Hallstadt

Wirklich Unachtsamkeit?

Unter http://www.infranken.de/regional/bamberg/Hallstadt-Radfahrer-landet-in-Bach;art212,1168020 wird berichtet, ein Radfahrer sei "vermutlich aus Unachtsamkeit ... gegen ein Brückengeländer" gefahren und "etwa drei Meter tief in den Bach" gefallen...
Unter https://www.infranken.de/regional/bamberg/Hallstadt-Radfahrer-landet-in-Bach;art212,1168020 wird berichtet, ein Radfahrer sei "vermutlich aus Unachtsamkeit ... gegen ein Brückengeländer" gefahren und "etwa drei Meter tief in den Bach" gefallen.

Warum schließt die Polizei bei derartigen Unfällen von vornherein aus, daß der Radler möglicherweise von einem ohne ausreichenden Seitenabstand überholenden Kraftfahrzeug aus der Spur gebracht wurde? Wie auch mögliche Fahrwegschäden scheint diese Unfallursache in den Köpfen der Beamten überhaupt nicht zu existieren.

Im Kapitel "3.1.2. Mangelnder Überholabstand als mittelbare Unfallursache" schildert der Fachausschuß Radverkehr des Allgmeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC):

"Vermutlich sehr viel häufiger, wenn man Alleinunfallschilderungen hört, allerdings noch schwieriger zu erfassen und noch weniger untersucht sind die Unfälle aufgrund der indirekten Einwirkungen: Druckschwankungen die Radfahrer nicht genügend ausgleichen können, Fahrfehler aufgrund von Erschrecken, Verlassen des befestigten Bereichs der Fahrbahn während des Ausweichens und auch das Überfahren und Stürzen an baulichen Trennungen wie Fahrbahn- oder Bordsteinkanten.

Diese Ursachen zu erkennen erfordert eine vertiefte Fachkenntnis, die man bei den ermittelnden Polizeibeamten nicht voraussetzen kann, sondern Gutachtern vorbehalten muß. ...

In der Erwartung dies seien Defizite in den Fahrfertigkeiten von Radfahrern werden diese Unfälle leicht und auch von den Radfahrern selbst als Alleinunfälle gewertet, nicht zur Anzeige gebracht und in der Regel auch durch Fahrerflucht des/der beteiligten Kraftfahrer begleitet" (http://www.adfc-weimar.de/download/Seitenabstand.pdf).

Wie sehr mangelnde Regelkenntnis bzw. -akzeptanz bei Kraftfahrern mit vorsätzlich nötigendem und gefährdendem Verhalten gekoppelt ist, konnte ich erst heute wieder erfahren:

Ich stehe mit dem Fahrrad in der Linksabbiegespur vor der roten Ampel. Aus der Fahrerkabine des hinter mir wartenden Kleinlasters tönt: "Da ist doch ein Radweg!"

Der Radweg erfüllt nicht einmal die baulichen Anforderungen an einen Einrichtungsradweg für "normale" Fahrräder, ist aber ungeachtet hohen Unfallrisikos (rechtswidrig) in beiden Fahrtrichtungen als benutzungspflichtig beschildert. Sich dennoch mit dem Fahrrad zum Linksabbiegen auf der Fahrbahn einzuordnen, ist gemäß StVO zulässig! Überdies darf die Benutzungspflicht mit mehrspurigen Fahrrädern oder Anhängergespannen wegen Unzumutbarkeit ignoriert werden (Verwaltungsvorschrift zur StVO).

Wenig später (kein Radweg vorhanden) überholt mich besagter Lkw mit deutlich unter einem Meter Seitenabstand (die Rechtsprechung verlangt mindestens 2 m). Kurz darauf muß er wegen einer vor ihm fahrenden Baumaschine abbremsen. Ein Pkw versucht, mich zu überholen. Der Fahrer stellt fest, was auch vorab erkennbar gewesen wäre: Der Raum zwischen mir und dem Klein-Lkw reicht nicht aus. Er beginnt, mich auf den nebenliegenden Parkstreifen abdrängen zu wollen - erfolglos, seine Angst vor einem Lackschaden überwog offensichtlich.

Die Baumaschine stoppte, der Lkw-Fahrer hielt gleichfalls, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Das ging wohl gegen die Ehre besagten Pkw-Fahrers - hinter einem Radfahrer warten müssen! Wo kommen wir denn da hin? Also schert er aus, gibt Gas und zwingt den entgegenkommenden Pkw, anzuhalten und ihn passieren zu lassen.