Klaus Karl-Kraus in Michelau - nein, das ist kein Künstlername. An dem ist alles echt, von der hohen Stirn bis zur Sohle. Ein Franke halt, und noch dazu ein "Gewürfelter und ein Fregger." Ganz im Sinn von Hans Max von Aufsess, der die Frotzelsucht der Franken liebte. Damit ist Klaus Karl-Kraus ganz nah bei seinem Publikum.
Die Requisiten liegen bereit, als KKK die Bühne entert. Ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift "Das ganze Leben ist ein Kraus", ein Wikingerhelm mit langen Zöpfen, der gut in die Faschingsausgabe von "Wicki und die starken Männer" passen würde, ein Tagebuch, die rot umrandete Lesebrille und eine Gitarre auf dem abgegriffenen Gitarrenkoffer. Außer der Brille wird Klaus Karl-Kraus nichts davon in die Hand nehmen. Die Gitarre hätte er zwar gern benutzt, verrät er nach der Vorstellung, aber Akustik und Verstärkeranlage sind zu schlecht. Schließlich ist das Gemeindezentrum mit 200 Besuchern bis an den Rand prall gefüllt.

Er fühlt sich wohl in Michelau, ein Heimspiel halt: "Man tritt ja wesentlich leichter auf, wenn der Club net spielt." Nicht umsonst hängt der rote 1.-FCN-Button an seiner Brust, mit der Schrift schräg nach unten.
Sein Improvisationstalent und seine Schlagfertigkeit stellt KKK gleich zu Beginn unter Beweis, als er "Kritiker" in der ersten Reihe mit seinem violetten Pullover ins Visier nimmt.

"Karpfen, Klees und ka Wasser ist mir selber a ganz wichtiges Programm, weil ich mich bei dem Programm sehr viel mit Tradition und den Erzählungen alter Leut' beschäftige." Und schon ist er bei seiner Alzheimer-Oma ("Mit der Oma war's schee") und beim Fernseher, den man früher noch mit der Hand eingeschaltet hat.
Es macht Spaß, den Gedankensprüngen zu folgen, vom Fernseher zu den 60 "Silberzwiebeln" aus der ehemaligen DDR, auf der Suche nach dem "Dohm" in Bamberg. "Aber mir Franken sind hilfsbereite Menschen. Ich hab die 60 Silberzwiebeln nach Buttenheim g'schickt."

Weiter geht's im Schweinsgalopp zu den Erlanger Originalen, zum "Kuh-Bingo", zum Studium an Hühnern mit Gipsbeinen und den Hardcore-Katholiken mit ihren Beicht-Ritualen.

Eine "katastrophale Kindheit"

Er ist abgehärtet durch eine "katastrophale Kindheit". Kein Wunder, dass er inzwischen an zwei Unis als Privatdozent für Kommunikation gelandet ist. "Von wegen Kids! Wie ich so klaa wa, war ich der Hundskrüppel. Ich hab jahrelang gedacht, ich heiß Klaus Hundskrüppel." Die zwölf Jahre als Ministrant haben ihn geprägt. "Als Ministrant bei Beerdigungen, da lernst Du fürs Leben, denn es wird nirgendwo so g'log'n wie bei Beerdigungen." "Die schönsten Aufgaben für uns als Ministranten, des warn wirklich die Beerdigungen." Vor allem die, wo die Jäger geblasen haben, "die Sau ist tot!". Und der Winkel, in dem der Sarg ins Grab gelassen wird, bestimmt die Jahre des Fegefeuers.

"Mir gehen an Allerheiligen noch zu die Toten hin. Mittlerweilen ham mer Halloween, da kuma die Leich'n zu mir haam." Und als Ministrant ist KKK sehr schnell auf die Idee gekommen, als Heilige drei Könige "privat" zu singen - für "Kracher", also für Böller. Denen verdankt er einige seiner schönsten Erlebnisse. Von der Sprengung an der Modelleisenbahn, wo das Matterhorn geköpft und in den Vesuv verwandelt wurde, oder vom Zementsilo, wo man sogar in einen Kracher für ein Zehnerla investiert hat. "Wir ham wunderbare Sprengungen ghabt!" schwelgt Klaus Karl-Kraus in Erinnerungen, und das Publikum krümmt sich vor Lachen.

"Der Abend, des wa schöö. Und des Tollste war, mir hat's g'falln. Endlich mal wo auftreten, wo die Leut was verstehn", bekennt auch KKK nach zwei Stunden, in denen eine Lachattacke die andere gejagt hat.
Doch die Zugabe fällt anders aus: Da trifft man den nachdenklichen Klaus Karl-Kraus. Der erzählt von seiner jungen Studentin aus Ghana, die eine Stunde braucht, um zur Quelle zu laufen, um in einem alten Plastikkanister das Wasser für den Tag zu holen. "Seid a bisserla dankbarer." So erklärt sich auch das "ka Wasser" in "Karpfen, Klees und ka Wasser".