Die zwei Kassen sind noch da - und an einer stehen auf der Ablage noch zwei Schilder "Kasse geschlossen". Für immer, möchte man anfügen, denn Schlecker ist pleite.

Drei Frauen waren es, ihre Arbeit in Bad Staffelstein verloren - und Vermieterin Albine Müller sitzt auf einem Haufen Müll und einem Teil der Ladeneinrichtung, die das Unternehmen zurück ließ. Immerhin - sie bekam den Ladenschlüssel per Post zugeschickt, drei Wochen, nachdem das Geschäft Ende Juni schloss. Solange brannte am Abend sogar noch die Schaufensterbeleuchtung. "Ich kam ja nicht rein", sagt die 74-Jährige.

Doch das ist ein eher kleineres Problem gewesen. "Da waren 29 Schalter - und wir haben dann den richtigen gefunden." Den Strom hat ohnehin Schlecker direkt bezahlt.

Doch die Miete für vier Monate von Juni bis Ende September, so lange lief der Mietvertrag offiziell, sowie Nebenkosten wie die Heizungsabrechnung kann Albine Müller wohl abschreiben. Bei Schlecker ist kein Geld mehr zu holen.

Nun sucht sie einen Nachmieter, auch mit Hilfe von Immobilienfachwirt Matthias Straßburger, der sein Büro wenig entfernt in der Lichtenfelser Straße hat. "So eine Immobilie eignet sich zum Beispiel für einen Handwerker, der eine Ausstellung für Kachelöfen sucht oder einen Treppenbauer, der hinten noch eine kleine Werkstatt benötigt."

Das Geschäft ist größer, als es von der Bamberger Straße aus scheint, und reicht hinten bis zur Oberen Badegasse, wo ein großes Tor ist. Albine Müller öffnet es - und vorne fängt eine Glocke zu schrillen. So wussten die Verkäuferinnen Bescheid, wenn jemand eintrat, wenn nicht abgeschlossen war. "Die Regale lasse ich drin stehen", sagt sie, als sie durch den langgezogenen Laden geht. "Vielleicht braucht die der neue Mieter."

Aus ihren Worten spricht auch eine Kauffrau, denn Albine Müller hat das Geschäft 1961 zusammen mit ihrem Mann Georg als Lebensmittelgeschäft eröffnet. "Unsere Wurst- und Käsetheke war bekannt, wir haben viele Platten für Partys geliefert", erinnert sich sich. Mitte der 90er Jahre zeichnete sich ab, dass sie keine Nachfolger für das Geschäft haben würden, die Kinder zog es in andere Berufe.

So begann eine neue Epoche: "Rund 20 Jahre war Schlecker mein Mieter." Und sie besserte mit den Einnahmen ihre Rente auf.

Etwa 320 Quadratmeter umfasst der Laden mit Lager, es gibt Nebenräume, ein kleines Büro und einen Aufenthaltsraum. Dort stehen sogar noch Fax und Kaffeemaschine - und ein Regal mit blauen Ordnern. Teilweise sieht es so aus, als wäre man etwas überhastet geflüchtet. Zusammen vermittelt das Arrangement fast den Eindruck eines Kunstwerkes über den Untergang der Unternehmenskette, wenn zwischen den leeren Ständern Werbeschilder mit lächelnden Menschen hervorschauen - und auf Tafeln mit der Aufschrift 90 Prozent Rabatt blicken.

Was zurückblieb, muss Albine Müller entsorgen, wenn sich niemand findet, der dafür Verwendung hat. 27 Säcke mit Müll, 45 kleine Wagen für Angebote, hunderte Meter Regale. "Das sind sicher drei Laster, wenn ich das abfahren muss."