Es ist nicht viel Platz, auf dem sich ein ganzes Jahrhundert der Zeitungsgeschichte nachverfolgen lässt. In grünen Metallschränken, die durch Drehkreuze zur Seite bewegt werden können, stehen hunderte Bände, also zu Büchern gebundene Zeitungsausgaben, sortiert nach Jahrgang. Im Keller des Firmengebäudes der Mediengruppe Oberfranken in Bamberg befindet sich das Archiv des Fränkischen Tags. Es fällt nur wenig Tageslicht herein, und es riecht nach vergilbtem Papier. Die Medien sind zwar im Wandel, doch eines hat sich bei allem Fortschritt und aller Digitalisierung noch nicht verändert: Die gedruckte Zeitung besteht weiterhin, im Prinzip wie Mitte des 19. Jahrhunderts, von wann auch die ältesten Ausgaben im Bamberger Keller stammen.

Damals hieß der Fränkische Tag noch anders. Das "Bamberger Tagblatt" entstand 1834 und hielt bis zum Jahr 1933 die Bamberger Bevölkerung auf dem Laufenden. Dann schalteten die Nationalsozialisten alle Zeitungen gleich, und aus dem Tagblatt wurde die "Gauzeitung Bayerische Ostmark". Mit unabhängiger Berichterstattung war es vorbei, daran änderte auch die spätere Rückkehr zum ursprünglichen Namen nichts.

Bote am Obermain

Nach Kriegsende wurde die Zeitung von den US-amerikanischen Besatzungsbehörden am 11. April 1945 verboten. Es dauerte fast ein Jahr, bis Anfang des Jahres 1946 die Druckmaschinen des Tagblatts wieder den Betrieb aufnahmen, allerdings unter neuer Führung - und unter neuem Namen. Der Fränkische Tag war geboren, lizensiert durch die US-Amerikaner.

Auch am Obermain war nach dem Kriegsende erst einmal Schluss mit Zeitung gewesen. Doch auch dort musste man nicht lange auf den FränkischenTag warten. Von der "Ausgabe Staffelstein und Ebern" finden sich Exemplare von 1947 im Bamberger Archiv. 1949 war die Ausgabe dann als mit dem Untertitel "Obermain-Bote" versehen.

Morgen vor 70 Jahren

Da ist es doch naheliegend, einen Blick in die D-Ausgabe, wie der FT für den Landkreis Lichtenfels intern heißt, vor exakt 70 Jahren zu werfen. Da gibt es nur ein Problem: Am 13. August 1950 ist die Zeitung nicht erschienen. Der Grund ist allerdings so unspektakulär wie weiterhin gültig: Es handelte sich um einen Sonntag.

Am Folgetag hatte die Seite mit den Nachrichten aus dem heutigen Landkreis Lichtenfels folgende Meldungen zu bieten: Der ehemalige französische Zivilarbeiter Robert Chevenier aus Paris besuchte seinen ehemaligen Quartiergeber, den Staffelsteiner Brauereibesitzer Meixner, und bedankte sich für die damalige gute Behandlung. Dann zog er mit seiner Frau auf dem Motorrad weiter in Richtung Berlin.

In Burgkunstadt wurde derweil der Arbeiter-Turn- und Gesangsverein umbenannt. Zwar taten sich einige Mitglieder schwer damit, doch "Arbeitergesangsverein" sei einfach nicht mehr zeitgemäß, da jeder Verein inzwischen Arbeiter als Mitglieder habe. Und so entschied man sich mit 51 zu 20 Stimmen - bei vier Enthaltungen - für den Namen "Turn- und Gesangverein 1907 Burgkunstadt". Sprung in die nähere Vergangenheit: 2016 löste sich der Verein auf.

Der Blick in die Ausgabe von vor 70 Jahren zeigt auch: Kuriose Polizeimeldungen gab es damals schon. Unter der Überschrift "Polizei - Mädchen für alles" wird berichtet, dass sich eine Frau in Hochstadt aus dem Haus ausgesperrt hatte. Verzweifelt holte sie die Polizei. "Prompt erschien auch ein Beamter mit einer riesigen Leiter, womit er in die Giebelwohnung stieg und das Haus von innen öffnete."