"Sie bilden die Brücke zwischen Justiz und Bürger." Mit diesen Worten verabschiedete die Direktorin des Amtsgerichts Lichtenfels, Ulrike Barausch, 18 aus dem Amt ausscheidende Schöffinnen und Schöffen. Zwischen 2014 und 2018 haben sie am Amtsgericht in Lichtenfels die Berufsrichter unterstützt.

Einer von ihnen war Manfred Bergmann. Der Sonderschulleiter der Glockenbergschule in Neustadt bei Coburg war fünf Jahre Jugendschöffe in Lichtenfels. "Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich werde mich auf jeden Fall noch einmal bewerben."

Und auch die Richter freuen sich, wenn durch die Laienrichter etwas Abwechslung in den Alltag kommt. "Ich finde es immer schön, wenn die Schöffen mit dabei sind. Denn wenn wir Juristen untereinander sind, dann ist man immer sehr auf die Gesetzbücher fixiert. Frischer Wind von außen tut da ganz gut", sagt Ulrike Barausch.

Denn ein Gesetzbuch hat Manfred Bergmann während seiner Zeit als Schöffe noch nie in der Hand gehabt - muss er aber auch nicht. "Von mir wird nicht verlangt, dass ich mich gut mit den Gesetzen auskenne, denn dafür gibt es ja die Berufsrichter."

Die Aufgabe eines Schöffen ist eine andere. Sie sind vor allem bei den Jugendlichen aus erzieherischer Sicht wichtig. Sie stellen das Bindeglied zwischen der Justiz und den Bürgern dar. Das Volk selbst ist dadurch direkt am Rechtsstaat beteiligt.

So setzen sich die Schöffen auch als Querschnitt der Bevölkerung zusammen. "Wir schauen bei der Vorauswahl bereits darauf, dass aus jeder Bevölkerungsschicht Kandidaten dabei sind, bevor es zur eigentlichen Wahl kommt. Frauen und Männer genauso wie aus jeder Altersgruppe und unterschiedlichen Berufsgruppen", erklärt Ulrike Barausch.

Um Schöffe zu werden muss man sich mit einem Brief bei der Gemeinde oder dem Jugendhilfeausschuss bewerben. Danach wird in den Gemeinden eine Vorauswahl getroffen, weil diese die Kandidaten meist bereits einschätzen können. Am Ende wählt dann der Schöffenwahlausschuss acht Hauptschöffen und zusätzliche Hilfsschöffen für eine Periode von fünf Jahren. Am 1. Januar 2019 startete die neue Periode bis 31. Dezember 2023.

Aber welche Voraussetzungen muss ein Schöffe mitbringen? "Die Schöffen müssen zwischen 25 und maximal 69 Jahre alt sein, unparteiisch sein, eine gewisse Reife mitbringen und eine tadellosen Leumund vorweisen können", erklärt Ulrike Barausch. Die Jugendschöffen müssen auch erzieherisch befähigt sein. Eltern, Erzieher oder auch Lehrer seien da besonders geeignet.

Ebenso sollte es mit dem normalen Beruf vereinbar sein. "Es gab einmal ein sehr langes Verfahren, durch das eine Schöffin sehr oft in ihrem normalen Beruf gefehlt hat, das gab Probleme mit dem Chef, so dass diese sich nach dem Ende ihrer Amtszeit nicht erneut bewarb. Aber normalerweise gibt es keine Probleme. Und es ist den Arbeitgebern zudem verboten, deswegen zu kündigen", sagt Ulrike Barausch.

Alle diese Kriterien erfüllte Manfred Bergmann, deswegen wurde er zum Jugendschöffen gewählt. Einmal pro Monat saß er in den vergangenen fünf Jahren mit einer Schöffin gemeinsam im Amtsgericht in Lichtenfels und unterstützte Ulrike Barausch und ihre Kollegen bei der Urteilsfindung.

"Wir als Schöffen versuchen einen Blick auf das Menschliche zu werfen und hinter die Fassade zu blicken. Ich stelle mir immer die Frage 'Was führte dazu, dass der Angeklagte straffällig wurde? Sieht er ein, was er falsch gemacht hat?' Das Jugendgericht soll die Straftäter erziehen und nicht direkt sofort harte Strafen verhängen", beschreibt Manfred Bergmann seine Arbeit als Schöffe.

Und diese Erziehungsfunktion ist das, was den Schöffen viel Spaß macht. "Die Meisten wollen nach dem Ende ihrer Periode weitermachen", sagt Ulrike Barausch, die froh darüber ist.

Im Frühjahr 2023 beginnt die nächste Bewerbungsphase für das Schöffenamt und auch Manfred Bergmann wird sich dann wieder bewerben.