So kann das ja nichts werden, mit dem Blitz-Marathon. Polizeimeister Dirk Lamm nimmt die Hände von der Laserpistole, verschränkt die Arme vor der Brust und tritt einen Schritt zurück.
Es gilt Tempo 70, hier auf der Staatsstraße von Bad Staffelstein in Richtung Grunfeld. Und gerade schleicht ein kleines weißes Auto über den Asphalt. Der Busfahrer, der mit seinem Bus hinter dem Auto klebt, winkt als er auf Höhe der Polizisten ist und zeigt lachend auf den Aufkleber am Heck des kleinen Autos vor ihm: 25.

"Der nächste aber", sagt Gerald Storath, Hauptkommissar und Polizeichef in Staffelstein. Manchmal lasse er es sich nicht nehmen auch mal selbst vor Ort zu sein. Er blickt auf die Anzeige an der Laserpistole: 65 Stundenkilometer. Fühlen lässt sich Geschwindigkeit eben nicht immer.

Einmal, sagt Storath sei er auch geblitzt worden, daran sei aber die Tochter schuld.
Hat sie ihren Vater doch Sylvester angerufen und gesagt, er solle sie schnell abholen - und da gute Väter ihre Töchter beim Wort nehmen, tat er wie ihm geheißen und am Ende hatte er nicht nur bei seiner Tochter Punkte gutgemacht.

Keiner fährt absichtlich zu schnell
Storath blickt wieder auf die Anzeige am Lasergerät: 57 Stundenkilometer. Das ist ja fast schon zu langsam, sagt er und der Fahrer winkt, als er vorbeituckert. Beim nächsten zeigt das Gerät dann 76 Stundenkilometer. Ziehe man die Toleranz ab, sei das aber immer noch im Rahmen, der Fahrer wird nicht angehalten. "Eine gewisse Kulanz haben wir drin", sagt Storath.

Man sei nicht absichtlich zu schnell gefahren, das Schild wurde nicht gesehen oder man habe es eben eilig gehabt. Eins davon hört Oberkommissar Ralph Hanschkow eigentlich immer, wenn die Leute langsam das Fenster runterkurbeln und er seine Haltekelle wieder baumeln lässt. Oder, wirft da plötzlich Storath ein, oder, die Tochter ruft an und muss geholt werden. Es hat wohl Spuren beim Hauptkommissar hinterlassen.

Die Rechnung mit der Toleranz
"Jetzt aber", sagt Storath, "67", sagt die Anzeige. Die nächsten beiden Autos könnten wieder gemalt werden, so langsam fahren sie. "So wenig wie heute ist eigentlich selten", sagt Storath. Mindestens einmal im Monat schickt er eine Streife mit der Laserpistole los. Zwischen vier und sieben werden in einer Stunde meistens rausgezogen.

Die wirklichen Raser seien aber selten - und dann auch eher Aufgabe der Verkehrspolizei, die in Zivil unterwegs ist. "Der hat gerade abgebremst, der war schneller", sagt Hanschkow als der schwarze SUV näher kommt. Ob die Autos auf der Gegenfahrbahn mit Lichthupe warnen, sieht man nicht, man könne es allenfalls vermuten.
Und dann gibt es da noch die Mumkis - die Mütter mit Kind, sagt Ralph Hanschkow und muss selbst ein wenig grinsen. Egal ob auf dem Weg in die Schule, in den Kindergarten oder zum Fußball, die Zeit ist immer schon mal vorgefahren und die Mütter hetzten hinterher.

In der Bischof-von-Dinkel Straße in Staffelstein gilt Tempo 30. Es war die erste Station beim Blitz-Marathon, morgens um sieben. Gut 60 Autos wurden kontrolliert, eine Mutter wurde mit Tempo 38 erwischt. Das Kind musste in den Kindergarten. Sie haben sie weiterfahren lassen - minus Toleranz und plus Kulanz.
"Ich hätte gedacht, der wäre schneller", sagt Storath als ein LKW mit dann doch nur 65 Stundenkilometer naht. Da dreht sich Lamm um, grinst und sagt: "Der ist nur lauter."

Dann werden sie doch noch fündig
"Wir wollen nicht drangsalieren, wir wollen sensibilisieren". Die Leute daran erinnern, auf den Tacho zu schauen. Darum stehe man auch so offensichtlich mit Polizeiauto und Uniform am Straßenrand, sagt Storath dann blickt er auf die Anzeige und sagt: "jetzt aber". Hanschkow greift zur Kelle und winkt die Fahrerin raus. 85 Stundenkilometer stand auf dem Messgerät, 20 Euro stehen dafür im Bußgeldkatalog. Sie habe es morgens noch im Radio gehört, das mit dem Blitz-Marathon. Dann aber wieder vergessen. "Sie wird langsamer fahren in Zukunft", sagt Hanschkow und steckt die 20 Euro ein. Sicher, man wisse nicht, wie lange der Vorsatz auch wirklich halte. Storath glaubt jedenfalls, es halte lange: Er habe es sich auch gemerkt und sei seit damals, es war wohl 2012, nicht mehr zu schnell gefahren.