Häufig waren in Franken die Anwesen eines Ortes unter mehrere Herrschaften verteilt. In den einzelnen Dörfern kristallisierte sich im 16. Jahrhundert jedoch ein Herr als der Dorf- und Gemeindeherr heraus. In der Regel war das der Grundherr, dem die meisten Anwesen des Ortes zinspflichtig waren. Wer die Dorf- und Gemeindeherrschaft ausübte, der war zuständig für Recht und Ordnung auf den öffentlichen Plätzen und Wegen, er kontrollierte die kommunale Selbstverwaltung, sprich: das Tun und Lassen der Dorfmeister. Er war die bestimmende Kraft im Ort.

Ungeordnetes Nebeneinander

In Schwürbitz lag die Sache anders. Eine Aufstellung aus den 1560er oder 1570er Jahren zeigt das ungeordnete Nebeneinander verschiedener Herrschaften. Acht verschiedene Grundherren hatten dort zinspflichtige Anwesen. Der Bamberger Bischof hatte neun Hintersassen. 21 Hintersassen hatte das Bamberger Domkapitel, die Gemeinschaft der Chorherren am Bamberger Dom. Diese Domherren waren allesamt adlig, mehrere Generationen zurück. Ihre Gemeinschaft hatte Macht, denn sie besaß seit dem 12. Jahrhundert das Recht der Bischofswahl. Durch die Zugeständnisse, die man dem künftigen Fürstbischof abrang, wurde das Domkapitel zur zweiten Macht im geistlichen Staat von Bamberg.

Weitere 20 Anwesen bildeten die "Oblei Schwürbitz". Dieser kleine Besitzkomplex gehörte ebenfalls dem Domkapitel, doch die Einkünfte flossen nicht der Gemeinschaft zu, sondern einem einzelnen Domherrn. Als "Obleiherr" herrschte er über diesen Teil des Dorfs. Wilhelm von Redwitz zu Theisenorth hatte fünf Hintersassen in Schwürbitz, Jakob von Redwitz zu Schmölz zwölf, Paul von Schaumberg zu Strössendorf fünf und Martin Wolf von Redwitz zu Wildenroth acht. Schließlich hatte die Kirchenstiftung der Hl.-Grab-Kapelle bei Lettenreuth noch zwei zinspflichtige Anwesen in Schwürbitz. Bei einer solchen Gemengelage zeichnete sich keiner der Grundherren eindeutig als der stärkste ab. So herrschte, wenn wir Klagen aus den 1580er Jahren glauben dürfen, geradezu Anarchie in Schwürbitz.

Es gebe "im Dorff Schwirbitz sieberlei Herschafft", heißt es, "daraus dan [...] beschwerliche Irrung, Unnachparschafft und Eintrege ervolgen". Für schwere Verbrechen - Tötungsdelikte oder Raub etwa - war der Bamberger Bischof zuständig, das war unbestritten. Solche Verbrechen gehörten vor das Zentgericht Marktgraitz. Für die niedere Gerichtsbarkeit war jeder einzelne Grundherr verantwortlich, sofern die Tat innerhalb eines ihm zinspflichtigen Anwesens geschah. Auch dies bot keine Probleme. Doch auf gemeindeeigenem Grund fühlte sich niemand zuständig. Hätte einer der Herren eingegriffen, dann hätten die anderen schärfstens protestiert. Daher herrschte Unordnung. Häufig komme es zu schweren Schlägereien, und selbst wenn in umliegenden Dörfern zwei Streithähne aneinandergerieten, gingen sie nach Schwürbitz: Hier konnte man sich auf offener Straße ungestraft prügeln. Es sei schon, so lesen wir, "fast dahin komen, das bei der Nacht keiner sicher zu und von den andern kommen kan". Man könne also nicht mehr von einem Haus zum anderen ohne Scheu gehen. Auswärtige, die in keinem anderen Ort unterkamen, erbauten sich auf Schwürbitzer Gemeindegrund ungefragt Häuser.

Niemand verwehrte es ihnen, zumal sie offenbar dem Lichtenfelser Forstmeister Zins zahlten und dieser im Gegenzug seine schützende Hand über sie hielt. Ein Mann bezog das gemeindliche Hirtenhaus, warf den Hirten auf die Straße und tönte, "er wolle den gern ansehen, der ime daraus treibe". Die Situation mag allzu dramatisch geschildert sein, doch fraglos bestand Bedarf, dass sich die Grundherren des Ortes abstimmten und eine Lösung fanden, wie die Dorf- und Gemeindeherrschaft geregelt werden solle.

Eine solche Abstimmung kam endlich, nach langem Hin und Her, durch die Dorfordnung von 1588 zu Stande. Demnach "regierten" die drei geistlichen Herrschaften (Bischof, Domkapitel, Obleiherr) und die vier adligen Grundherren das Dorf im jährlichen Wechsel, so dass also derselbe Grundherr alle sieben Jahre wieder an der Reihe war. Das war nicht einmalig, aber doch selten. In Herreth herrschte dasselbe System, dort mit dem Kloster Banz und zwei Adelsfamilien. Dass sich aber wie in Schwürbitz sieben Herren in der Dorf- und Gemeindeherrschaft abwechselten, war weithin ohne Parallele.