Joachim Schubert hätte nicht wechseln müssen. Fast elf Jahre stand er an der Spitze der Arbeitsagentur in Kronach. Und dann, mit 61, noch ein neuer Anfang in diesem Januar in Lichtenfels?
Er sei heimatverbunden, sagt er - und in diesem Fall hat eigentlich nicht er, sondern ein Kollege von dieser Einstellung profitiert.
In der Geschäftsstelle in Kronach wäre der Posten, auf dem sein Stellvertreter tätig war, entfallen. Deshalb sollte Jochen Wich-Herrlein eigentlich die Nachfolge von Wolfgang Franz in Lichtenfels antreten, der als Leiter zum Jobcenter Lichtenfels gewechselt ist. Wich-Herrlein wohnt aber in Fischbach hinter Kronach - also wechselte Schubert, damit der jüngere Kollege als neuer Leiter in Kronach heimatverbunden arbeiten kann.
Nürnberg, Bamberg, Suhl, Weißenburg und immer wieder Coburg. Schubert war an vielen verschiedenen Stationen in unterschiedlichen Aufgaben tätig und kennt die Region, doch es zog in immer wieder in die Nähe seines Heimatortes Schorkendorf bei Ahorn im Landkreis Coburg zurück. In Coburg war er zeitweise für die Auszahlung von Kurzarbeiter- und Schlechtwettergeld zuständig, kümmerte sich um Insolvenzen. "Unter anderem habe ich die Insolvenz bei Dechant in Weismain betreut", sagt er.
Er kenne viele Bürgermeister und Landrat Christian Meißner (CSU): "Ich bin hier ja nicht zum ersten Mal unterwegs." Das politische Geschäft hat er auch aus einer anderen Perspektive erlebt. Schubert war von 1990 bis 2002 Gemeinderat für die CSU in Ahorn, holte als Bürgermeisterkandidat bei der Wahl im Jahr 2000 rund 45 Prozent. Privat engagierte er sich als Funktionär über 25 Jahre im überregionalen Radsport und gehörte zu den Mitorganisatoren bei WM-Wettbewerben wie etwa Kunstradfahren.
Die Wirtschaft in der Region beschreibt er als breit aufgestellt - und es gehe ihr nicht schlecht. "Wir haben das große Glück, keine Monostruktur zu haben." Insolvenzen wären deutlich zurückgegangen, vor allem Baur Fulfillment Solutions habe vielen Leuten Arbeit gebracht, die in der Region sonst kaum eine Anstellung gefunden hätten.
Doch wenn er auf die Statistik schaut, gäbe es eine Gruppe, die momentan abgehängt werde. Die über 50-Jährigen profitierten vom Aufschwung weit weniger als jüngere Arbeitslose, betont er.
Im Landkreis Lichtenfels fielen im Dezember über 41 Prozent der Arbeitslosen in diese Altersgruppe, 618 der etwa 1500 Menschen ohne Beschäftigung. In dieser Zahl sind auch die Personen enthalten, die länger als ein Jahr ohne Arbeit sind und deshalb vom Jobcenter betreut werden. Der Trend könnte anhalten, fürchtet er.
Er will mit seinen Vermittlern regelmäßig Firmen besuchen, auch um dort dafür zu werben, älteren Arbeitslosen eine Chance zu geben. "Die betreuen wir von unserer Seite aus besonders, und für die Unternehmen gibt es Eingliederungszuschüsse von bis zu 50 Prozent."
Jugendarbeitslosigkeit sei dagegen kaum mehr ein Problem. Die 15- bis 25-Jährigen stellen mit 143 Personen nur noch 9,5 Prozent der Arbeitslosen im Landkreis. Trotzdem: Auch hier sieht Schubert Handlungsbedarf. "Es gibt immer noch zu viele Schulabgänger ohne Abschluss." Die fehlten an anderer Stelle, Fachkräftemangel sei ein Wort, das inzwischen auch in der Region Gewicht bekomme.