Zu Klartext (FT-Druckausgabe v. 22.07.2016) - Promillegrenze

„Die Promillegrenze für Fahrradfahrer sollte gesenkt werden, weil durch Betrunkene am Lenker viele Unfälle passieren können“, legt eine Kommentatorin ihren Standpunkt dar. „Wie soll ich nach der Party nun nach Hause kommen?“ widerspricht die Kontrahentin...
„Die Promillegrenze für Fahrradfahrer sollte gesenkt werden, weil durch Betrunkene am Lenker viele Unfälle passieren können“, legt eine Kommentatorin ihren Standpunkt dar. „Wie soll ich nach der Party nun nach Hause kommen?“ widerspricht die Kontrahentin.

Vertiefte Faktenkenntnis scheint zu fehlen - wie auch den Autorinnen des Hauptartikels. Wie sonst könnte die Frage, „wieviel Alkohol erwachsene Verkehrsteilnehmer trinken dürfen“, aufkommen? Anzulasten ist das Defizit den Schülerinnen der Jahrgangsstufe 8 nicht. Denn Streitfragen um den Verkehr werden eher emotionsgesteuert, auf Stammtischniveau, als rational diskutiert. Grundlegende Tatsachen werden (auch in den Medien) selten erwähnt - sie könnten festgefahrene Meinungen erschüttern.

Ein Fahrzeug unter Alkoholeinfluß zu führen, ist verboten. Abgestufte Grenzwerte entscheiden nur darüber, wann Ahndung auch ohne festgestellte Verhaltensauffälligkeiten erfolgt. Wer den Verkehr offensichtlich gefährdet, kann - selbst als Fußgänger - auch bestraft werden, wenn keine Überschreitung einer Promillegrenze vorliegt.

Ab einem Blutalkoholgehalt von 0,5 ‰ (relative Fahruntüchtigkeit) bedeutet das Führen eines Kraftfahrzeugs, sollte sonst nichts vorliegen, eine Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 ‰ (absolute Fahruntüchtigkeit) eine Straftat. Für Radfahren ist relative Fahruntüchtigkeit nicht definiert, absolute gilt ab 1,6 ‰. Die differenzierende Wertung liegt im unterschiedlichen Gefahrenpotential begründet.

Natürlich kann über die Berechtigung der jeweiligen Werte nachgedacht, die Definition relativer Fahruntüchtigkeit für Radler erwogen werden. Doch welcher Handlungsbedarf liegt vor? Die Zahl durch alkoholisierte Radfahrer verursachter Unfälle ist seit Jahren rückläufig. Wird eine Geisterdebatte vom Zaun gebrochen - vielleicht, um von drängenderen Fragen abzulenken?

Unabhängig davon gilt: Wer unter Alkoholeinfluß steht, stellt im Straßenverkehr ein Risiko dar - und sollte sich bei Bedarf fahren lassen!