Dunkle Wolken thronen am Firmament und ein frischer Wind pfeift um die Ohren. Die Kaltenreuther Hochebene, über die der Heimatforscher Leonhard Tremel 1936 geschrieben hatte, sie sei "den rauhen Nordostwinden zugängig", macht ihrem Namen an diesem kühlen Junitag alle Ehre. Hier, wo oft ein raues Klima herrscht und sich Fuchs und Igel gute Nacht sagen, drehen an schönen Sommertagen Modellflugpiloten aus Nah und Fern mit ihren Modellen waghalsige Manöver, Pirouetten und Loopings. Beim alljährlichen Schauflugtag der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt, der in diesem Jahr am 29. Juni stattfindet, verfolgen Hunderte von Schaulustigen das Geschehen hoch über dem Kaltenreuther Modellflugplatz.


"Holm- und Rippenbruch"

Hier wünscht man sich "Holm- und Rippenbruch", wie man in Modellfliegerkreisen zu einem guten Gelingen sagt, drehen alljährlich Drei-D-Kunstflughubschrauber
ihre Runden, sausen die 80 Stundenkilometer schnellen "Warbirds" durch die Lüfte, werfen Bonbon-Bomber zur Freude der Kinder ihre süße Fracht ab. Die Kaltenreuther Hochebene unweit des Weilers gleichen Namens hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Mekka des Modellflugsports entwickelt.

Doch das war nicht immer so. "In den Anfangstagen des Vereins, der 1951 das Licht der Welt erblickt hatte, wurde hier noch manntragende Fliegerei betrieben", weiß Vorsitzender Werner Hahn. In mühevoller Kleinarbeit hatten die Burgkunstadter Hobbypiloten damals ihr eigenes Segelflugzeug, die SG 38, erbaut. Es wurde am 4. Oktober 1953 auf den Namen "Burgkunstadt" getauft und bestand noch am gleichen Tag seinen Jungfernflug über der einstigen Schuhstadt. Hahn, der sich in die Vereinschronik eingelesen hat, führt finanzielle Gründe für den Eigenbau des Fliegers an, der 1957 von einem Kronacher Flugschüler zu Bruch geflogen wurde.

Wie in der Natur folgt auch im Vereinsleben auf den Sonnenschein der Regen. Der 31. August 1958 geht als rabenschwarzer Tag in die Vereinsgeschichte ein. Was war geschehen? "Pilot Hans Barnickel stürzte beim Landeanflug auf den Kaltenreuther Flugplatz aus 15 bis 20 Metern Höhe mit der Ka 1 ab und musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden", zitiert Hahn aus der Chronik. Das war der Anfang vom Ende der Großfliegerei und der Beginn der Modellfliegerei.

Über die Gründe kann Hahn nur mutmaßen: Erhöhte Auflagen nach dem Unfall, ein zu kleiner Flugplatz und das Abwandern vieler Piloten nach Lichtenfels zum Aeroclub hätten der manntragenden Fliegerei in Burgkunstadt den Todesstoß versetzt.

Mit Unterstützung des Aero-Clubs Lichtenfels wurden in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf dem Kaltenreuther Flugplatz immer wieder Kirchweihfliegen durchgeführt, die sich großer Beliebtheit bei der Bevölkerung erfreuten. "Das waren die Vorläufer unserer heutigen Schauflugtage", erzählt Hahn. 1970 schloss der "Großflugplatz" südöstlich des Dorfes Kaltenreuth für 24 Jahre seinen Pforten. An seine Stelle trat ein kleinerer Flugplatz nordwestlich des heutigen Clubheims.


Kugelbaum mitten im Weg

Bei einem Rundgang über die Kaltenreuther Hochebene, wo sich auch das Clubheim des Vereins befindet, zeigen Hahn und sein Stellvertreter Rudolf Mager aus Weismain den ehemaligen Modellflugplatz. "Der Kugelbaum, ein markantes Naturdenkmal Burgkunstadts forderte des Öfteren seinen Tribut. Er stand mitten in der Einflugschneise des Modellflugplatzes", erinnert sich Letzterer.

Seit 1994 gehören diese Zeiten der Vergangenheit an. In diesem Jahr, so geht es aus der Vereinschronik hervor, wurde die Start- und Landebahn wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückverlegt, wo die Fliegerei in den fünfziger Jahren begann und sich heute der Modellflugplatz befindet. "Um die Bevölkerung vor Lärm zu schützen und wegen der idealeren Flugbedingungen zogen wir um", zählt Hahn die Gründe auf.

Ob Euro-Tour, Bavarian Open oder Vergleichsfliegen zwischen Ober- und Unterfranken - die Hochebene war schon Schauplatz hochkarätiger Veranstaltungen. Den Beziehungen ihres Weltmeister Wolf Fickenscher aus Neuses am Main verdankt es die Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt, dass hier mehrfach Turniere stattgefunden hatten. In Erinnerung geblieben sind Mager und Hahn zwei Russen, die nach tagelanger Fahrt in Burgkunstadt angekommen waren.

Warum ist der Flugplatz ein Magnet für Piloten aus Nah und Fern? Vorsitzender Werner Hahn führt das auf die idealen Flugbedingungen zurück, die hier herrschen: "Es ist ein schönes, offenes und freies Gelände, das in eine wunderschöne Landschaft integriert ist. Die Sichtbedingungen sind gut und in der Natur findet man jede Menge Orientierungspunkte, die für die Erfüllung der Flugaufgaben notwendig sind."

Wie sieht Hahn die Zukunft des Flugplatzes? Werden auch noch in fünfzig Jahren die Modellflieger hier abheben? "Ich glaube ja. Der Traum vom Fliegen hat die Menschen schon immer fasziniert. Wenn es ihnen gelingt, ein Flugzeug in die Luft zu bringen und es macht, was sie wollen, dann ist das ein Traumerlebnis."