Der Bahnhof in Ebensfeld muss dem Ausbau der ICE-Trasse weichen - das ist beschlossene Sache. 2016 wird das letzte Bahnhofsgebäude abgerissen. Trotzdem soll das Sandsteingebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht in Vergessenheit geraten.
Die Bahn hat den auf Denkmalpflege spezialisierte Bauingenieur Martin Burgsmüller mit der Dokumentation des Bahnhofs beauftragt. Er erklärt die Auflage des Landesamtes für Denkmalschutz für die Bahn: "Das Gebäude soll für die Nachwelt dokumentiert und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. "Die Idee ist, die Fotos und Grundrisse nicht in einem Archiv verschwinden zu lassen. Sie sollen für jeden Bürger greifbar werden. Damit dies möglich wird, hat Martin Burgsmüller viele Fotos, die Maße und Beschreibungen nach Neustadt bei Coburg geschickt.
Dort hat Thomas Oswald seine Werkstatt.

Weltweit einzigartige Qualität

Seit zehn Jahren stellt Thomas Oswald Modelleisenbahnzubehör her. Von Gebäuden über Pflanzen bis hin zu filigranen Zäunen finden sich 1700 Artikel in seinem Sortiment. Mittels eines Lasers schneidet er aus Kartonagen die kleinsten Teile zu. Aber das ist nicht die Kunst. "Mit einem Laser schneiden kann jeder", sagt Thomas Oswald, "aber Oberflächen mit einem Laser gravieren kann nicht jeder". Damit schafft er beispielsweise detailgetreue Fassaden an Modellhäusern und -dächern. Die Qualität seiner Arbeiten ist weltweit einzigartig. So ist es kein Wunder, dass er Kunden auf der ganzen Welt hat. Aus Südafrika, Japan und den USA kommen Anfragen ohne Ende. "In Europa gibt es kaum ein Land, in dem ich keine Kunden habe", berichtet der gelernte Fotograf. Auch der Bahnhof in Ebensfeld soll nun im Miniaturformat entstehen.
Die Aufbereitung macht Thomas Oswald am Computer. Am liebsten arbeitet er dabei nach Grund- und Aufrissen. Häufig bekommt er aber auch nur Bilder und die Maße. Das ist dann sehr viel aufwendiger. Je nach Größe und Detailreichtum des Objekts verbringt er wenige Stunden bis zwei Wochen mit der Entwicklung.
Ist diese detailreiche und aufwendige Arbeit erst einmal geschafft, kann sie flexibel in verschiedenen Größen umgesetzt werden. Thomas Oswald bietet seine Modelle in drei verschiedenen Maßstäben an: H0 (1:87), TT (1:120) und N (1:160). Der Bahnhof von Ebensfeld soll in H0 entstehen. Der Kunde bekommt die Einzelteile und kann die Gebäude zusammenkleben und anmalen.

Kreativität ist gefragt

Die Laser sind eigentlich zum Herstellen von Stempeln gedacht. Thomas Oswald hat die Geräte zufällig entdeckt. Der Werbefotograf wollte mit der Maschine ursprünglich Bilder auf verschiedene Materialien bringen. Da seine Karriere aber unter dem immer stärkeren Aufkommen der digitalen Fotografie litt, erinnerte er sich wieder an sein früheres Hobby: Modelleisenbahnen.
Allerdings gefiel ihm die Verarbeitung des Zubehörs gar nicht. "Ich habe angefangen, die Sachen selbst zu machen, und die Leute haben es mir aus den Händen gerissen", berichtet er. Innerhalb kürzester Zeit sei das ein Erfolg geworden.
Mit den Maschinen kennt er sich inzwischen besser aus als die Hersteller. "Da ich Quereinsteiger bin, bin ich auf Lösungsmöglichkeiten gekommen, auf die sonst keiner kam", sagt Thomas Oswald mit einem Schmunzeln.

Detailgenau, flexibel, individuell

Viele Hersteller nutzen Kunststoff als Material. Dazu werden Gießformen benötigt und das Material ist teuer. Im Gegensatz dazu bietet die Arbeitsweise von Thomas Oswald einige Vorteile: Mit seiner Technik ist es möglich, hundertprozentig maßstäblich zu arbeiten. Einzelanfertigungen sind kein Problem und der Detailreichtum ist kaum zu übertreffen. "Der Feinheit sind nahezu keine Grenzen gesetzt", sagt Thomas Oswald und deutet auf einen sehr filigranen Zaun. Durch den Karton ist das alles außerdem bezahlbar.
"Ich versuche auch, so wenig Verpackungsmüll wie möglich zu produzieren", sagt er. Die Teile für ein Gebäude kommen in einfache kleine Tüten. Die Kartonagen sind aus recyceltem Material und die Farben aus natürlichen Pigmenten. Er arbeite nahezu CO2 -neutral, sagt Thomas Oswald stolz.

Vielseitigkeit zahlt sich aus

Sowohl bei der Herstellung des Zubehörs, als auch beim Umgang mit den Farben kommt ihm seine Ausbildung als Fotograf und Visagist zugute. Er hat einen Blick für die Details und kennt die Bedeutung dieser. Auch Maltechniken lassen sich übertragen. "Modelleisenbahn ist eines der vielseitigsten Hobbys", berichtet er. Viele verschiedene Handwerke und Wissensgebiete kommen zum Einsatz: Elektronik, Schreinerei, Gestaltung, Biologie - je nachdem, wie intensiv man das Hobby betreibt.

Herstellung nach Bedarf

Thomas Oswald entwickelt sein Unternehmen immer weiter. Bis vor kurzem hat er alle Aufgaben von der Entwicklung über die Produktion bis zu Werbung und Vertrieb allein gestemmt. Inzwischen hat er einen Mitarbeiter, der ihn unterstützt.
Demnächst kommt auch neue Technik in die Werkstatt: Ein spezieller Drucker, der die gravierten Oberflächen bedruckt. Diese neue Technik hat er zum Patent angemeldet und freut sich auf die neuen Möglichkeiten.
"Ich frage die Kunden: Was braucht ihr? Ich mache keine Produktionen ins Blaue hinein", sagt Thomas Oswald. Die Qualität und Individualität machen ihn im Bereich der TT- und N-Modelle zum weltweiten Marktführer. "Und das wird sich demnächst auch nicht ändern", fügt er hinzu.
Auch wenn der Markt generell rückläufig ist, kann er sich vor Aufträgen kaum retten. Neuentwicklungen müssen bereits mindestens ein Dreivierteljahr vorher angemeldet werden.
In den nächsten Wochen wird er sich also mit dem Ebensfelder Bahnhof befassen. Das Modell kann dann im Rathaus bewundert und natürlich auch in der eigenen Sammlung aufgenommen werden.