Wie das Dorf geheißen hat, das vor 3000 Jahren hier stand, wird wohl nie mehr zu erfahren sein. Die Lebensumstände seiner Bewohner geben jedoch Aufschluss über den Alltag der Menschen in der Urnenfelderzeit. Die vorzeitliche Siedlung am Schöpfleinsgraben zwischen Kaspauer und Erlach wird derzeit von einem Grabungsteam des Lehrstuhls für ur- und frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bamberg zum zweiten Mal erforscht.
Der Bamberger Archäologe Timo Seregély geht aufgrund der Grabungsfunde vom Vorjahr davon aus, dass dieser Platz in der mittleren Urnenfelderzeit (etwa 1100 bis 1000 v. Chr.) mit Häusern bebaut war. "An diesem Ort ist eine relativ kontinuierliche bronzezeitliche Nutzung wahrscheinlich", sagt er. Die Größe der Siedlung sei momentan noch nicht abschätzbar, denn dafür sei das 21 mal 16 Meter große Grabungsareal zu klein.
Spektakuläre Funde haben die Archäologen bisher nicht zu Tage gefördert. Das mag daran liegen, dass der eigentliche Oberboden schon lange durch landwirtschaftliche Nutzung abgetragen wurde. Unter den Funden sind urnenfelderzeitliche und frühbronzezeitliche Keramikscherben - unter anderem welche, die mit Graphit verziert sind. Gefunden wurden ferner drei Goldammoniten sowie zwei mittelsteinzeitliche Mikroklingen aus Silex. Der günstig gelegene Ort an einem Bach im Tal war sicherlich schon vor 10 000 Jahren ein idealer Lagerplatz für nicht sesshafte Jäger.
Doch gerade jenen, für den Laien unspektakulären Funden schenkt Timo Seregély seine Aufmerksamkeit. Die Lehr- und Forschungsgrabung bei Kaspauer dient zur Vorbereitung einer breiter angelegten Kampagne in den kommenden Jahren. Dabei soll die Siedlungsgeschichte der nordöstlichen Frankenalb von der frühen Bronzezeit bis in spätkeltische Zeit erforscht werden. Untersucht werden dabei unter anderem Siedlungen bei Rothmannsthal und Wattendorf.
Unter diesem Aspekt sind die verziegelten Lehmbrocken eines abgebrannten Hauses hoch interessant, ebenso wie die ausgegrabenen Rinder-, Schaf-, Ziegen- und Schweineknochen. Auch die fünf freigelegten Lehmentnahme- und Vorrats gruben lassen Rückschlüsse auf die Lebensumstände der Bauern vor 3000 Jahren zu.
Während der dreiwöchigen Grabung bei Kaspauer legte das Team der Uni Bamberg nur ein kleines Stück des Dorfes frei; die Pfostengruben wurden fotografiert, vermessen und gezeichnet. Die kompletten Grundrisse der Gebäude konnten zwar nicht freigelegt werden oder sind durch Erosion nicht mehr zu rekonstruieren; Timo Seregély nimmt aber an, dass an diesem Ort zweischiffige Holzbauten standen, die etwa zehn Meter lang und fünf Meter breit waren.
Das alles ist auch für Bernhard Kraus interessant. Dem Landwirt aus Kaspauer gehört das Feld, auf dem die Archäologen graben. Auf der inzwischen stillgelegten Fläche habe er früher Kartoffeln angebaut, sagt er. Dass hier einmal ein Dorf stand, habe seine Oma ihm vor langer Zeit schon erzählt. Die Grabung hat das nun bestätigt.