dem Kunsthistoriker zufolge eine von insgesamt zwölf bischöflichen Städten im Hochstift Bamberg und damit eine Art Mittelzentrum. Großen Schaden habe der 30-Jährige Krieg der Stadt zugefügt. Architektonische Kleinode seien zerstört worden: "Von der mittelalterlichen Kunst blieb kaum etwas erhalten."
In der katholischen Stadtpfarrkirche fänden sich noch zwei sakrale Kunstwerke aus jener Zeit: Ein um 1360 entstandenes Vesperbild sowie die Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und Jesus.

Schäfer bedauerte, dass religiöse Flurdenkmäler, die die Landschaft prägen, kaum Beachtung fänden. Der Kreuzstein am Schindgraben, auch Schwedenstein genannt, gehöre zu den wenigen noch vorhandenen Kunstwerken, die mit einiger Wahrscheinlichkeit ins ausgehende Mittelalter datiert werden könnten.

"Nach dem 30-Jährigen Krieg erlebte der Fachwerkbau in den kleinen Landstädten Oberfrankens und hier vor allem am Obermain eine bis dahin nicht gekannte Blüte", führte Schäfer aus. Auch Burgkunstadt entwickelte sich in jener Zeit zum Fachwerk-Zentrum. "Das 1689/90 errichtete Rathaus, der unbestritten schönste und aufwändigste Fachwerkbau Burgkun stadts, gilt als eines der Hauptwerke der Fachwerk-Baukunst am Obermain."

Der jüdischen Kunst werde viel zu wenig Beachtung geschenkt. In Burgkunstadt seien jüdische Bewohner schon im Mittelalter nachweisbar. Schäfer zeigte Bilder vom jüdischen Friedhof nördlich der Stadt an der Straße nach Ebneth. Der älteste Grabstein stamme aus dem Jahr 1626. Allein zwischen 1844 und 1878 seien 720 Bestattungen gezählt worden. Die letzte Beerdigung fand 1940 statt zwei Jahre vor dem Ende der jüdischen Gemeinde. "Heute sind im jüdischen Friedhof noch über 2000 Grabsteine vorhanden; im ältesten Teil der Anlage aus der Zeit des Barock, Rokoko und des Biedermeier", betonte Schäfer.

CHW-Bezirksgruppenvorsitzende Jutta Löbling wies auf den Vortragsabend am Freitag, 23. Oktober, um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim in Altenkunstadt hin. "Vom Kriegsgefangenen zum Unternehmer - Friedrich Baur, eine Erfolgsgeschichte aus Burgkunstadt" ist das Thema Ralf Georg Czaplas aus Heidelberg.